Die portugiesische Regierung unter Premierminister Luís Montenegro setzt den Prozess zur Teilprivatisierung der staatlichen Fluggesellschaft TAP Air Portugal konsequent fort. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz unterstrich in einer aktuellen Stellungnahme, dass das Verfahren auch dann zum Abschluss gebracht werden könne, wenn am Ende nur ein einziger ernsthafter Interessent im Bieterstreit verbleibe.
Laut Ministerium sei nicht die Quantität der Angebote ausschlaggebend, sondern die langfristige Wahrung der strategischen Interessen des Staates. Diese Haltung verdeutlicht den politischen Willen, die Airline nach der kostspieligen staatlichen Rettung während der Pandemie wieder stärker in private Hände zu überführen, um die Staatskasse zu entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Nachdem die International Airlines Group (IAG), zu der unter anderem British Airways und Iberia gehören, ihr Interesse offiziell zurückgezogen hat, konzentriert sich das Verfahren nun auf die verbliebenen europäischen Luftfahrtriesen Air France-KLM und die Lufthansa Group. Beide Konzerne prüfen derzeit intensiv die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen Einstieg. Geplant ist die Veräußerung eines Anteils von bis zu 44,9 Prozent der Aktien. Ein festgeschriebenes Kontingent von 5 Prozent der Anteile soll den Mitarbeitern der Fluggesellschaft vorbehalten bleiben, um die Akzeptanz innerhalb der Belegschaft für den Eigentümerwechsel zu erhöhen. Der Staat beabsichtigt jedoch, zunächst eine signifikante Kontrollmöglichkeit zu behalten.
Ein zentraler Pfeiler der Verhandlungen ist die Sicherung des Drehkreuzes in Lissabon sowie der Erhalt der Marke TAP. Die portugiesische Regierung knüpft den Verkauf an die Bedingung, dass die strategische Ausrichtung der Airline auf die Verbindung nach Brasilien und in das portugiesischsprachige Afrika beibehalten wird. Diese Routen gelten als die profitabelsten Segmente im Streckennetz der TAP und sind für die wirtschaftlichen Beziehungen Portugals von immenser Bedeutung. Branchenexperten zufolge könnte die Lufthansa insbesondere an der starken Marktposition der TAP im Südatlantik-Verkehr interessiert sein, um ihre eigene Präsenz in Lateinamerika zu verstärken, während Air France-KLM Synergien in der bestehenden Kooperation mit brasilianischen Partnern sieht.
Der Zeitplan für die Privatisierung sieht vor, dass bis Ende 2026 eine endgültige Entscheidung über den künftigen Partner fallen soll. Neben den finanziellen Aspekten spielt auch die politische Stabilität eine Rolle, da die Opposition im portugiesischen Parlament den Verkauf kritisch beäugt und weitreichende Garantien für den Erhalt von Arbeitsplätzen fordert. Trotz dieses Gegenwindes zeigt sich die Regierung entschlossen, das Projekt zeitnah umzusetzen. Ein erfolgreicher Teilverkauf würde nicht nur frisches Kapital für die Modernisierung der Flotte generieren, sondern auch die Integration der TAP in eines der großen globalen Luftfahrtbündnisse zementieren.