SAS-Heckflosse (Foto: Robert Spohr).
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SAS: Neustart nach erfolgreicher Restrukturierung und strategischem Eigentümerwechsel

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Nach einer turbulenten Phase der Unsicherheit hat SAS Scandinavian Airlines, eine der führenden Fluggesellschaften Skandinaviens, einen bedeutenden Meilenstein erreicht: Der Abschluss ihres umfassenden Restrukturierungsprozesses markiert den Beginn einer neuen Ära für das Unternehmen.

Mit einer Exit-Finanzierung in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar durch ein neues Eigentümerkonsortium und einem überarbeiteten Geschäftsmodell positioniert sich SAS neu, um den Herausforderungen des globalen Luftfahrtmarktes zu begegnen und eine nachhaltige Zukunft zu sichern.

Die Restrukturierung: Ein komplexer und notwendiger Schritt

Die finanzielle Notlage von SAS, die durch die COVID-19-Pandemie noch verschärft wurde, führte im Juli 2022 zur freiwilligen Beantragung des Insolvenzschutzes nach Chapter 11 in den USA. Diese Maßnahme ermöglichte es der Fluggesellschaft, ihre Schulden neu zu ordnen und gleichzeitig den Betrieb aufrechtzuerhalten. Parallel dazu startete SAS ein Reorganisationsverfahren in Schweden, das im März 2024 eingeleitet wurde, um auch auf europäischer Ebene eine Stabilisierung der Finanzen zu erreichen.

Der am 28. August 2024 abgeschlossene Restrukturierungsprozess umfasste mehrere wesentliche Elemente, darunter eine Reduktion der Schulden um mehr als 2 Milliarden US-Dollar, eine Anpassung der Flotte und neue Vereinbarungen mit wichtigen Interessengruppen. Besonders bemerkenswert ist die Exit-Finanzierung, die aus 475 Millionen US-Dollar neuem, nicht börsennotiertem Eigenkapital und 725 Millionen US-Dollar an gesicherten Wandelanleihen besteht. Diese Mittel wurden durch ein Konsortium bereitgestellt, das aus Castlelake, Air France-KLM, Lind Invest ApS und dem dänischen Staat besteht.

Neues Eigentümerkonsortium: Die strategische Neuausrichtung

Mit der neuen Eigentümerstruktur, bei der das Konsortium nun 86,4 % des Aktienkapitals von SAS kontrolliert, wird die Fluggesellschaft in eine neue Phase ihrer Unternehmensgeschichte geführt. Air France-KLM, ein bedeutendes Mitglied des Konsortiums, hat 19,9 % der Anteile erworben und investierte insgesamt 144,5 Millionen US-Dollar. Interessanterweise könnte dieser Anteil in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Air France-KLM hat sich vertraglich das Recht gesichert, unter bestimmten Bedingungen zum Mehrheitsaktionär von SAS zu werden, was eine tiefere Integration in das Skyteam-Allianznetzwerk ermöglichen würde.

Die strategische Beteiligung von Air France-KLM stellt für SAS eine bedeutende Chance dar, ihre Marktstellung zu stärken und Synergien zu nutzen. Schon jetzt haben beide Fluggesellschaften Interline- und Codeshare-Abkommen unterzeichnet, die ab dem 1. September 2024 in Kraft treten und die Drehkreuze sowie Netzwerke der beiden Unternehmen enger verknüpfen. Diese Zusammenarbeit wird durch den Beitritt von SAS zur Skyteam-Allianz weiter verstärkt, dessen Gründungsmitglieder Air France und KLM sind.

Ein neues Managementteam für eine neue Ära

Im Rahmen der Restrukturierung wurde ein neues zehnköpfiges Managementteam ernannt, das die Verantwortung für die zukünftige Ausrichtung von SAS trägt. Angeführt wird dieses Team von Kåre Schultz, einem erfahrenen Manager aus der Pharmaindustrie, der zuvor bei Unternehmen wie Novo Nordisk, Lundbeck und Teva Pharmaceutical Industries tätig war. Schultz tritt die Nachfolge von Carsten Dilling als Vorstandsvorsitzender an und bringt umfangreiche Erfahrung in der Restrukturierung und Führung von Unternehmen mit.

Diese personellen Veränderungen spiegeln den Wunsch von SAS wider, frischen Wind in die Unternehmensführung zu bringen und die Effizienz sowie die betriebliche Leistung weiter zu steigern. Das Unternehmen hat bereits Fortschritte bei der Umsetzung seines Restrukturierungsplans „SAS Forward“ erzielt, der unter anderem eine Kostensenkung um 7,5 Milliarden SEK (735 Millionen US-Dollar) vorsieht. Im Juli 2024 konnte SAS zudem die höchste monatliche Rentabilität ihrer Geschichte verzeichnen – ein positives Signal für die Zukunft.

Zukunftsperspektiven: Marktchancen im Fokus

Für SAS bedeutet der Abschluss des Restrukturierungsprozesses nicht nur eine finanzielle Stabilisierung, sondern auch eine strategische Neuausrichtung. Präsident und CEO Anko van der Werff betonte in einer Stellungnahme, dass das Unternehmen nun bereit sei, den begonnenen Wandel fortzusetzen und sich den Herausforderungen des Marktes zu stellen. Ein zentrales Ziel bleibt dabei das Engagement für Nachhaltigkeit: SAS strebt weiterhin an, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen und damit eine Vorreiterrolle im Bereich der umweltfreundlichen Luftfahrt einzunehmen.

Die Exit-Finanzierung und die Einbindung in das Skyteam-Netzwerk bieten SAS die Möglichkeit, von den wachsenden Marktchancen zu profitieren und gleichzeitig ihre Position in der globalen Luftfahrt zu stärken. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um zu sehen, wie erfolgreich die Fluggesellschaft diese Chancen nutzt und ihre ambitionierten Ziele erreicht.

Ein Neubeginn mit vielen Unbekannten

Der erfolgreiche Abschluss der Restrukturierung markiert einen wichtigen Wendepunkt für SAS, doch die Herausforderungen bleiben groß. Die Fluggesellschaft muss nun beweisen, dass sie nicht nur finanziell überleben, sondern auch nachhaltig wachsen und sich in einem hart umkämpften Markt behaupten kann. Die neuen Eigentümer, das Managementteam und die strategische Partnerschaft mit Air France-KLM werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Für SAS ist dies der Beginn eines neuen Kapitels – ein Kapitel, das darüber entscheiden wird, ob das Unternehmen langfristig eine führende Rolle in der europäischen Luftfahrt spielen kann.

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