Die staatliche Schönbrunn Group hat die Wirtschaftskennzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt. An den vier betreuten Standorten – dem Schloss Schönbrunn, dem Sisi Museum in der Wiener Hofburg, dem Möbelmuseum Wien sowie dem niederösterreichischen Schloss Hof – wurde mit insgesamt 5,26 Millionen Besuchen ein Zuwachs von 10,1 Prozent verzeichnet.
Der Gesamtumsatz des Unternehmens stieg auf 97,3 Millionen Euro, woraus ein Jahresüberschuss von 11,85 Millionen Euro resultierte. Laut behördlichen Angaben finanzierte das Unternehmen den laufenden Betrieb sowie die getätigten Investitionen in Höhe von 14,7 Millionen Euro ohne öffentliche Zuschüsse und führte zudem 18,7 Millionen Euro an Pacht und Steuern an das Bundesbudget ab.
Den Hauptanteil des Aufkommens trug das Schloss Schönbrunn mit rund 3,96 Millionen Besuchen. Die Struktur der touristischen Nachfrage zeigt eine Dominanz europäischer Herkunftsländer, die 71 Prozent des Gesamtpublikums ausmachten, wobei Deutschland vor Italien und den USA den stärksten Auslandsmarkt bildete. Die Erlöse der Gruppe stützten sich zu rund 70 Prozent auf den Ticketverkauf, während der Souvenirhandel in den Shops 13 Prozent und Vermietungen sowie Veranstaltungen 15 Prozent beitrugen. Die liquiden Mittel flossen unter anderem in Denkmalschutzprojekte wie die Gesamtrestaurierung des Schönbrunner Zeremoniensaals sowie in die Modernisierung des Blauen Chinesischen Salons.
Neben den Erhaltungsmaßnahmen im Hauptschloss steht die bauliche und inhaltliche Umgestaltung des Sisi Museums im Fokus. Durch die Integration von zwölf zusätzlichen Räumen, darunter historisch bedeutsame Weißgoldzimmer, wird die Ausstellungsfläche um etwa 700 Quadratmeter vergrößert. Für dieses Projekt, dessen Fertigstellung für den Spätherbst geplant ist, wurden bislang 14 Millionen Euro aufgewendet. Kritische Stimmen aus der Museumswirtschaft geben jedoch zu bedenken, dass die starke Fixierung auf kaiserliche Kernmarken und die stetige Erhöhung von Kapazitäten das Risiko einer thematischen Monokultur im Städtetourismus birgt, die stark von der Volatilität internationaler Fernmärkte abhängt.
Kulturökonomen weisen zudem darauf hin, dass die Erschließung neuer Geschäftsfelder, wie die geplanten Beherbergungsbetriebe im Schloss Schönbrunn und auf Schloss Hof, den Charakter der historischen Ensembles verändern könnte. Die Transformation von Kulturdenkmälern in hotelähnliche Strukturen zur Erzeugung weiterer Eigenerträge wird im Denkmalschutz oft kontrovers diskutiert. Es bleibt abzuwarten, ob die prognostizierten Wachstumsraten im Segment der Premium-Übernachtungen die hohen Investitions- und Betriebskosten in den kommenden Jahren rechtfertigen können, falls sich das globale Reiseverhalten durch wirtschaftliche Abkühlungen in den Herkunftsmärkten abschwächt.