Foto: SmartLynx.
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Plötzliches Aus für SmartLynx Airlines: Lettischer ACMI-Spezialist stellt Betrieb ein und räumt Insolvenz ein

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Die lettische Fluggesellschaft SmartLynx Airlines hat ihren kommerziellen Betrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. In einer knappen Erklärung bestätigte das Unternehmen, das sich auf das Leasing von Flugzeugen, Besatzung, Wartung und Versicherung (acmi) sowie auf Charterflüge spezialisiert hatte, das Ende seiner Aktivitäten.

Die Entscheidung, getroffen nach einer sorgfältigen Bewertung aller möglichen Szenarien für den Weiterbetrieb, folgt auf die Gerichtsaufsicht und Restrukturierungsanmeldung vom 28. Oktober 2025. SmartLynx Airlines, ehemals im Besitz der litauischen Avia Solutions Group (asg), hatte bereits seit Ende Oktober keine kommerziellen Flüge mehr durchgeführt. Das abrupte Ende des Flugbetriebs des in Riga ansässigen Unternehmens markiert einen empfindlichen Einschnitt im europäischen Charter- und Leasingmarkt.

Der Weg in die Restrukturierung und das operative Ende

Die Einstellung des Flugbetriebs durch SmartLynx Airlines kam nicht völlig überraschend, da die Airline bereits seit Wochen mit ernsten finanziellen und operativen Schwierigkeiten kämpfte. Die formelle Anmeldung zur gerichtsüberwachten Restrukturierung, die Ende Oktober bei den lettischen Behörden eingereicht wurde, war das erste deutliche Zeichen für die prekäre Lage des Unternehmens.

Der Vorstandsvorsitzende Edvinas Demenius kommentierte die Entscheidung als eine „schwierige Entscheidung“, die nach einer umfassenden Abwägung getroffen wurde. Er erklärte: „Leider wurde unter den gegenwärtigen Umständen der Schluss gezogen, dass es dem Unternehmen nicht mehr möglich ist, seine Tätigkeit fortzusetzen.“ Die Fluggesellschaft, die sich als wichtiger Akteur im europäischen Charter- und Wet-Lease-Geschäft etabliert hatte, konnte offenbar keinen tragfähigen Weg finden, um ihre Operationen unter den anhaltenden finanziellen Belastungen fortzuführen.

Die Gründe für das Scheitern eines Restrukturierungsversuchs sind vielschichtig und typisch für das volatile acmi-Geschäft. Zu den möglichen Belastungsfaktoren zählen:

  1. Marktschwankungen: Das acmi-Geschäft ist stark von der saisonalen und kurzfristigen Nachfrage anderer Fluggesellschaften abhängig. Plötzliche Veränderungen in der Nachfrage oder die Rückkehr von Kunden zu eigenen Kapazitäten können zu unvorhergesehenen Überkapazitäten führen.
  2. Hohe Fixkosten: Trotz der Flexibilität der Verträge sind die Fixkosten für Flugzeugleasing, Wartung und Personal hoch und müssen auch in Phasen geringer Auslastung bedient werden.
  3. Wettbewerbsdruck: Der europäische acmi-Markt ist hart umkämpft, mit zahlreichen Anbietern, die um Aufträge wetteifern.

Auswirkungen auf den ACMI-Markt und europäische Partner

SmartLynx Airlines war ein wichtiger Player im Segment des Wet-Lease (acmi), bei dem Flugzeuge inklusive Besatzung, Wartung und Versicherung an andere Airlines vermietet werden. Solche Leasing-Modelle sind für große europäische Fluggesellschaften, insbesondere während der Hochsaison, bei Kapazitätsengpässen oder bei unerwarteten technischen Problemen in der eigenen Flotte, essenziell.

Mit der sofortigen Einstellung des Betriebs fallen die Kapazitäten von SmartLynx, die vor der Krise hauptsächlich aus Airbus A320-Familienflugzeugen bestanden, vom Markt weg. Dies könnte bei ihren ehemaligen Kunden, die auf diese zusätzlichen Flugzeuge zählten, zu kurzfristigen operativen Lücken führen, die nun von anderen Anbietern wie Air Baltic, Avion Express oder anderen europäischen Charter- und Leasingunternehmen geschlossen werden müssen.

Obwohl SmartLynx nicht mehr direkt zur Avia Solutions Group (asg) gehörte, war die asg, ein globaler Anbieter von Luftfahrtdienstleistungen, der frühere Eigentümer und hatte das Unternehmen maßgeblich aufgebaut. Die asg besitzt selbst mehrere acmi-Fluggesellschaften in Europa und Asien. Das Ende von SmartLynx zeigt, dass selbst gut vernetzte Akteure des Sektors nicht immun gegen die wirtschaftlichen Herausforderungen sind, die eine erfolgreiche Restrukturierung verhindern können.

Die Bedeutung für den Standort Riga und die lettische Luftfahrt

Der Verlust von SmartLynx Airlines ist auch für den lettischen Luftfahrtsektor und den Standort Riga ein herber Schlag. Das Unternehmen war ein wichtiger Arbeitgeber und trug zur Diversifizierung der Luftfahrtindustrie in Lettland bei, die ansonsten stark von der nationalen Fluggesellschaft Air Baltic dominiert wird. Die Zahl der von der Betriebseinstellung betroffenen Mitarbeiter, darunter Piloten, Kabinenpersonal und technisches Personal, ist signifikant.

Die notwendige Abwicklung des Unternehmens und die Verwertung der Vermögenswerte, insbesondere der geleasten Flugzeuge, wird in den kommenden Monaten unter der Aufsicht des Gerichts erfolgen. Für die Gläubiger, Leasinggeber und ehemaligen Mitarbeiter von SmartLynx beginnen nun unsichere Phasen, die durch das Insolvenzverfahren bestimmt werden.

Die Marktaustritte von Anbietern wie SmartLynx Airlines führen in der Regel zu einer kurzfristigen Verknappung der verfügbaren acmi-Kapazitäten, was die Preise für Leasingverträge in der Hochsaison potenziell in die Höhe treiben kann. Das plötzliche Scheitern des lettischen Unternehmens ist ein deutliches Signal für die anhaltende Volatilität und die geringen Margen, die das Charter- und Wet-Lease-Geschäft in Europa kennzeichnen.

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