Die Zukunft der australischen Regionalfluggesellschaft Rex – Regional Express scheint gesichert, jedoch zu einem hohen Preis für die Gläubiger. Nach der Insolvenz der Airline im Juli 2024 und einer 15-monatigen Verwaltung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, steht Rex kurz vor der Übernahme durch die US-amerikanische Luftfahrtholding Air T. Die Transaktion, deren Abschluss bis Ende 2025 erwartet wird, konzentriert sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung des wichtigen regionalen Flugbetriebs in Australien und die Rückzahlung der besicherten Schulden. Dies führt dazu, dass die rund 4.800 ungesicherten Gläubiger mit ausstehenden Forderungen in Höhe von geschätzten 500 Millionen australischen Dollar (etwa 325 Millionen US-Dollar) voraussichtlich keine Rückzahlungen erhalten werden.
Die Administratoren von EY haben die Gläubiger über den Verkauf informiert und klargestellt, dass weder für die Aktionäre noch für die breite Masse der ungesicherten Gläubiger eine Ausschüttung der Verkaufserlöse zu erwarten ist. Die Erlöse dienen primär den besicherten Kreditgebern sowie der Fortführung des Flugbetriebs. Diese strategische Entscheidung, die von der australischen Regierung maßgeblich unterstützt wird, unterstreicht die systemische Bedeutung von Rex für die Anbindung abgelegener und ländlicher Gebiete, in denen die Airline oft der einzige Anbieter ist. Die Übernahme ermöglicht es Rex, zu ihren Wurzeln zurückzukehren und ihren Regionalbetrieb zu stabilisieren.
Gescheiterte Expansionsstrategie als Ursache der Krise
Die finanzielle Notlage von Rex, die zur Insolvenz führte, ist das direkte Ergebnis einer gescheiterten Expansionsstrategie. Über viele Jahre hinweg hatte sich Rex als zuverlässiger Betreiber regionaler Routen mit ihrer Flotte von Saab 340b Turboprops etabliert und dabei eine wichtige Rolle im nationalen Verkehrsnetz gespielt. In einem strategischen Schwenk entschloss sich das Unternehmen jedoch, in den nationalen Hauptstreckenverkehr einzusteigen, um den etablierten Fluglinien Qantas und Virgin Australia Konkurrenz zu machen.
Diese Expansion erforderte die Einführung einer Flotte von geleasten Boeing 737-800 Jets im Jahr 2023. Der Vorstoß in den umkämpften Markt der sogenannten trunk routes war mit erheblichen Investitionen und dem Aufbau neuer Strukturen verbunden. Trotz der anfänglichen Ambitionen scheiterte das Projekt, da Rex in einen intensiven Verdrängungswettbewerb geriet. Die Folge waren massive Verluste, die in australischen Medien auf bis zu eine Million australische Dollar pro Woche geschätzt wurden. Dieser Kapitalbedarf konnte nicht gedeckt werden, was die finanzielle Schieflage des Unternehmens besiegelte und letztlich zur Insolvenzanmeldung im Juli 2024 führte. Die Boeing 737-Flüge wurden infolge des Insolvenzantrags sofort eingestellt, während der Regionalbetrieb mit den Saab 340B Turboprops zur Aufrechterhaltung der regionalen Anbindung weitergeführt wurde.
Australische Regierung als größter Gläubiger und Retter
Eine besonders bemerkenswerte Dimension der Rex-Insolvenz ist die Rolle der australischen Regierung als größter einzelner Gläubiger. Um den Regionalflugverkehr während der Pandemie und den darauffolgenden Turbulenzen aufrechtzuerhalten, leistete die Regierung erhebliche finanzielle Unterstützung. Diese Hilfe umfasste ein Darlehen in Höhe von 80 Millionen australischen Dollar sowie die Übernahme von 50 Millionen australischen Dollar an Schulden von einem privaten Kreditgeber.
Durch die Übernahme dieser Schulden wurde die Regierung de facto zum Hauptgläubiger von Rex mit besicherten Forderungen. Dieser Status ermöglichte es der Regierung, direkten Einfluss auf den Verkaufsprozess zu nehmen, um sicherzustellen, dass die Fortführung der regionalen Dienstleistungen gewährleistet wird. Verkehrsministerin Catherine King bestätigte, dass die Regierung eine Vereinbarung mit dem Käufer Air T zur Restrukturierung der Finanzierung getroffen habe, nannte jedoch keine Details zu den Rückzahlungsmodalitäten des Regierungskredits. Ein Sprecher von Air T betonte lediglich, dass die Regierung „hart für die finanziellen und öffentlichen Interessen aller Australier verhandelt“ habe.
Regionale Flughäfen vor finanziellem Schaden
Zu den ungesicherten Gläubigern, die voraussichtlich leer ausgehen, gehören zahlreiche regionale Flughäfen und lokale Kommunen in Australien. Diese Institutionen haben erhebliche Beträge ausstehend, die hauptsächlich unbezahlte Flughafenservicegebühren und -entgelte betreffen. Die Stadt Albany in Western Australia steht mit etwa 456.000 australischen Dollar in den Miesen, und der Shire of Esperance wird mit 440.587 australischen Dollar geschädigt.
Der Verlust dieser Einnahmen stellt für die betroffenen Regionalflughäfen eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Da viele dieser Flughäfen kleine Budgets verwalten, können derartige Verluste die betriebliche Stabilität und die Investitionsfähigkeit in die lokale Infrastruktur empfindlich treffen. Die Sicherung der Flugverbindungen selbst hat zwar Priorität, doch der finanzielle Ausfall der Gebührenzahlungen wirft ein Schlaglicht auf die kritische finanzielle Verflechtung zwischen regionalen Fluglinien und der lokalen Infrastruktur.
Air T plant Wiederherstellung der vollen Flottenkapazität
Der Käufer Air T, ein US-amerikanisches Unternehmen mit einer breiten Expertise in der Luftfahrt, einschließlich Flugzeugwartung und Ersatzteilhandel, bringt spezifisches Know-how in die Rex-Übernahme ein. Air T betreibt unter anderem eine Anlage für Saab 340b-Komponenten in Kingman, was eine ideale Synergie mit der Rex-Flotte darstellt, die aus 57 Maschinen dieses Typs besteht.
Air T hat angekündigt, das aktuelle Management und die Mitarbeiter von Rex zu übernehmen. Vor allem plant das Unternehmen, die gesamte Flotte von 57 Saab 340b Turboprops wieder in den vollen Betrieb zu überführen. Dieser Fokus auf die Regionalflugzeuge signalisiert eine Rückkehr zum Kerngeschäft von Rex, das in der Vergangenheit rentabel war und für die ländlichen Regionen Australiens unverzichtbar ist. Die Akquisition zielt somit nicht nur auf die finanzielle Sanierung, sondern auch auf die operationelle Stärkung des Regionalverkehrs. Mit der Verlängerung der Insolvenzverwaltung bis Dezember 2025 sollen die letzten Schritte des Verkaufs und der finanziellen Restrukturierung abgeschlossen werden.