Die portugiesische Regierung plant eine Teil- oder Komplettprivatisierung der staatlichen Fluggesellschaft TAP Air Portugal. Die europäischen Fluggesellschaften Lufthansa, Air France-KLM und IAG (British Airways, Iberia) haben in Lissabon offiziell ihr Interesse an einer Beteiligung signalisiert.
Nach Angaben der portugiesischen Zeitung „Negocios“ finden derzeit Gespräche zwischen der Regierung und Vertretern der drei Airline-Gruppen statt, in denen verschiedene Beteiligungsmodelle geprüft werden. Die Entscheidung über eine mögliche Privatisierung soll anschließend dem portugiesischen Parlament vorgelegt werden.
Lufthansa sieht in TAP vor allem eine Möglichkeit, die Mitgliedschaft der portugiesischen Airline in der Star Alliance langfristig zu sichern und die Marktposition auf transatlantischen Strecken zu stärken. Air France-KLM hingegen könnte TAP Air Portugal nach der Übernahme von SAS weiter in die eigene Allianz integrieren und so Lufthansas Einfluss schwächen. IAG, das kürzlich die Übernahme von Air Europa abgebrochen hat, sieht in TAP eine Gelegenheit, das eigene Netz in Südeuropa auszubauen.
Portugals Premierminister Luís Montenegro äußerte zuletzt die Bereitschaft zu einem Komplettverkauf, jedoch nur unter der Bedingung, dass strategisch wichtige Strecken und Lissabons Drehkreuzfunktion langfristig erhalten bleiben. Eine Beteiligung von Lufthansa unterhalb der kartellrechtlichen Obergrenze von 19,9 Prozent wäre theoretisch möglich und würde eine Prüfung durch die EU-Kommission umgehen.