Die kanadische Regionalfluggesellschaft Air Liaison hat eine umfassende Schadensersatz- und Unterlassungsklage gegen die Fluglinie Central Mountain Air aus British Columbia eingereicht. Auslöser des juristischen Konflikts ist der Markteintritt des westkanadischen Konkurrenten an der strukturschwachen und abgelegenen Nordküste der Provinz Québec im Januar des laufenden Jahres.
In dieser entlegenen Region im Osten Kanadas hielt Air Liaison über einen langen Zeitraum eine monopolähnliche und wirtschaftlich dominante Stellung im regionalen Linien- und Charterverkehr. Der unerwartete Wettbewerb führt nun zu einer tiefgreifenden juristischen Auseinandersetzung über Marktanteile und Betriebsgeheimnisse, über die zuerst der nationale Rundfunksender CBC Radio-Canada berichtete.
In der beim zuständigen Gericht eingereichten Klageschrift wirft Air Liaison dem Mitbewerber unlautere Geschäftspraktiken sowie den gezielten Diebstahl und die illegitime Nutzung vertraulicher Unternehmensdaten vor. Im Zentrum der Vorwürfe steht ein ehemaliger Betriebsdirektor von Air Liaison, der nach seinem Ausscheiden zu Northern Thunderbird Air wechselte. Da dieses Unternehmen enge geschäftliche und strukturelle Verbindungen zu Central Mountain Air aufweist, soll der Manager maßgeblich am Aufbau der neuen Flugverbindungen im Norden Québecs beteiligt gewesen sein. Die Klägerin argumentiert, dass der Aufbau des konkurrierenden Streckennetzes und die logistische Abwicklung in der unwegsamen Region ohne das interne Insiderwissen und die geschützten Daten des Ex-Mitarbeiters in dieser kurzen Zeitspanne gar nicht möglich gewesen wären.
Zusätzlich zu den Vorwürfen der Datenspionage wirft Air Liaison den beklagten Parteien eine systematische Abwerbung von Schlüsselpersonal und langjährigen Firmenkunden vor. Die gezielten Abwerbekampagnen hätten den operativen Betrieb der Fluggesellschaft im Norden der Provinz empfindlich gestört und erhebliche Umsatzeinbußen nach sich gezogen. Als Konsequenz fordert Air Liaison in den gerichtlichen Anträgen nicht nur finanzielle Kompensationen für die entgangenen Gewinne, sondern verlangt ein vollständiges und dauerhaftes Verbot aller Flugaktivitäten von Central Mountain Air innerhalb der gesamten Provinz Québec.
Branchenbeobachter der kanadischen Luftfahrtindustrie weisen darauf hin, dass der Markt für Regionalflüge in abgelegenen Gebieten des Landes extrem hart umkämpft ist, da die Betreiber oft auf wenige, aber dafür hochprofitable Regierungs-, Fracht- und Pendleraufträge angewiesen sind. Der Ausgang des Verfahrens wird daher mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da er weitreichende Signalwirkung für den rechtlichen Schutz von Routenplanungen und die Abwerbung von Spitzenpersonal im kanadischen Luftverkehrssektor haben könnte.