Stadler Flirt Akku (Foto: ÖBB | Hummel).
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ÖBB erweitern Bestand an Akkutriebzügen für den Einsatz in Niederösterreich

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Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) treiben die technische Erneuerung ihres Fuhrparks auf den regionalen Nebenbahnen weiter voran. Durch den Abruf von sieben zusätzlichen Einheiten des Typs Stadler Flirt Akku wird die Abkehr von konventionellen Antriebstechnologien auf nicht elektrifizierten Streckenabschnitten forciert. Diese Maßnahme ist Teil einer langfristigen Strategie, die darauf abzielt, den Betrieb auf Linien wie der Kamptalbahn oder der Erlauftalbahn effizienter und für die Fahrgäste attraktiver zu gestalten.

Die neuen Fahrzeuge, die ab dem Jahr 2028 ausgeliefert werden sollen, ersetzen sukzessive die in die Jahre gekommenen Dieseltriebwagen. Durch die Kombination aus klassischem Oberleitungsbetrieb und leistungsstarken Batteriespeichern ermöglichen diese Züge einen durchgehend elektrischen Betrieb, auch wenn die Infrastruktur keine flächendeckende Elektrifizierung aufweist. Für die Pendler in Niederösterreich bedeutet dieser Schritt nicht nur eine leisere Fortbewegung, sondern auch eine deutliche Steigerung des Komforts durch moderne Innenausstattungen und verbesserte Barrierefreiheit. Die Investition stützt sich auf einen bereits im Jahr 2023 geschlossenen Rahmenvertrag mit dem Schweizer Zughersteller Stadler, der insgesamt bis zu 120 Einheiten umfasst.

Technische Details und Funktionsweise der Hybridtechnologie

Die Entscheidung für den Flirt Akku von Stadler basiert auf der Notwendigkeit, Lösungen für Strecken zu finden, deren vollständige Elektrifizierung aus wirtschaftlichen oder bautechnischen Gründen kurzfristig nicht realisierbar ist. Das technische Konzept sieht vor, dass die Züge ihre Energie primär aus der vorhandenen Oberleitung beziehen. Während dieser Phasen, sowie bei Aufenthalten an den Endbahnhöfen, werden die installierten Lithium-Ionen-Batterien geladen. Sobald der Zug auf einen Streckenabschnitt ohne elektrische Infrastruktur einfährt, schaltet das System automatisch auf Batteriebetrieb um.

Diese Technologie hat in den vergangenen Jahren signifikante Fortschritte gemacht, insbesondere im Bereich der Reichweite und der Ladezyklen. Der Flirt Akku hält derzeit Weltrekorde für die längste Fahrt eines Batteriezuges ohne Zwischenladung unter Realbedingungen. Für die spezifischen Anforderungen der niederösterreichischen Nebenbahnen bietet das Modell genügend Reserven, um auch bei extremen Witterungsbedingungen oder betrieblichen Verzögerungen die Fahrplanstabilität zu gewährleisten. Die dreiteiligen Einheiten sind dabei so konzipiert, dass sie trotz der schweren Batteriekomponenten eine hohe Beschleunigung und Energieeffizienz aufweisen.

Ausbau der Flotte im Rahmen der Modernisierungsstrategie

Mit dem zweiten Abruf von sieben Zügen erhöht sich die Gesamtzahl der bestellten Akkutriebzüge auf nunmehr 23 Einheiten, nachdem im ersten Schritt bereits 16 Fahrzeuge geordert wurden. Der zugrunde liegende Rahmenvertrag sichert den ÖBB die Flexibilität, je nach Fortschritt der Infrastrukturprojekte und dem Bedarf in den einzelnen Regionen weitere Züge anzufordern. Diese Planungssicherheit ist für den Schienenverkehrsbereich von großer Bedeutung, da die Lieferzeiten für hochspezialisierte Schienenfahrzeuge mehrere Jahre betragen können.

Die Einflottung ab dem Fahrplanjahr 2029 wird eine Zäsur für den Regionalverkehr in Niederösterreich darstellen. Die bisher eingesetzten Dieselfahrzeuge der Reihen 5047 oder 5022 haben über Jahrzehnte den Dienst auf den Nebenbahnen versehen, entsprechen jedoch in puncto Laufruhe und Wartungsaufwand nicht mehr den aktuellen Standards. Durch den Entfall der Dieselantriebe reduziert sich die Lärmbelastung sowohl für die Fahrgäste im Innenraum als auch für die Anwohner entlang der Strecken massiv. Zudem vereinfacht die Vereinheitlichung der Flotte auf elektrische Antriebe die Wartungsabläufe in den Werkstätten der ÖBB Technische Services.

Stadler Flirt Akku (Foto: ÖBB | Hummel).

Verbesserter Komfort für den regionalen Pendlerverkehr

Ein wesentlicher Aspekt der Flottenerneuerung ist die Anhebung des Komfortniveaus auf das Niveau des Cityjet-Standards, der bereits auf den Hauptstrecken etabliert ist. Die neuen Akkutriebzüge bieten Platz für über 160 Fahrgäste und sind speziell auf die Bedürfnisse von Pendlern zugeschnitten. Die Sitze verfügen über eine ergonomische Polsterung, die auch bei längeren Fahrtzeiten den nötigen Halt bietet. Zur Standardausstattung gehören zudem Steckdosen und USB-C-Anschlüsse an jedem Platz, was die Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt erleichtert.

Besonderes Augenmerk wurde auf die Barrierefreiheit gelegt. Niveaugleiche Einstiege ermöglichen einen einfachen Zugang für Personen mit eingeschränkter Mobilität, Rollstuhlfahrer sowie Fahrgäste mit Kinderwagen. Großzügige Mehrzweckbereiche bieten ausreichend Stellflächen für Fahrräder, was insbesondere in touristisch genutzten Gebieten wie dem Kamptal von Bedeutung ist. Ein modernes Fahrgastinformationssystem mit Echtzeitmonitoren hält die Reisenden über Anschlüsse und etwaige Abweichungen im Betriebsablauf auf dem Laufenden. Diese Aufwertung der Ausstattung soll dazu beitragen, die Schiene als attraktives Transportmittel im ländlichen Raum weiter zu festigen.

Wirtschaftliche Aspekte und regionale Bedeutung

Die Investition in Akkutriebzüge ist auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten relevant. Der Wegfall von Dieselkraftstoff führt zu einer erheblichen Reduktion der Betriebskosten. Schätzungen zufolge können durch den zweiten Abruf jährlich bis zu 500.000 Liter Diesel eingespart werden. Angesichts schwankender Energiepreise und der langfristigen Abkehr von fossilen Brennstoffen stellt die Elektrifizierung mittels Batteriebetrieb eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative zur teuren Vollelektrifizierung von wenig befahrenen Strecken dar.

Für das Bundesland Niederösterreich bedeutet die Bestellung eine Sicherung der Qualität im öffentlichen Nahverkehr. Strecken wie die Erlauftalbahn sind wichtige Lebensadern für die Anbindung der ländlichen Gebiete an die Zentren. Durch moderne Fahrzeuge wird sichergestellt, dass das Angebot wettbewerbsfähig bleibt. Die Zusammenarbeit zwischen den ÖBB und dem Land Niederösterreich zielt darauf ab, ein integriertes Mobilitätskonzept zu schaffen, das durch kurze Taktzeiten und moderne Fahrzeuge überzeugt. Der Einsatz der Flirt-Akku-Züge ist somit ein wesentlicher Baustein für die Zukunftsfähigkeit der regionalen Schieneninfrastruktur.

Zukunftsaussichten und technologische Entwicklung

Die Einführung der Akkutriebzüge im Jahr 2028 wird in der Branche genau beobachtet werden. Österreich nimmt hier eine Vorreiterrolle ein, da das Land aufgrund seiner topografischen Gegebenheiten und der Vielzahl an Nebenbahnen ein ideales Testfeld für alternative Antriebe darstellt. Technologisch ist zu erwarten, dass bis zum Ende des Jahrzehnts weitere Optimierungen bei der Batteriekapazität und den Ladezeiten erzielt werden, was den Einsatzradius dieser Züge nochmals erweitern könnte.

Die ÖBB signalisieren mit diesem Schritt, dass sie bereit sind, in innovative Technologien zu investieren, um den Schienenverkehr fit für die kommenden Jahrzehnte zu machen. Während die Hauptstrecken bereits weitgehend elektrifiziert sind, stellen die Nebenbahnen die letzte große Herausforderung bei der Umstellung der Antriebssysteme dar. Die Akkumulatorentechnik bietet hier eine Brücke, die sowohl ökonomisch als auch operativ gangbar ist. Mit dem Abschluss der Auslieferung im Jahr 2029 wird das Bild der Eisenbahn in Niederösterreich endgültig durch moderne, elektrische Triebwagen geprägt sein, was einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte des österreichischen Regionalverkehrs markiert.

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