Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) blicken auf ein betrieblich intensives Jahr 2025 zurück, in dem die tägliche Nutzerzahl auf durchschnittlich 1,43 Millionen Reisende anstieg. Trotz dieses Nachfragebooms und eines vermeldeten Jahresergebnisses von 496 Millionen Franken bleibt die finanzielle Situation des Staatsbetriebs fragil.
Fachleute weisen darauf hin, dass rund die Hälfte dieses Gewinns auf buchhalterische Einmaleffekte bei den Pensionskassenverpflichtungen zurückzuführen ist und somit keine liquiditätswirksamen Mittel für dringend benötigte Investitionen darstellt. Ohne diese Sondereffekte bewegt sich das operative Ergebnis lediglich auf dem Niveau des Vorjahres, was angesichts steigender Betriebs- und Instandhaltungskosten sowie eines höheren Energieaufwands eine Herausforderung für die langfristige Planung darstellt.
Die Nettoverschuldung des Konzerns konnte zwar durch einen Kapitalzuschuss des Bundes in Höhe von 850 Millionen Franken sowie strikte Sparmassnahmen auf 11,3 Milliarden Franken gesenkt werden, verbleibt jedoch auf einem Niveau, das die SBB als zu hoch einstuft. Um künftige Grossprojekte im Bereich des Rollmaterials und der Energieanlagen ohne weitere Fremdfinanzierung realisieren zu können, strebt das Unternehmen mittelfristig einen jährlichen operativen Gewinn von rund 500 Millionen Franken an. Erschwerend kommt die Lage im Güterverkehr hinzu: SBB Cargo kämpft mit rückläufigen Erträgen und einer sinkenden Kundenzufriedenheit, die aktuell bei 65 von 100 Punkten liegt. Eine umfassende Neuausrichtung des Einzelwagenladungsverkehrs und des kombinierten Verkehrs ist bereits angelaufen, wobei die personellen Konsequenzen dieser Transformation erst im Frühjahr 2026 vollständig absehbar sein werden.
Im operativen Bereich konnte die Pünktlichkeit im Personenverkehr trotz einer Rekordzahl von über 20.000 Baustellen auf 94,1 % gesteigert werden. Dieser Erfolg wird primär dem neuen Fahrplan in der Westschweiz und einer effizienteren Bündelung von Bauarbeiten bei Totalsperren zugeschrieben. Probleme bereiten jedoch weiterhin internationale Verbindungen, da Züge aus dem Ausland oft mit erheblichen Verspätungen an den Grenzbahnhöfen eintreffen. Parallel zur verbesserten Pünktlichkeit sieht sich das Bahnpersonal mit einer besorgniserregenden Zunahme von Aggressionen konfrontiert. Die SBB reagierte hierauf bereits mit einer verstärkten Präsenz der Transportpolizei sowie der flächendeckenden Einführung von Bodycams. Auch die technologische Sicherheit rückt in den Fokus, da die Zahl der Cyberangriffe auf die Bahninfrastruktur kontinuierlich steigt.
Für das Jahr 2026 und darüber hinaus stehen die Zeichen auf Expansion bei gleichzeitigem Substanzerhalt. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) bereitet derzeit die Botschaft zum Bahnausbau „Verkehr ’45“ vor, zu der sich die SBB im Sommer äussern wird. Ziel ist es, drohende Engpässe im Netz durch gezielte Infrastrukturmassnahmen zu verhindern. Während der Wochenend- und internationale Reiseverkehr an Beliebtheit gewinnt, bleibt der Fokus der Unternehmensleitung auf Effizienzsteigerungen gerichtet, um die Selbstfinanzierungskraft des Konzerns zu stärken und die Abhängigkeit von staatlichen Ausgleichszahlungen zu verringern.