Die traditionelle Struktur des österreichischen Schuljahres gerät zunehmend in die Kritik der Bevölkerung. Eine repräsentative Umfrage des Digital Research Instituts Marketagent unter 1.000 Staatsbürgern zeigt, dass die etablierte neuntägige beziehungsweise neunwöchige Sommerpause von einer knappen Mehrheit nicht mehr als zeitgemäß angesehen wird.
Laut den statistischen Daten empfinden 49 Prozent der Befragten die aktuelle Dauer der Hauptferien als zu lang. Jene Gruppe, die für eine Anpassung plädiert, befürwortet eine Reduzierung auf durchschnittlich 6,6 Wochen. Im Gesamtdurchschnitt aller Umfrageteilnehmer wird eine Ferienlänge von 7,6 Wochen als sozialer und wirtschaftlicher Bestwert erachtet. Nur noch 16 Prozent der Bevölkerung sprechen sich strikt für die Beibehaltung des Status quo aus.
Als primärer Grund für den Wunsch nach einer Systemänderung wird der enorme organisatorische und ökonomische Druck auf die Familien genannt. Insgesamt 84 Prozent der Österreicher sind der Ansicht, dass die lange schulfreie Zeit den Familienalltag massiv belastet, während 89 Prozent die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung für erwerbstätige Eltern als kaum bewältigbar einstufen. Diese Diskrepanz wird von 55 Prozent der Studienteilnehmer als der größte blinde Fleck in der aktuellen arbeitsmarktpolitischen Debatte identifiziert. Trotz der organisatorischen Defizite bleibt der Traditionswert hoch: 86 Prozent betrachten die Kernferien weiterhin als eine notwendige und wichtige Erholungsphase für die Schulkinder.
Die empirische Untersuchung legt zudem offen, dass die Bewältigung der schulfreien Wochen im Beherbergungs- und Betreuungsalltag zu einem erheblichen Teil zu Lasten von Frauen geht. 46 Prozent der Befragten geben an, dass primär die Mütter die Hauptlast der Organisation und der praktischen Betreuung tragen, während nur ein Drittel eine paritätische Aufteilung zwischen den Elternteilen wahrnimmt. Zur Schließung der Betreuungslücken greifen 42 Prozent der Haushalte auf familiäre Netzwerke, insbesondere auf Großeltern, zurück. 22 Prozent der Befragten nutzen flexible Arbeitszeitmodelle oder Homeoffice-Kontingente, um die schulfreien Wochen abzufangen.
Neben dem zeitlichen Faktor stellt die Ferienzeit für 72 Prozent der Eltern mit Kindern im Pflichtschulalter eine spürbare finanzielle Zusatzbelastung dar. Haushalte, die auf kommerzielle Sommercamps oder institutionelle Ferienbetreuungen zurückgreifen müssen, wenden dafür im Schnitt 454 Euro pro Kind auf. Angesichts dieser Kosten befürchten 59 Prozent der Österreicher eine Verschärfung der sozialen Ungleichheit. Anstelle einer reinen gesetzlichen Verkürzung der Ferien fordert die Bevölkerung daher primär politische Maßnahmen: 45 Prozent verlangen mehr staatliche Unterstützung für berufstätige Arbeitnehmer, 40 Prozent den Ausbau bezahlbarer Betreuungsplätze und 39 Prozent die Schaffung kostenloser kommunaler Sommerprogramme.