In Kürze wird am Standort der Montanuniversität in Wien eine neue Pilotanlage zur Erforschung und Entwicklung synthetischer Flugkraftstoffe offiziell eingeweiht. Die sogenannte „SAF Miniplant“ gilt in ihrer technischen Konzeption und Dimension als europaweites Unikum. Das Projekt wird von einem Konsortium getragen, dem die Montanuniversität Leoben und der Energiekonzern OMV angehören.
Ziel der Einrichtung ist es, als experimentelles Testfeld für verschiedene mehrstufige Prozessketten zu dienen, um die Effizienz bei der Herstellung alternativer Treibstoffe massiv zu steigern. Innovationsminister Peter Hanke betonte bei der Eröffnung die strategische Bedeutung der Anlage für die heimische Industriestrategie, die Österreich bis 2035 in die Top 10 der OECD-Staaten führen soll.
Die technische Besonderheit der Anlage liegt in ihrer Funktion als „Multi-Purpose“-Reaktorsystem. Forscher untersuchen hier primär das sogenannte „Alcohol-to-Jet“-Verfahren, bei dem Kraftstoffe auf Basis von Bio-Alkoholen gewonnen werden. Da herkömmliche Rohstoffquellen wie Fette und Öle stark begrenzt sind, konzentriert sich die Arbeit in Wien auf die Skalierung prozesstechnisch aufwendigerer Methoden. Die Miniplant ermöglicht es, alle notwendigen Schritte von der chemischen Umwandlung bis zur finalen Analytik im vergrößerten Labormaßstab zu erproben, bevor eine Überführung in die industrielle Produktion erfolgt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Luftfahrttechnologie als eines der neun definierten Stärkefelder des Standorts Österreich international wettbewerbsfähig bleibt.
Die Errichtung der Forschungsstätte erforderte Investitionen in Höhe von 2,4 Millionen Euro. Finanziert wurde das Vorhaben zu gleichen Teilen durch die OMV und das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), wobei die staatlichen Mittel in Höhe von 1,2 Millionen Euro über die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) flossen. Hintergrund der Investition ist der prognostizierte Bedarf an alternativen Kraftstoffen: Laut der nationalen Roadmap wird der Bedarf für Flüge mit Start in Österreich bis zum Jahr 2030 auf rund 58.000 Tonnen ansteigen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird sogar mit einer notwendigen Menge von 700.000 Tonnen gerechnet. Die Pilotanlage soll die technologische Basis schaffen, um diese Mengen künftig effizient bereitstellen zu können.
Ein wesentlicher Vorteil der hier entwickelten Kraftstoffe ist ihre Kompatibilität mit der bestehenden Infrastruktur. Die synthetischen Produkte können herkömmliches fossiles Kerosin ersetzen, ohne dass Anpassungen an Flugzeugtiefwerken oder Tankanlagen auf Flughäfen erforderlich sind. Dies sichert die Kontinuität des Flugbetriebs auch unter veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen und volatilen Energiemärkten. Durch die enge Kooperation zwischen Politik, Wissenschaft und Industrie am Standort Wien soll die Anlage als Flaggschiff-Initiative fungieren, um die Abhängigkeit von herkömmlichen Energieimporten zu verringern und die technologische Souveränität im Bereich der Mobilitätsindustrie zu festigen.