Saab 2000: It’s lonely at the top

Saab 2000 der Crossair (The Phantom of the Opera Spezialbemalung) - Foto: Bildarchiv der ETH-Bibliothek
Saab 2000 der Crossair (The Phantom of the Opera Spezialbemalung) - Foto: Bildarchiv der ETH-Bibliothek

Saab 2000: It’s lonely at the top

Saab 2000 der Crossair (The Phantom of the Opera Spezialbemalung) - Foto: Bildarchiv der ETH-Bibliothek
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Die unten abgebildete Printwerbung ist uns vor wenigen Tagen ins Auge gestochen. Doch weshalb wirbt Saab über 20 Jahre nach dem Produktionsende immer noch für seine Saab 2000? Aviation.direct möchte darauf eine Antwort finden.

Werbung der Saab 2000

Nach dem großen Erfolg der Saab 340 schickte sich der schwedische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern Saab AB (damals noch als Saab-Scania AB) im Dezember 1988 an, ein vergrößertes Regionalflugzeug zu entwickeln – die Saab 2000. Doch die Saab 2000 ist nicht nur einfach eine gestreckte Saab 340, sondern ein komplett neu konzipiertes Flugzeug.

Die in Linköping endmontierte Maschine setzte auf verschiedene Neuerungen und vor allem auf leistungsstarke Turboprop-Triebwerke der Allison Engine Company (heute Teil von Rolls-Royce). Die zwei AE2100A-Engines verleihen der Saab 2000 enormen Schub, so dass die Reisegeschwindigkeit mit 665 km/h etwa 100km/h höher war als die der direkten Konkurrenzmustern (ATR42, Fokker 50, DHC-8-300).

Technische Daten der Saab 2000

Am 26. März 1992 war es dann so weit. Die beiden Testpiloten Eric Sjöberg und Lennart Nordh waren am Steuerhorn beim Erstflug des neuen schwedischen Regionalflugzeuges. Doch es war nicht alles eitel Sonnenschein. Während der Flugerprobung stellten sich Probleme ein. Es zeigte sich, dass die Luftströmung über dem Höhenleitwerk einen signifikanten Einfluss auf das mechanische Höhenrudersteuersystem (MECS) hatte. Dies wurde hauptsächlich verursacht durch die leistungsstarken Allison-Motoren und den beiden großen sechsblättrigen Dowty-Propellern.

Aufgrund dieses Problems verzögerte sich das Programm, doch fast genau zwei Jahre nach dem Erstflug erfolgte am 31. März 1994 die endgültige Zertifizierung. Die Schweizer Regionalfluggesellschaft Crossair war sehr überzeugt von der Saab 2000 und übernahm als Erstbetreiber die erste Maschine (HB-IZC) am 30. August 1994.

Saab 2000 der Crossair

Doch im Vergleich mit der Konkurrenz hinkten die Verkaufszahlen enorm hinterher. Lediglich 63 Flugzeuge konnten gebaut werden. Aufgrund der geringen Verkaufszahlen, des überhitzen Marktes in diesem Segment und auch aufgrund eines sich wandelnden Marktes (hin zu den schnelleren Regionaljets von Embraer und Bombardier) entschied Saab die Produktion der Saab 340 und Saab 2000 im Jahre 1999 einzustellen. Erstbetreiber Crossair stand am 29. April 1999 die Ehre zu, die letzte gebaute Maschine (als HB-IYH) übernehmen zu können. Total flog Crossair und die daraus entstandene Swiss International Air Lines mit 34 Stück des als „Concordino“ bezeichneten Musters. Somit war die Schweizer Regionalfluggesellschaft mit Abstand der größte Betreiber der Saab 2000.

Typenzertifizierung in den USA erst im 2016 erlangt

Als die offensichtlichen Nachteile der Regionaljets entdeckt wurden (hoher Treibstoffverbrauch), war es für die Saab 2000 jedoch schon zu spät, die Produktion war bereits beendet. Dennoch blieb das schwedische Regionalflugzeug sehr beliebt – hauptsächlich bei europäischen Betreibern. Erst im Jahr 2016 wurde dank dem alaskischen Betreiber PenAir die Saab 2000 in den USA zertifiziert.

Saab 2000 (Foto: V1Images.com/Martin Rogosz).

Nach dem bis ins Jahr 2017 fast alle noch verfügbaren Saab 2000 täglich im Einsatz standen, ist es zwischenzeitlich ein wenig ruhiger geworden. Verschiedene Betreiber mussten den Flugbetrieb komplett aufgeben (u.a. Adria, Darwin, PenAir) oder haben die Saab 2000 aus der Flotte genommen (z.B. Loganair, Eastern Airways). Aktuell steht die Saab 2000 nur noch bei zwei Betreiber im kommerziellen Einsatz. Die estnischen NyxAir und die slowenischen Lipican Aer betreiben einige Maschinen hauptsächlich im Wet-Leasing für die schwedische Air Leap.

Doch es scheint so, als bald wieder mehr kommerzielle Betreiber auf die Saab 2000 setzten wollen. Die amerikanische Sterling Airways (früher bekannt unter dem Namen Via Airlines) soll ab Herbst 2021 ehemalige PenAir-Maschinen unter dem Brand Aleutian Airways betreiben. Gemäß Aussagen von Wayne Haller (CEO/Präsident von Sterling Airways), soll die Saab 2000 das am meisten geeignete Flugzeugmuster sein. Auch die in Bonnaire domizilierte EZAir denkt an eine Zukunft mit Flugzeugen aus dem Hause Saab. Die erste Saab 340 wurde kürzlich übernommen und es soll bald eine erste Saab 2000 folgen.

Interview mit Per Skogsberg von Saab

Aviation.direct wollte es zur Werbekampagne und zur Zukunft der Saab 2000 ein wenig genauer wissen und hat deshalb mit Per Skogsberg, dem Strategic Marketing Communication Manager von Saab, gesprochen. Hier unser Interview.

Aviation.direct (AD): Weshalb macht die Saab AB immer noch Werbung für ein Flugzeug, welches seit über 20 Jahren nicht mehr produziert wird?

Per Skogsberg (PS): Die Saab 2000 ist immer noch ein aktives Flugzeug, und der größte Teil der Saab 2000-Flotte ist immer noch bei Jetstream Aviation Capital als Haupt-Leasinggeber aktiv. Als Inhaber der Musterzulassung für diesen Flugzeugtyp bietet Saab nach wie vor zahlreiche Dienstleistungen an, und wir sind auch im Besitz eines beträchtlichen Ersatzteilbestands. Darüber hinaus sind Änderungen notwendig, um die Lufttüchtigkeit auch die betriebliche Einhaltung zu gewährleisten (z. B. Fuel Tank Safety und ADS-B Out). Wir werben, um das Bewusstsein für die Existenz des Flugzeugs auf dem Markt zu schaffen/aufrechtzuerhalten und um darüber zu informieren, dass Saab immer noch ein Unternehmen ist, auf das man als Lieferant zählen kann.

Die Luftfahrtindustrie ist etwas Besonderes, und wir wollen auch alle Avgeeks und Saab-Fans da draußen erreichen.

Per Skogsberg, Saab AB

AD: Kann man mit Printwerbung die richtige Zielgruppe ansprechen? Beispielsweise das Management einer Airline.

PS: Wir sind der Meinung, dass diese Art von Werbung in Printmedien gut funktioniert. Wir wenden uns an eine breite Zielgruppe, z. B. an regionale Fluggesellschaften, aber auch an Zulieferer. Die Luftfahrtindustrie ist etwas Besonderes, und wir wollen auch alle Avgeeks und Saab-Fans da draußen erreichen.

AD: Wie bereits erwähnt sind die meisten aktiven Saab 2000 im Besitz der amerikanischen Leasinggesellschaft Jetstream Aviation Capital (JAC). Wird die Werbung von JAC unterstützt?

PS: Nein, diese Werbung wird nur von Saab geschaltet. Wir haben jedoch eine enge Zusammenarbeit mit JAC in unseren gemeinsamen Bemühungen, die Saab 2000 zu fördern. JAC ist der aktivere Part, wenn es um tatsächliche Leasingmöglichkeiten, erste Gespräche mit Fluggesellschaften usw. geht.

Wir sehen immer noch einige Möglichkeiten in Europa, aber das Hauptinteresse liegt im Moment in Süd- und Nordamerika.

Per Skogsberg, Saab AB

AD: Sehen Sie noch Chancen für die Saab 2000 im kommerziellen Sektor?

PS: Ja, in letzter Zeit haben einige Fluggesellschaften ihr Interesse an diesem Modell bekundet. Die Leistungen und der Komfort des Flugzeugs machen es zu einem starken Konkurrenten auf dem heutigen Markt. Auch wenn viele Flugzeuge derzeit geparkt sind, glauben wir, dass es sich dabei um eine vorübergehende Maßnahme aufgrund der Pandemie handelt. Die Dinge ändern sich, und wir gehen davon aus, dass diese Flugzeuge zu gegebener Zeit wieder einsatzbereit sein werden. Wir sehen immer noch einige Möglichkeiten in Europa, aber das Hauptinteresse liegt im Moment in Süd- und Nordamerika. Dies ist ein großer Markt, dem sowohl Saab als auch JAC Wachstum voraussagen. Wir gehen davon aus, dass mindestens ein US-amerikanischer Betreiber noch in diesem Jahr mit einer beträchtlichen Anzahl von Flugzeugen beginnen wird [Anmerkung AD: hier handelt es sich wohl um die vorher bereits erwähnte Sterling Airways]. Darüber hinaus erwarten wir, dass im nächsten Jahr weitere Fluggesellschaften in den USA die Saab 2000 übernehmen werden. Außerdem führen wir derzeit Gespräche mit Transport Canada Civil Aviation [AD: kanadische Luftfahrtbehörde] über eine Typenzertifizierung (TC-Validation). Dies ist darauf zurückzuführen, dass mehrere kanadische Fluggesellschaften Interesse an der Saab 2000 bekundet haben, da sie perfekt zu ihren spezifischen Anforderungen passt, z. B. in Bezug auf Umwelt, Routen und Anzahl der Passagiere, wo die Leistung der Saab 2000 voll zur Geltung kommt. Eine Typenzertifizierung wird Anfang nächsten Jahres erwartet. Wir sehen auch Projekte in Mittel- und Südamerika.

AD: Die Saab 2000 wurde bisher fast nur in Europa kommerziell genutzt. Aber die unabhängigen europäischen Regionalfluggesellschaften haben es schwer mit Airline-Konzernen zu konkurrieren. Kann der Saab 2000 hier helfen?

PS: Ja, das könnte der Fall sein. Auch als Wet-Lease-Möglichkeit für Betreiber, die solche Dienste anbieten. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Saab 2000 in den “äußeren” Gebieten, wie auf dem Land, an der Küste usw., ihre Einnahmen erzielen wird, und zwar mit kleineren Betrieben, auch wenn sie Dienste für größere Fluggesellschaften anbieten.

AD: Aufgrund von Covid-19 sind derzeit eher kleinere Flugzeuge gefragt. Kann eine alte Saab 2000 einen 70-Plätzer (z. B. ATR72, Bombardier CRJ700, Embraer E170/175) ersetzen?

PS: Ja, das ist zu erwarten. Das Flugzeug bietet nach wie vor hohe Leistungen und großen Komfort in Kombination mit einem attraktiven Preis und attraktiven Betriebskosten. Das ist wichtig, da der Auslastungsfaktor ein Faktor für den künftigen Betrieb ist und bleiben kann.

AD: Herzlichen Dank für ihre detaillierten Ausführungen zur Saab 2000. Wir wünschen, dass dieser sympathische schwedische Turboprop wieder vermehrt in der Luft zu sehen ist.

Die Saab 2000 war mit allen ihren neuen Features und der außergewöhnlichen Leistung der Zeit voraus.

Aktuelle und ehemalige Betreiber der Saab 2000 (Stand: August 2021):

  • Adria Airways (Slowenien)
  • Air Botnia (Finnland)
  • Air Italy (Italien)
  • Air Jet (Frankreich)
  • Air Marshall Islands (Marshallinseln)
  • Blue 1 (Finnland)
  • BRA – Braathens Regional Airways (Schweden)
  • Braathens Regional (Schweden)
  • Carpatair (Rumänien)
  • City Airline (Schweden)
  • CityJet (Irland)
  • Crossair (Schweiz)
  • Crossair Europe (Frankreich)
  • Darwin Airline (Schweiz)
  • Deutsche BA (Deutschland)
  • EAC – Europe Air Charter (Luxemburg)
  • Eastern Airways (Großbritannien)
  • FlyLAL (Litauen)
  • General Motors (USA)
  • Ginn Racing (USA)
  • Golden Air (Schweden)
  • Hendrick Motorsports (USA)
  • JCAB Flight Inspection (Japan)
  • Joe Gibbs Racing (USA)
  • Lipican Aer (Slowenien)
  • Loganair (Großbritannien)
  • Med Airlines (Italien)
  • Meregrass Air Charter (USA)
  • Moldavian Airlines (Moldawien)
  • Nordic Regional (Schweden)
  • NyxAir (Estland)
  • OLT – Ostfriesische Lufttransport (Deutschland)
  • OLT Express Germany (Deutschland)
  • OMNI Aviação (Portugal)
  • Pakistan Air Force (Pakistan)
  • PenAir (USA)
  • Polet (Russland)
  • Régional Airlines (Frankreich)
  • Royal Saudi Air Force (Saudi-Arabien)
  • Saab (Schweden)
  • SAS Scandinavian Commuter (Schweden)
  • Skyways Express (Schweden)
  • SkyWork Airlines (Schweiz)
  • Soder Airlines (Finnland)
  • Swedline Express (Schweden)
  • Swiss International Air Lines (Schweiz)
  • TUS Airways (Zypern)
  • United States Department of Justice (USA)

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