Der Düsseldorfer Flughafen hegt große Hoffnungen, sein durch die Corona-Pandemie stark geschrumpftes Langstreckennetz mithilfe des neuen Airbus A321XLR wieder aufbauen zu können. Flughafenchef Lars Redeligx bestätigte in einem Interview mit „Aviation Week“, daß bereits Gespräche mit verschiedenen Fluggesellschaften über den Einsatz des Flugzeugmusters laufen.
Die Reichweite und Effizienz des A321XLR seien optimal für den Düsseldorfer Markt, um wichtige transatlantische Routen und Verbindungen zur japanischen Gemeinde in der Region wiederherzustellen. Die Rückkehr der Langstreckenverbindungen wird als entscheidend für die Anbindung der Metropolregion Rhein-Ruhr und das Erreichen des Vorkrisenniveaus von 2019 angesehen, als der Flughafen noch 25,5 Millionen Passagiere abfertigte. Die Wiederaufnahme der Langstrecke sei keine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wann“, so Redeligx, da die Nachfrage vorhanden sei und der Flughafen die notwendige Infrastruktur biete.
Der A321XLR als strategischer Vorteil für Nicht-Drehkreuze
Der Airbus A321XLR, eine Weiterentwicklung des erfolgreichen A321neo, stellt mit seiner außergewöhnlichen Reichweite und seiner Kosten-Effizienz eine strategische Neuerung in der Luftfahrt dar. Mit einer Reichweite von bis zu 8.700 Kilometern ermöglicht das Flugzeug Strecken, die bisher nur von Großraumflugzeugen wie der Boeing 787 oder dem Airbus A330 bedient werden konnten. Gleichzeitig kann die A321XLR mit einer Kapazität von bis zu 244 Passagieren eine ähnliche Auslastung wie ein Großraumflugzeug bieten, jedoch mit deutlich geringeren Betriebskosten. Die geringere Größe des Flugzeugs bedeutet, daß Fluggesellschaften nun „dünne“ Langstreckenrouten bedienen können, die für größere Flugzeugtypen nicht rentabel wären.
Dieser Faktor macht die A321XLR besonders attraktiv für Flughäfen, die keine großen Drehkreuze sind, aber dennoch über ein hohes Passagieraufkommen für bestimmte Langstreckenverbindungen verfügen. In den USA haben bereits Fluggesellschaften wie Air Canada, United Airlines und American Airlines die A321XLR bestellt, um neue transatlantische Routen zu erschließen oder bestehende zu optimieren. Für den Düsseldorfer Flughafen, der keine Umsteigeoperationen im großen Stil anbietet, ist dies eine ideale Gelegenheit, seine Langstreckenverbindungen zu reaktivieren. Flughafenchef Redeligx äußerte, daß Airlines bereits technische Anfragen zu den Spezifikationen des Flughafens für die A321XLR gestellt haben, was die Ernsthaftigkeit der Gespräche unterstreicht.
Der Flughafen Düsseldorf ist nicht das einzige Beispiel in Europa, das auf die A321XLR setzt. Fluggesellschaften wie Aer Lingus und Iberia haben das Flugzeug bereits in ihre Flotte integriert und neue transatlantische Verbindungen von Dublin beziehungsweise Madrid aufgenommen. Aer Lingus nutzt die Maschine, um neue Routen wie nach Nashville und Indianapolis zu bedienen, während Iberia damit Flüge nach Washington und Boston aufgenommen hat. Dies demonstriert das Potenzial der A321XLR, bisher unbediente oder saisonale Langstreckenmärkte zu erschließen und zu stabilisieren.
Wichtige Langstreckenverbindungen in der Rhein-Ruhr-Region
Die Wiederherstellung der Langstreckenverbindungen ist für den Düsseldorfer Flughafen von entscheidender Bedeutung. Vor der Pandemie war das Langstreckennetz ein wichtiger Wachstumsfaktor für den Flughafen, der 2019 ein Passagieraufkommen von 25,5 Millionen verzeichnete. Dieses Niveau konnte bisher nicht wieder erreicht werden; 2024 fertigte der Flughafen rund 20 Millionen Passagiere ab. Der Anteil der Langstreckenpassagiere lag dabei bei nur 1,1 Millionen.
Die Rückkehr der Langstreckenflüge ist nicht nur für den Flughafen selbst wichtig, sondern auch für die gesamte Metropolregion Rhein-Ruhr, die als eines der größten und wirtschaftlich stärksten Ballungsgebiete Europas gilt. Die Region ist ein bedeutender Industriestandort mit starken internationalen Geschäftsbeziehungen, die eine gute Anbindung an internationale Märkte erfordern. Der Düsseldorfer Flughafen dient als das Tor für Millionen von Menschen aus der Region, die reisen, und spielt eine zentrale Rolle in der Wirtschaftslandschaft.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Anbindung an die US-Ostküste und Japan. Düsseldorf beherbergt mit mehr als 15.000 Einwohnern die größte japanische Gemeinschaft in Deutschland und eine der größten in Europa. Rund 410 japanische Unternehmen sind in der Region angesiedelt, die insgesamt etwa 52.600 Menschen beschäftigen. Eine direkte Flugverbindung nach Japan ist daher für die Wirtschaft und die japanische Gemeinschaft von großer Bedeutung. Zwar übersteigt die Entfernung nach Japan die Reichweite der A321XLR, aber die Rückkehr von Verbindungen zur US-Ostküste, die mit der A321XLR problemlos bedient werden kann, wäre ein erster großer Schritt.
Die A321XLR könnte eine Brücke zu den wichtigen US-Märkten schlagen, die aufgrund der pandemiebedingten Rückzüge von Fluggesellschaften brachliegen. Der Flughafen Düsseldorf bietet derzeit nur Langstreckenflüge in den Nahen Osten an, die von Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways bedient werden. Eine Wiederaufnahme von Flügen nach New York oder Atlanta, wie es vor der Pandemie der Fall war, würde das internationale Profil des Flughafens erheblich stärken.
Die Zukunft des Düsseldorfer Flughafens
Redeligx ist optimistisch, daß die Rückkehr der Langstreckenflüge innerhalb der nächsten zwei Jahre Realität werden wird. Er betont, daß die Nachfrage nach solchen Verbindungen vorhanden sei und es nur eine Frage der Produktions- und Lieferzeitpläne der Flugzeughersteller sei. Der Düsseldorfer Flughafen ist zwar primär ein Punkt-zu-Punkt-Flughafen, der keine Drehkreuz-Operationen anstrebt, er wäre aber dennoch bereit, diese anzubieten, falls eine Fluggesellschaft ein solches Modell verfolgen würde. Mit einer Umsteigepassagierrate von nur 2,2 Prozent bleibt der Flughafen ein Anbieter von Direktverbindungen.
Der Erfolg der strategischen Neuausrichtung des Flughafens Düsseldorf wird maßgeblich von der Einführung der Airbus A321XLR abhängen. Das Flugzeugmuster könnte das fehlende Glied sein, um die Lücke zu schließen, die der Wegfall der Langstreckenverbindungen hinterlassen hat. Es bietet die Flexibilität und Effizienz, um die Anbindung der Metropolregion Rhein-Ruhr an die Weltmärkte wiederherzustellen, ohne die Kosten und Risiken, die mit größeren Flugzeugtypen verbunden sind. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Strategie aufgeht und der Düsseldorfer Flughafen seine alte Stärke zurückgewinnt.