Die British-Airways-Gruppe, ein zentraler Akteur im europäischen Luftverkehr und Mitglied der Oneworld-Allianz, setzt ihre strategische Reduzierung des Angebots in Deutschland fort. Mit Beginn des Sommerflugplans 2026 wird die Regionaltochter BA Cityflyer die lukrative Verbindung zwischen den Finanzmetropolen London-City und Frankfurt am Main ersatzlos streichen.
Diese Entscheidung folgt auf die bereits angekündigte Einstellung der Strecken von London-Heathrow nach Köln/Bonn und Stuttgart mit Ende des laufenden Winterflugplans. Die kumulierten Streichungen unterstreichen die zunehmende Konzentration des Konzerns auf die wirtschaftlich tragfähigsten Routen und die Hauptdrehkreuze und beleuchten gleichzeitig die Herausforderungen, mit denen sich der Luftverkehrsstandort Deutschland konfrontiert sieht.
Die Verbindung London-City–Frankfurt wurde von BA Cityflyer zuletzt bis zu dreimal täglich, montags bis freitags sowie sonntags, bedient und war insbesondere bei Geschäftsreisenden, die eine schnelle Verbindung direkt ins Zentrum beider Städte suchten, hoch frequentiert.
Der Fokus auf die Haupt-Hubs
Die Streichung der Verbindung London-City–Frankfurt durch BA Cityflyer ist ein deutliches Signal für eine strategische Neuausrichtung innerhalb der British-Airways-Gruppe. Obwohl BA Cityflyer auf die Anfrage zu den Gründen nicht reagierte, ist die Entscheidung im Kontext der Reduzierung des Deutschland-Netzwerks zu sehen.
London-City (LCY) ist ein Spezialflughafen, dessen kurzer Start- und Landebahn nur spezielle Flugzeugtypen, wie die Embraer E190, zulässt und der direkt auf die Bedürfnisse des Finanzsektors zugeschnitten ist. Die Verbindung nach Frankfurt, dem größten Finanzzentrum Kontinentaleuropas, war daher von großer strategischer Bedeutung.
Trotz dieser Streichung bleibt die Anbindung Frankfurts an London weiterhin gesichert. British Airways selbst fliegt mehrmals täglich zwischen ihrem Hauptdrehkreuz London-Heathrow (LHR) und Frankfurt. Auch der Wettbewerber Lufthansa, der im kommenden Sommerflugplan weiterhin Flüge von Frankfurt nach London-City anbietet, hält die Verbindung zwischen den beiden Finanzzentren aufrecht. Die Streichung durch BA Cityflyer konzentriert den Verkehr nun stärker auf die Haupt-Hubs und die Fluggesellschaften mit den kosteneffizientesten Operationen.
Hohe Standortkosten als dominierender Faktor
Die jüngsten Streichungen von British Airways in Deutschland, die neben Frankfurt auch Köln/Bonn und Stuttgart betreffen, werden von Branchenvertretern und Flughäfen unisono auf die überdurchschnittlich hohen Standortkosten in Deutschland zurückgeführt.
Der Flughafen Stuttgart kommentierte die Streichungen mit Verständnis und verwies auf die massiven Belastungen durch staatlich induzierte Kosten, die Fluggesellschaften dazu drängen, Flugkapazitäten aus Deutschland abzuziehen und in wettbewerbsfähigere Länder zu verlagern.
Daten des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und des Flughafenverbandes ADV bestätigen, dass die staatlich veranlassten Kosten für Airlines, bestehend aus der nationalen Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühren und Flugsicherungsentgelten, in Deutschland zu den höchsten in Europa gehören. Im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern sind die staatlich induzierten Kosten für Kurz- und Mittelstreckenflüge in Deutschland laut dem ADV um bis zu 173 Prozent höher. Diese Kostenbelastung wirkt sich besonders stark auf Routen aus, die weniger von Umsteigern, sondern primär von Punkt-zu-Punkt-Verkehr leben.
Die kontinuierliche Erhöhung der Luftverkehrsteuer und steigende Luftsicherheitsgebühren schaffen einen massiven Wettbewerbsnachteil. Airlines wie British Airways, die auf eine strikte Kostenkontrolle achten, reagieren auf diese ökonomische Realität, indem sie weniger rentable Strecken, insbesondere jene außerhalb der großen internationalen Hubs, aus dem Flugplan nehmen.
Auswirkungen auf die deutsche Konnektivität
Die Einstellung der Strecken nach Köln/Bonn und Stuttgart durch British Airways hat unmittelbare Auswirkungen auf die Konnektivität dieser Regionen, insbesondere für Passagiere mit Zielen in Nordamerika. British Airways bot über London-Heathrow eine attraktive One-Stop-Verbindung in die USA an. Für Reisende aus Stuttgart oder Köln/Bonn bedeutet die Streichung nun, dass sie für Nordamerika-Ziele mindestens zweimal umsteigen müssen, was die Reisezeit verlängert und das Risiko von Verspätungen und verpassten Anschlüssen erhöht.
Die Streichungen schwächen die Anbindungsqualität deutscher Wirtschaftsregionen an wichtige internationale Drehkreuze. Obwohl die Lufthansa Group an ihren deutschen Hauptdrehkreuzen die Kontinuität des Betriebs gewährleistet, sind es die Regional- und Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, die zuerst unter dem Kostendruck leiden.
Fluggesellschaften müssen bei der Streckenplanung immer die Gesamtkosten der Abfertigung am Boden und der staatlichen Abgaben einkalkulieren. Wenn die direkten Kosten pro Passagier in Deutschland im Vergleich zu Nachbarländern wie Frankreich oder Spanien massiv höher sind, ist die Verlagerung von Flugkapazitäten eine zwangsläufige Reaktion des Managements. Der Rückzug von British Airways aus diesen Sekundärmärkten ist daher ein deutliches Indiz dafür, dass der deutsche Luftverkehrsstandort weiterhin mit strukturellen, staatlich veranlassten Hürden zu kämpfen hat, die seine Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Vergleich massiv beeinträchtigen.