Ein ambitioniertes Projekt zur Konsolidierung des afrikanischen Luftraumes steht vor dem Aus. South African Airways (SAA) hat sich offiziell aus den Plänen für eine panafrikanische Flugallianz mit Kenya Airways (KQ) zurückgezogen.
Die beiden staatlichen Fluggesellschaften hatten seit 2021 eine strategische Partnerschaft vorangetrieben, die in eine Fusion münden sollte, um dem fragmentierten Kontinent eine starke, konkurrenzfähige Airline-Gruppe entgegenzusetzen. Die Bestätigung des Rückzugs erfolgte durch den CEO von Kenya Airways, Allan Kilavuka, in einem kürzlich veröffentlichten Interview. Trotz des Scheiterns der Allianz sollen einige bilaterale Vereinbarungen, wie das Codesharing, vorerst bestehen bleiben. Kenya Airways sucht nun aktiv nach neuen Partnern in West- und Südafrika, um die Vision einer kontinentalen Luftfahrtgruppe doch noch zu verwirklichen.
Vom Kooperationsabkommen zum Scheitern
Die Initiative, die von Allan Kilavuka als eine Art paneuropäischer IAG International Airlines Group für Afrika konzipiert war, wurde ursprünglich als eine Antwort auf die dominierende Rolle von Ethiopian Airlines und den wachsenden Einfluß der Golf-Airlines gesehen. Das Memorandum of Understanding, das 2021 unterzeichnet wurde, zielte darauf ab, die Stärken beider Drehkreuze in Nairobi und Johannesburg zu bündeln. Die Partner planten eine koordinierte Vernetzung, gebündelte Preisfestlegungen und Kosteneinsparungen durch gemeinsame Beschaffung und Bodendienstleistungen. Das Ziel war, durch diese Synergien eine stärkere Position im globalen Wettbewerb zu erlangen.
Die Pläne sahen eine schrittweise Annäherung vor, die 2026 in eine formelle Fusion münden sollte. Doch der Prozeß verzögerte sich wiederholt, bedingt durch interne Umstrukturierungen, regulatorische Hürden und nicht zuletzt durch das Scheitern des Privatisierungsversuchs von SAA mit dem Takatso Aviation Consortium. Die mangelnde Bereitschaft des neuen SAA-Managements, die Allianz weiterzuführen, gab dem Vorhaben schließlich den Todesstoß. Während es bereits im Juni 2025 erste inoffizielle Meldungen über den Rückzug von SAA gab, ist es nun die erste offizielle Bestätigung von Seiten von Kenya Airways.
Kenya Airways auf Partnersuche: Eine schwierige Mission
Angesichts des Rückzugs von SAA hat Kenya Airways nun die Suche nach neuen Partnern intensiviert. Das Unternehmen richtet seinen Blick auf Fluggesellschaften in West- und Südafrika, wobei CEO Kilavuka betont, daß die Rentabilität des potentiellen Partners nicht die primäre Voraussetzung sei. Er argumentiert, daß das Ziel der Allianz ja gerade sei, die Mitgliedsairlines profitabel zu machen.
Die Suche nach geeigneten Partnern auf dem afrikanischen Kontinent ist jedoch mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Die afrikanische Luftfahrt ist von einer Vielzahl kleiner, oft staatlich geführter Fluggesellschaften geprägt, die mit finanziellen Problemen, veralteten Flotten und ineffizienten Strukturen kämpfen. Sylvain Bosc, ein renommierter Luftfahrtanalyst, merkte an, daß der Pool an passenden Partnern klein sei. Ethiopian Airlines hat sich bereits durch strategische Beteiligungen an Fluggesellschaften wie ASKY Airlines in Togo, Zambia Airways und Malawi Airlines eine starke Position in verschiedenen Regionen gesichert. Hinzu kommt, daß viele afrikanische Regierungen die staatliche Kontrolle über ihre nationalen Airlines ungern aufgeben, was Kooperationen und Fusionen erschwert.
Die jüngste Unterzeichnung eines strategischen Abkommens zwischen Kenya Airways und Air Tanzania zur Verbesserung der Konnektivität in Ost- und Südafrika könnte ein erster Schritt in die neue Richtung sein. Es zeigt, daß Kenya Airways weiterhin auf bilaterale Abkommen und strategische Partnerschaften setzt, um das eigene Netzwerk zu stärken. Dennoch bleibt die Herausforderung, einen Partner zu finden, der die gleiche strategische Vision und die notwendige Größe mitbringt, um eine echte Alternative zu den etablierten regionalen und internationalen Konkurrenten zu schaffen.
Die Zukunft der afrikanischen Luftfahrt
Das Scheitern der Allianz zwischen SAA und Kenya Airways ist ein Rückschlag für die Vision einer kontinentalen Konsolidierung. Die afrikanische Luftfahrtindustrie bleibt zersplittert und wird von Fluggesellschaften aus dem Mittleren Osten und Europa dominiert, die mit ihren großen Hubs und modernen Flotten einen Großteil des Verkehrs bedienen. Die Vision einer starken afrikanischen Airline, die global konkurrenzfähig ist, bleibt daher vorerst ein ferner Traum.
Gleichzeitig ist der Rückzug von SAA ein Signal dafür, daß die Südafrikanische Fluggesellschaft ihre eigene Sanierung und strategische Neuausrichtung priorisiert. Die Konzentration auf interne Reformen anstatt auf risikoreiche Allianzen könnte als notwendiger Schritt zur Stabilisierung des Unternehmens gesehen werden, das in den letzten Jahren wiederholt mit finanziellen und operativen Problemen zu kämpfen hatte.
Das Scheitern des Vorhabens zwischen SAA und Kenya Airways verdeutlicht die tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen, die der Etablierung einer erfolgreichen panafrikanischen Airline-Gruppe entgegenstehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Anstrengungen von Kenya Airways, neue Partner zu finden, Früchte tragen werden und ob die Vision einer integrierten afrikanischen Luftfahrt eines Tages Realität wird. Bis dahin bleiben die einzelnen nationalen Airlines in einem intensiven Wettbewerbsumfeld, in dem Effizienz und strategische Klarheit von entscheidender Bedeutung sind.