Die Union of International Associations (UIA) hat ihre statistische Auswertung der internationalen Verbandskongresse für das Jahr 2025 vorgelegt. In diesem Ranking belegt die österreichische Bundeshauptstadt Wien mit insgesamt 345 registrierten Veranstaltungen den ersten Platz auf globaler Ebene und verweist die belgische Metropole Brüssel mit 329 Meetings auf den zweiten Rang.
Auf den weiteren Plätzen folgen Seoul, Lissabon und Tokio. Ergänzend dazu ordnete die International Congress and Convention Association (ICCA) in ihrer parallel veröffentlichten Erhebung Wien auf dem vierten Platz ein, hinter Lissabon, Paris und Barcelona. Während die UIA primär die Kongresse internationaler Organisationen erfasst, konzentriert sich die ICCA auf rotierende Verbandstagungen mit bestimmten Mindestteilnehmerzahlen.
Laut der Bilanz des Vienna Convention Bureau im WienTourismus stieg die Gesamtzahl der Kongresse und Firmentagungen in der Stadt im Jahr 2025 auf 7.196 Veranstaltungen, was einer Steigerung von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die erfassten 794.812 Teilnehmer generierten im Berichtszeitraum rund 2,54 Millionen Hotelnächtigungen. Norbert Kettner, Geschäftsführer des WienTourismus, bezifferte die rechnerische Wertschöpfung dieser Meeting-Industrie auf 1,707 Milliarden Euro. Trotz dieser positiven Kennzahlen verweisen Branchenkenner auf methodische Unterschiede zwischen den beiden großen Erhebungssystemen UIA und ICCA, die durch abweichende Kriterien bei der Datenerfassung regelmäßig zu differierenden Platzierungen führen und die Vergleichbarkeit erschweren.
Wirtschaftsanalysten betrachten die starke Fokussierung Wiens auf den Kongrisstourismus nicht ohne Vorbehalte. Der Markt für internationale Großveranstaltungen gilt als konjunkturanfällig und stark abhängig von der globalen Wirtschaftslage sowie von den Reisebudgets internationaler Konzerne und Fachverbände. Ein wesentlicher Anteil der Wiener Veranstaltungen entfällt auf den Bereich der medizinischen Wissenschaften. Diese hohe Spezialisierung birgt das Risiko von Einnahmenausfällen, sollten Großkongresse im Zuge fortschreitender Digitalisierung vermehrt in hybride oder rein virtuelle Formate überführt werden. Zudem führt die zeitliche Konzentration von Tausenden Kongressteilnehmern phasenweise zu massiven Kapazitätsengpässen in der lokalen gehobenen Hotellerie und treibt die Zimmerpreise zu Lasten des regulären Freizeittourismus in die Höhe.
Finanzexperten geben darüber hinaus zu bedenken, dass die ausgewiesene steuerliche und ökonomische Wertschöpfung auf komplexen volkswirtschaftlichen Multiplikator-Modellen beruht, deren exakte Zurechenbarkeit im städtischen Gesamthaushalt oft schwer zu isolieren ist. Um den Status als Konferenzstandort im globalen Wettbewerb mit aufstrebenden Destinationen im asiatischen Raum und im Nahen Osten zu halten, sind fortlaufend hohe öffentliche und private Investitionen in die Infrastruktur der Kongresszentren sowie in die Verkehrsanbindung des Flughafens Wien-Schwechat erforderlich. Die langfristige Rentabilität dieser Ausgaben hängt somit maßgeblich von einer dauerhaft stabilen internationalen Reisetätigkeit im Business-Segment ab.