Der österreichische Tourismussektor hat im abgelaufenen Kalenderjahr seine Position als einer der tragenden und krisenfestesten Wirtschaftszweige der Republik eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wie aus dem jüngst von der Bundesregierung vorgelegten offiziellen Bericht Tourismus in Österreich 2025 hervorgeht, verzeichnete die Branche bei den zentralen Kennzahlen ein erneutes, signifikantes Wachstum gegenüber dem bereits starken Vorjahr.
Mit insgesamt 157,3 Millionen registrierten Übernachtungen und 48,2 Millionen Gästeankünften in den heimischen Beherbergungsbetrieben wurden neue historische Höchststände im statistischen Datenmaterial verzeichnet. Im direkten Vergleich zum Jahr 2024 entspricht dies einer Steigerung von 1,9 Prozent bei den Übernachtungszahlen und einem markanten Zuwachs von 3,1 Prozent bei den Ankünften. Haupttreiber dieser positiven Dynamik war eine spürbare Belebung der internationalen Nachfrage aus den europäischen Kernmärkten sowie aus Übersee. Gleichzeitig erwies sich das Segment des Inlandstourismus, getragen von der einheimischen Bevölkerung, als stabiler Sicherheitsfaktor für die Hotellerie und Gastronomie. Die zuständige Staatssekretärin Zehetner betonte im Rahmen der Präsentation der Ergebnisse, dass diese Kennzahlen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts untermauern, jedoch angesichts des intensiven globalen Konkurrenzdrucks kontinuierliche wirtschaftspolitische Flankierungen erfordern.
Strukturelle Wertschöpfungseffekte und die demografische Bedeutung für den ländlichen Arbeitsmarkt
Die ökonomische Relevanz des Sektors spiegelt sich in seinem direkten Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Leistung des Landes wider. Im Jahr 2025 generierte der Tourismus eine direkte Bruttowertschöpfung von 33,1 Milliarden Euro. Damit zeichnete die Branche unmittelbar für mehr als 6,5 Prozent des gesamten österreichischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Finanzanalysten verweisen darauf, dass sich diese Kennzahl bei einer erweiterten Betrachtung, welche die eng verflochtene Freizeitwirtschaft, kulturelle Einrichtungen sowie Zulieferbetriebe aus dem Handwerk und der Lebensmittelproduktion miteinbezieht, nahezu verdoppelt. Diese enge Verwebung mit anderen Wirtschaftszweigen macht den Tourismus zu einem kritischen Konjunkturmotor, dessen Impulse weit über die reine Beherbergung hinausgehen.
Ein ebenso positives Bild zeichnet der Bericht im Bereich des Arbeitsmarktes. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 228.634 Personen unselbstständig in der Hotellerie und Gastronomie beschäftigt. Dies stellt einen erneuten Zuwachs im Vergleich zu den Vorjahren dar. Besondere ordnungspolitische Bedeutung kommt diesen Arbeitsplätzen aufgrund ihrer geografischen Verteilung zu. Da ein Großteil der touristischen Infrastruktur in den alpinen Regionen und im ländlichen Raum angesiedelt ist, sichert die Branche Beschäftigung und Einkommen abseits der urbanen Ballungszentren. Sie wirkt damit der demografischen Abwanderung entgegen und stärkt die regionalen Wirtschaftsstrukturen in strukturschwachen Tälern und Gemeinden.
Wirtschaftspolitische Maßnahmenpakete zur langfristigen Entlastung der Gewerbebetriebe
Um die Wettbewerbsfähigkeit der meist mittelständisch geprägten Betriebe angesichts steigender Betriebskosten abzusichern, hat die Bundesregierung im Laufe des Jahres 2025 ein Bündel an fiskalischen und regulatorischen Entlastungsmaßnahmen gesetzlich verankert. Ein zentraler Punkt betrifft die Schaffung von umfassender Rechtssicherheit im Bereich der Trinkgelder, die traditionell einen wesentlichen Bestandteil des Einkommens im Servicebereich darstellen. Durch klare gesetzliche Abgrenzungen wurden steuerliche Graubereiche eliminiert, was sowohl für die Dienstnehmer als auch für die Buchhaltung der Betriebe eine erhebliche Erleichterung bedeutet. Zudem wurden steuerliche Begünstigungen für Überstunden verlängert und die generelle Steuerfreiheit von Sonn- und Feiertagszuschlägen gesetzlich fixiert, um die Attraktivität der physisch und zeitlich anspruchsvollen Tätigkeiten in der Gastronomie im Wettbewerb mit anderen Branchen zu steigern.
Ein weiteres massives Problem des Sektors stellt der akute Mangel an qualifiziertem Fachpersonal dar. Hier hat das Arbeitsministerium in Kooperation mit den Wirtschaftsverbänden die rechtlichen Kontingente für ausländische Arbeitskräfte spürbar ausgeweitet. Das reguläre Saisonkontingent für den Tourismus wurde auf 5.500 Personen angehoben. Um den spezifischen Rekrutierungsbedürfnissen der Betriebe Rechnung zu tragen, wurde dieses Kontingent durch ein eigenständiges, zusätzliches Westbalkan-Kontingent im Umfang von 2.500 Personen ergänzt. Diese Maßnahme ermöglicht es den Hoteliers, verlässliche Arbeitskräfte aus Drittstaaten im Rahmen geordneter Verfahren für die Hauptsaisonen im Winter und Sommer legal zu beschäftigen. Ergänzt wurden diese Schritte durch eine direkte Entlastung bei den betrieblichen Fixkosten: Durch die temporäre Absenkung der Elektrizitätsabgabe sowie die Reduktion des Erneuerbarenförderbeitrags wurden die energieintensiven Wellness- und Großbetriebe spürbar bei den Nebenkosten subventioniert.
Strategische Absicherung von Betriebsübergaben im familiengeführten Mittelstand
Ein strukturelles Risiko für den österreichischen Tourismus liegt im Generationenwechsel innerhalb der traditionellen Familienbetriebe. Viele gut eingeführte Hotels und Gasthöfe im ländlichen Raum stehen vor der Herausforderung, dass keine geeigneten Nachfolger innerhalb der Familie gefunden werden oder die bürokratischen und finanziellen Hürden einer Übergabe den wirtschaftlichen Fortbestand des Unternehmens gefährden. Der Bund hat auf diese Entwicklung mit der Etablierung einer spezialisierten Förderschiene reagiert.
Diese neue finanzielle Unterstützung setzt bereits im Vorfeld der eigentlichen Transaktion an. Gefördert wird die professionelle Erstellung von fundierten Businessplänen und Wirtschaftlichkeitsanalysen, die von externen Experten ausgearbeitet werden, um den Übergabeprozess steuerlich und betriebswirtschaftlich zu optimieren. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Betriebsbiografien erfolgreicher Unternehmen lückenlos fortzuführen, das gebundene Kapital in den Regionen zu halten und der nächsten Generation von Jungunternehmern den Einstieg in den Markt durch gezielte administrative Hilfe zu erleichtern. Damit soll verhindert werden, dass intakte Betriebe aufgrund von Nachfolgeproblemen dauerhaft schließen müssen oder von internationalen Hotelketten aufgekauft werden, was zu einem Verlust der regionalen Identität führen würde.
Zukunftsperspektiven und der strategische Orientierungsrahmen der Vision T
Um die aktuellen Erfolge strukturell für die kommenden Dekaden abzusichern, hat das federführende Staatssekretariat im Jahr 2025 einen umfassenden strategischen Zukunftsprozess initiiert. Unter dem Projekttitel Vision T wurde eine neue, langfristige Tourismusstrategie des Bundes ausgearbeitet. Diese soll als gemeinsamer, koordinierter Orientierungsrahmen für die kommenden zehn Jahre bis zum Jahr 2035 fungieren und eine synchrone Politik zwischen dem Bund, den neun Bundesländern sowie den einzelnen Tourismusregionen gewährleisten. Die offizielle, detaillierte Präsentation dieses Strategiepapiers ist für den kommenden Montag, den 15. Juni 2026, terminiert.
Die Vision T adressiert die großen strukturellen Herausforderungen des Sektors, zu denen neben der digitalen Transformation der Buchungssysteme und dem demografischen Wandel auf dem Arbeitsmarkt auch die Optimierung der regionalen Wertschöpfungsketten gehört. Staatssekretärin Zehetner verwies darauf, dass die historischen Rekordzahlen des Jahres 2025 zwar ein solides ökonomisches Fundament bilden, jedoch kein Anlass zur Passivität sein dürfen. Der internationale Wettbewerb im alpinen Raum sowie im Städtetourismus verschärfe sich kontinuierlich. Nur durch eine konsequente Steigerung der Innovationskraft der Betriebe und eine gezielte Modernisierung der Infrastruktur werde es Österreich gelingen, seine führende Rolle im europäischen Qualitätstourismus dauerhaft zu behaupten.