Die Tourismusregion Oberschwaben-Allgäu verzeichnet im Segment des Kurzurlaubs- und Wochenendtourismus eine verstärkte Nachfrage nach Angeboten, die Landwirtschaft, Handwerk und Gastronomie direkt miteinander verknüpfen.
Agrarbetriebe und mittelständische Lebensmittelhersteller im württembergischen Teil des Allgäus nutzen diesen Trend zunehmend, um durch Diversifikation neue Einnahmequellen zu erschließen. Neben der primären Erzeugung von Agrarprodukten investieren traditionsreiche Familienbetriebe vermehrt in die touristische Infrastruktur, etwa durch den Ausbau von Ferienwohnungen, Hofläden und gastronomischen Angeboten.
Ein Beispiel für diese wirtschaftliche Neuausrichtung ist der Rösslerhof in Schlier, dessen historische Wurzeln bis in das 13. Jahrhundert auf die Benediktinerabtei Weingarten zurückgehen. Der heutige Milchviehbetrieb kombiniert die klassische Acker- und Grünlandwirtschaft mit einem angeschlossenen Hofcafé, einem Bio-Hofladen sowie mehreren Ferienunterkünften. Diese Verknüpfung ermöglicht es landwirtschaftlichen Betrieben, die Wertschöpfung vor Ort zu steigern und gleichzeitig eine direkte Schnittstelle zum Endverbraucher zu schaffen, was die ökonomische Resilienz gegenüber schwankenden Erzeugerpreisen auf dem globalen Markt erhöht.
Die enge Vernetzung innerhalb der regionalen Wirtschaftskreisläufe zeigt sich auch in der Kooperation zwischen den landwirtschaftlichen Erzeugern und dem lokalen Handwerk. Ein Teil der Milchprodukte des Rösslerhofs wird in der nahegelegenen Käserei Bauhofer verarbeitet. Der dort hergestellte Rohmilchkäse reift in spezialisierten Lagerungsanlagen, in denen moderne Robotertechnologie für das regelmäßige Wenden und Waschen der bis zu 80 Kilogramm schweren Laibe eingesetzt wird. Die Integration von Schaukäsereien und Verkaufsstellen in den Produktionsprozess dient als Marketinginstrument, um handwerkliche Herstellungsverfahren im Premiumsegment zu positionieren.
Ergänzt wird diese Infrastruktur durch das regionale Hotelgewerbe, wie das Hotel Zum Schloss im nahen Amtzell, das auf kulinarische Konzepte mit regionalen Produkten setzt. Um den Anforderungen eines veränderten Freizeitverhaltens gerecht zu werden, investieren Hotelbetriebe verstärkt in zusätzliche Serviceleistungen wie den Verleih von E-Bikes für den Aktivtourismus. Branchenanalysen im Tourismussektor verdeutlichen, dass die Bündelung von Naturraum, regionaler Gastronomie und technischer Ausstattung wesentliche Erfolgsfaktoren darstellen, um kaufkräftige Zielgruppen für mehrtägige Aufenthalte im ländlichen Raum zu gewinnen.