Boeing 737 Max 200 von Malta Air, Ryanair und Buzz (Foto: Ryanair).
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Ryanair stellt Ultimatum an Österreich: Abschaffung der Flugsteuer und niedrigere Gebühren für Milliarden-Investition

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Ryanair hat die neue österreichische Regierung am Mittwoch, den 9. Juli 2025, ultimativ aufgefordert, die „schädliche Flugticketabgabe“ von 12 Euro pro Passagier abzuschaffen und die „überhöhten Flughafengebühren“ zu senken, die am Flughafen Wien seit der Pandemie um über 30 Prozent gestiegen sind.

Sollte Österreich diesen Forderungen nachkommen, verspricht Ryanair einen ambitionierten Investitionsplan in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Dieser Plan sieht vor, das Passagieraufkommen bis 2030 um 70 Prozent auf 12 Millionen Reisende pro Jahr zu steigern, zehn zusätzliche Boeing 737-Max-200-Flugzeuge in Österreich zu stationieren und 300 neue, hochbezahlte Arbeitsplätze zu schaffen. Ryanair-CEO Michael O’Leary drohte jedoch mit einer Reduzierung des Flugangebots, falls die Regierung die Forderungen nicht erfüllt.

Österreichs hohe Kosten: Ein Hemmnis für das Wachstum

Laut Ryanair behindern die derzeitigen „horrend hohen Zugangskosten“ Österreichs Erholung im Luftverkehr und machen den Markt im Vergleich zu konkurrierenden EU-Ländern unattraktiv. Dies sei der Hauptgrund, warum Österreich – ähnlich wie Deutschland – das Passagieraufkommen vor der Covid-Pandemie noch immer nicht wieder erreicht habe. Michael O’Leary, der streitbare CEO von Ryanair, betonte, daß die Flugticketabgabe von 12 Euro pro Passagier sowie die hohen Flughafengebühren, die allein in Wien seit der Pandemie um über 30 Prozent gestiegen seien, maßgeblich dazu beitrügen.

Im europäischen Vergleich sieht sich Österreich hier im Nachteil. Länder wie Schweden und Ungarn, aber auch Regionalflughäfen in Italien, schaffen demnach derzeit Flugticketabgaben ab oder senken ihre Zugangskosten, um den Luftverkehr und damit das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Als jüngstes Beispiel führte O’Leary Schweden an, das erst in der vergangenen Woche (1. Juli) seine Flugticketabgabe abgeschafft hat. Als direkte Reaktion darauf habe Ryanair eine zusätzliche Investition von 200 Millionen US-Dollar zugesagt, die zwei zusätzlich stationierte Flugzeuge, zehn neue Strecken und 60 neue Arbeitsplätze umfasse. Dies zeige, so O’Leary, wie schnell Investitionen und Wachstum auf eine Kostenreduzierung folgten.

Ryanairs Versprechen: Milliarden-Investition und Jobmotor

Ryanair hat dem neuen Verkehrsminister Peter Hanke am 12. Juni einen detaillierten Investitionsplan vorgestellt. Dieser Plan sieht vor, den österreichischen Passagierverkehr von derzeit sieben Millionen auf zwölf Millionen Passagiere pro Jahr bis 2030 zu steigern, was einem Wachstum von 70 Prozent entspräche. Um dieses Wachstum zu ermöglichen, plant Ryanair, zehn zusätzliche Boeing 737 „Gamechanger“-Flugzeuge in Österreich zu stationieren, wodurch die Gesamtflotte in Österreich auf 28 Maschinen anwachsen würde. Diese modernen Flugzeuge sind für ihre Effizienz bekannt und sollen die Betriebskosten senken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Investitionsplans ist die Förderung der österreichischen Regionalflughäfen. Ryanair verspricht, das Wachstum an diesen Flughäfen um 150 Prozent anzukurbeln. Dies könnte insbesondere für kleinere Flughäfen außerhalb Wiens, die oft um Passagiere und Routen kämpfen, eine erhebliche Belebung bedeuten. Darüber hinaus würde die Umsetzung des Plans die Schaffung von 300 neuen, hochbezahlten Arbeitsplätzen für Piloten, Kabinenpersonal und Techniker mit sich bringen, wodurch die Gesamtzahl der von Ryanair direkt geschaffenen Arbeitsplätze in Österreich über 1.000 steigen würde. Dies wäre ein signifikanter Beitrag zur österreichischen Wirtschaft und zur Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze.

Das Ultimatum: Konsequenzen bei fehlender Kooperation

Die Botschaft von Ryanair ist klar und unmißverständlich: Sollte die österreichische Regierung die geforderten Maßnahmen zur Kostenreduzierung nicht umsetzen, werden die Ticketpreise für österreichische Passagiere und Besucher deutlich steigen. Noch drastischer ist die Drohung, daß Ryanair „gezwungen sein wird, seine künftigen Flugpläne für Österreich zu reduzieren“. Michael O’Leary machte deutlich, daß Ryanair als einzige große Fluggesellschaft in Europa derzeit Verkehrswachstum verzeichne und die Kosten der wichtigste Faktor bei der Entscheidung seien, wo neue Flugzeuge stationiert und das Angebot ausgebaut werde.

O’Leary appellierte direkt an den neuen Minister Hanke: „Wie Schweden könnte auch Österreich erheblich vom weiteren Wachstum Ryanairs profitieren, wenn die Regierung die schädliche Flugticketabgabe abschafft und die Flughafengebühren senkt.“ Er fügte hinzu: „Wir haben bisher noch keine Rückmeldung vom neuen Minister erhalten, freuen uns jedoch auf eine positive Antwort, die es Ryanair ermöglichen wird, niedrigere Ticketpreise, schnelles Wachstum und mehr Auswahl für österreichische Passagiere und Besucher zu bieten.“

Die Drohung mit einer Reduzierung des Flugangebots ist kein bloßes Säbelrasseln. Ryanair ist bekannt dafür, seine Drohungen in die Tat umzusetzen, wenn die Bedingungen in einem Markt nicht ihren Vorstellungen entsprechen. In der Vergangenheit hat Ryanair bereits in anderen Ländern Kapazitäten abgezogen oder die Expansion gebremst, wenn Flughäfen oder Regierungen nicht bereit waren, ihre Forderungen zu erfüllen. Dies würde für Österreich bedeuten, daß Passagiere weniger Direktverbindungen und möglicherweise höhere Preise bei anderen Airlines hinnehmen müßten, was wiederum den Tourismus und die Wirtschaft des Landes beeinträchtigen könnte. Es ist eine klare Botschaft an die Regierung, daß die Entscheidung über die Rahmenbedingungen des Luftverkehrs direkte Auswirkungen auf Investitionen und Arbeitsplätze hat.

Die Flugticketabgabe in Europa: Ein Wettbewerbsfaktor

Die Flugticketabgabe ist ein Instrument, das in verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich gehandhabt wird und oft Gegenstand von Debatten zwischen Regierungen, Fluggesellschaften und Flughafenbetreibern ist. In Österreich wurde die Flugticketabgabe im Jahre 2011 eingeführt. Sie ist eine Abgabe, die pro Passagier auf jeden abfliegenden Flug erhoben wird und in der Höhe je nach Flugdistanz variieren kann. Für Kurzstreckenflüge beträgt sie beispielsweise weniger als für Langstreckenflüge, aber die von Ryanair angesprochenen 12 Euro sind ein signifikanter Betrag für Billigfluggesellschaften, deren Geschäftsmodell auf geringen Margen basiert.

Ryanair hat sich konsequent gegen solche Steuern ausgesprochen und argumentiert, daß sie die Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrtmärkte beeinträchtigen, die Passagierzahlen reduzieren und letztendlich Arbeitsplätze gefährden. Die Fluggesellschaft verweist auf Studien, die zeigen, daß Flugticketabgaben das Passagieraufkommen und die Wirtschaftsleistung in den betroffenen Ländern schmälern können. Länder wie Schweden, die ihre Flugticketabgabe kürzlich abgeschafft haben, folgen dieser Argumentation und hoffen, durch die Kostenreduzierung mehr Fluggesellschaften und Touristen anzuziehen. Andere Länder, wie Deutschland, halten an ihren Flugticketabgaben fest, um zusätzliche Staatseinnahmen zu generieren. Dieser unterschiedliche Ansatz schafft einen Wettbewerbsnachteil für Länder mit hohen Abgaben, da Fluggesellschaften ihre Kapazitäten dorthin verlagern, wo die Betriebskosten niedriger sind.

Ein Balanceakt für die neue Regierung

Die Forderung von Ryanair an die neue österreichische Regierung stellt diese vor einen Balanceakt. Einerseits sind die potenziellen Investitionen von einer Milliarde US-Dollar und die Schaffung von 300 neuen Arbeitsplätzen ein starker Anreiz für die heimische Wirtschaft. Das Wachstum des Passagierverkehrs um 70 Prozent würde zudem den Tourismus ankurbeln und Österreichs Anbindung an Europa und die Welt verbessern. Andererseits steht die Regierung unter dem Druck, Einnahmen zu generieren und möglicherweise andere politische Ziele zu verfolgen.

Die Entscheidung, die Flugticketabgabe abzuschaffen oder die Flughafengebühren zu senken, würde einen Paradigmenwechsel in der österreichischen Luftverkehrspolitik bedeuten. Sie würde zeigen, ob die neue Regierung bereit ist, kurzfristige Einnahmeausfälle in Kauf zu nehmen, um langfristig durch mehr Verkehr und Investitionen zu profitieren. Ryanairs Ultimatum ist ein deutliches Signal, daß die Fluggesellschaft ihre Wachstumsmöglichkeiten in Europa strategisch plant und dabei konsequent auf Kostenfaktoren achtet. Es bleibt abzuwarten, wie die neue österreichische Regierung auf diese Forderung reagieren wird und ob sie die von Ryanair angebotene „Wachstumschance“ ergreifen wird.

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