Salzburg fordert 4 Uhr 00-Railjet zum Flughafen Wien

Lokomotive eines ÖBB-Railjets (Foto: Jan Gruber).
Lokomotive eines ÖBB-Railjets (Foto: Jan Gruber).

Salzburg fordert 4 Uhr 00-Railjet zum Flughafen Wien

Lokomotive eines ÖBB-Railjets (Foto: Jan Gruber).
Werbung

Seit einiger Zeit gibt es keine Austrian-Airlines-Inlandsflüge zwischen Salzburg und Wien. Diese wurden auf die Schiene verlagert, jedoch gibt es ein Problem: Die Frühwelle kann aufgrund der Fahrzeiten der Railjets oftmals nicht erreicht werden.

Die Salzburger Landespolitik fordert nun eine zusätzliche Verbindung, die Salzburg Hauptbahnhof um etwa 4 Uhr 00 verlassen soll. Diese soll es ermöglichen, dass Flugpassagiere die Morgenwelle am Flughafen Wien-Schwechat erreichen können und zwar unabhängig davon, ob diese mit Austrian Airlines oder einer anderen Fluggesellschaft fliegen.

Allerdings dürfte es für das Erreichen der Frühflüge von Ryanair und Wizz Air eher knapp werden, denn viele Verbindungen heben bereits zwischen 5 Uhr 00 und zirka 7 Uhr 00 ab. Aufgrund der Fahrzeit von Salzburg Hbf zum Flughafen Wien-Schwechat, die in etwa zwei Stunden und 49 MInuten beträgt, wird es eng.

Eine Verknüpfung als Kooperationszüge (Austrian Airlines/ÖBB) hätte zur Folge, dass viele Morgenflüge der AUA besser ab Salzburg erreichbar sind. Derzeit happert es daran, dass eben der erste Zug zu spät am Flughafen Wien-Schwechat eintrifft. Nicht zu unterschätzen ist, dass der Flughafen München ein ernsthafter Konkurrent ist, denn bis München-Ost, wo man auf die Schnellbahn zum Franz-Josef-Strauß-Airport umsteigen kann, beträgt die Fahrzeit unter 1,5 Stunden.

Auf der Westbahn-Strecke gibt es im Gegensatz zur Südbahn keine Vergabe der Verkehre. Das bedeutet konkret, dass die Eisenbahnunternehmen ÖBB und Westbahn eigenwirtschaftlich verkehren und dafür keine Förderungen erhalten. Davon ausgenommen waren die Corona-Lockdowns, in denen beide Anbieter aufgrund von Notvergaben zeitlich befristet unterstützt wurden.

Das Ansinnen der Salzburger Landesregierung hängt also in erster Linie davon ab, ob sich ÖBB oder Westbahn mit dem Plan anfreunden können. Theoretisch könnte Salzburg den gewünschten Zug auch europaweit ausschreiben und auf eigenes Risiko anbieten. Das gilt aber als unwahrscheinlich, da der Fernverkehr auf der Westbahnstrecke eigenwirtschaftlich ist und subventionierte Züge kein leichtes Unterfangen wären.

Letztlich zeigt die Forderung aus Salzburg aber, dass die Verlagerung von Zubringerflügen auf die Schiene nicht nur positive Seiten hat, sondern auch Nachteile bringen kann. Der einst von Austrian Airlines angebotene Flugverkehr war vollständig auf das Wellensystem des Hub-Carriers abgestimmt. Das ist im Rahmen der Kooperation mit den ÖBB zwar weitgehend auch der Fall, jedoch ist es eben ein Kompromiss. Und dieser führt dazu, dass die Frühwelle ab Salzburg nicht wirklich erreicht werden kann.

Ein bisschen ist es auch “Jammern” auf hohem Niveau, denn ist ja nicht so, dass es ab dem Flughafen Salzburg keine Alternativen gäbe. Beispielsweise kann das Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt am Main auf dem Luftweg erreicht werden. Auch die Hubs von Turkish Airlines und Eurowings sind erreichbar, so dass es mehrere Alternativen zum Umstieg in Wien-Schwechat gibt. Die Nähe zu München und den Umstand, dass dieser Airport mittlerweile auf dem Schienenweg mit maximal einem Umstieg schnell erreichbar ist, darf man nicht unterschätzen. Viele Geschäftsreisende nutzen München als Abflugsort und es ist auch zu beobachten, dass diese aus Zeitgründen vermehrt vom Auto auf die Bahn umsteigen. Unterm Strich steht daher die Frage: Kann sich ein zusätzlicher Railjet ab Salzburg Hbf, der zum Erreichen der Morgenwelle in Wien-Schwechat dienen soll, wirtschaftlich rechnen?

1 Comment

  • Marty-t , 12. Februar 2022 @ 12:27

    Heuer hat man in näher liegenden tschechischen Brünn (Brno) gleiches Problem. Brno-Wien ist etwa 120km entfernt, laut Schätzungen kommen aus Brno zu Flughafen Wien jährlich 0,5 mio Gästen. Meist im Auto. Züge Brno-Wien verkehren stündlich, aber mit paar Nachteilen – die Züge fahren nur bis Hbf. Wien, da muss man ein einen Anschluss Richtung Flughafen in 30min Takt warten. Der ersten Zug fährt aus Brno um 7:22 Uhr, der letzten Zug zurück aus Wien fährt um 21:10 Uhr. Daher nichts mit Frühswelle ab und Abendswelle zurück. Neulich will Stadt Brünn und Flughafen Wien AG direkte Züge haben. Bis zu 6 Paare am Tag mit einem sehr frühs und einem sehr spät. Der ersten Zug sollte am 21.2. losfahren. Leider kein ersten von regelmässigen Betrieb, sonderen ein sonder Ausflug für Politiker… Mal schauen wie sich es weiter Entwicklen wird…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Redakteur dieses Artikels:

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

Paywalls mag niemand
– auch Aviation.Direct nicht!

Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee Kaffee einladen.

Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.

Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Verbesserungsvorschläge wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.

Ihr
Aviation.Direct-Team
Paywalls
mag niemand!

Über den Redakteur

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

Paywalls mag niemand
– auch Aviation.Direct nicht!

Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee Kaffee einladen.

Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.

Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Verbesserungsvorschläge wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.

Ihr
Aviation.Direct-Team
Paywalls
mag niemand!

1 Comment

  • Marty-t , 12. Februar 2022 @ 12:27

    Heuer hat man in näher liegenden tschechischen Brünn (Brno) gleiches Problem. Brno-Wien ist etwa 120km entfernt, laut Schätzungen kommen aus Brno zu Flughafen Wien jährlich 0,5 mio Gästen. Meist im Auto. Züge Brno-Wien verkehren stündlich, aber mit paar Nachteilen – die Züge fahren nur bis Hbf. Wien, da muss man ein einen Anschluss Richtung Flughafen in 30min Takt warten. Der ersten Zug fährt aus Brno um 7:22 Uhr, der letzten Zug zurück aus Wien fährt um 21:10 Uhr. Daher nichts mit Frühswelle ab und Abendswelle zurück. Neulich will Stadt Brünn und Flughafen Wien AG direkte Züge haben. Bis zu 6 Paare am Tag mit einem sehr frühs und einem sehr spät. Der ersten Zug sollte am 21.2. losfahren. Leider kein ersten von regelmässigen Betrieb, sonderen ein sonder Ausflug für Politiker… Mal schauen wie sich es weiter Entwicklen wird…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Werbung