Die US-amerikanische Fluggesellschaft Southwest Airlines und die asiatische Premium-Fluglinie Singapore Airlines haben den Abschluss einer weitreichenden weltweiten Interline-Partnerschaft bekannt gegeben. Die Vereinbarung wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung des internationalen Luftverkehrsverbandes Iata in Rio de Janeiro besiegelt.
Durch diese Kooperation verknüpfen beide Fluggesellschaften ihre Streckennetze, wodurch Passagiere ab sofort Zugriff auf mehr als 130 Destinationen weltweit erhalten. Die operative Abwicklung der Passagierströme wird über die drei bedeutenden US-amerikanischen Westküstendrehkreuze Los Angeles, San Francisco und Seattle realisiert. Für Southwest Airlines, die historisch fast ausschließlich auf den nordamerikanischen Inlandsmarkt sowie auf Kurzstrecken in die Karibik fokussiert war, markiert diese Allianz einen fundamentalen Meilenstein in der fortschreitenden Transformation ihrer Netzwerkstrategie. Da das Unternehmen keine eigene Langstreckenflotte betreibt, ermöglicht das Abkommen die Erschließung globaler Märkte ohne kapitalintensive Investitionen in neues Fluggerät. Singapore Airlines wiederum gewinnt durch den Vertrag einen direkten Zugang zum dichtesten Inlandsnetz der Vereinigten Staaten und stärkt damit ihre Wettbewerbsposition im transpazifischen Linienverkehr.
Die operationelle Funktionsweise des Interline-Abkommens und die Buchungswege
Im Gegensatz zu tiefergehenden Codeshare-Vereinbarungen, bei denen eine Fluggesellschaft Plätze auf den Flügen eines Partners unter eigener Flugnummer direkt vertreibt, regelt das nun geschlossene Interline-Abkommen die grundlegende operative Zusammenarbeit bei der Abfertigung von Passagieren und Gepäckstücken. Reisende können fortan komplexe, fluglinienübergreifende Flugpläne auf einem einzigen Ticket buchen. Das Reisegepäck wird am Abflughafen direkt bis zum endgültigen Zielflughafen auf dem jeweils anderen Kontinent durchgecheckt, was den Umsteigeprozess an den stark frequentierten Drehkreuzen an der US-Westküste erheblich vereinfacht. Die Buchung dieser kombinierten Routen ist in der ersten Phase der Kooperation über die digitalen Vertriebskanäle von Singapore Airlines möglich, wobei eine Ausweitung auf die Systeme von Southwest Airlines für spätere Projektphasen vereinbart wurde.
An den drei ausgewählten Transitflughäfen Los Angeles International Airport, San Francisco International Airport und Seattle-Tacoma International Airport treffen die Interkontinentalflüge von Singapore Airlines auf ein dichtes Frequenznetz von Southwest Airlines. Internationale Fluggäste aus Asien, Europa, Afrika, Australien und dem südpazifischen Raum können so ohne erneuten Check-in der Gepäckstücke zu Dutzenden Sekundärzielen und regionalen Wirtschaftsräumen in den Vereinigten Staaten weiterreisen. Viele dieser Destinationen werden von den klassischen europäischen und asiatischen Netzwerk-Carrieren aufgrund zu geringer Kapazitäten auf den Hauptstrecken nicht direkt bedient, wodurch Southwest Airlines eine strategische Zubringerfunktion übernimmt, die sowohl für den privaten Reiseverkehr als auch für Geschäftsreisen neue Kapazitäten öffnet.
Die strategische Transformation von Southwest Airlines im globalen Wettbewerb
Der Abschluss mit Singapore Airlines ist kein isoliertes Ereignis, sondern fügt sich nahtlos in eine konsequente Neuausrichtung der in Dallas ansässigen Fluggesellschaft ein. Southwest Airlines reagiert mit dieser Strategie auf den gestiegenen wirtschaftlichen Druck im amerikanischen Heimatmarkt, der durch veränderte Kostenstrukturen und einen intensiven Wettbewerb unter den Inlandsanbietern geprägt ist. Das Management hat in den vergangenen zwölf Monaten das Tempo bei der Internationalisierung drastisch erhöht. Das Abkommen mit der Fluggesellschaft aus dem Stadtstaat Singapur stellt bereits die achte Interline-Partnerschaft im Portfolio von Southwest dar. Allein im vergangenen Geschäftsjahr wurden vier dieser strategischen Abkommen unterzeichnet, darunter Verträge mit All Nippon Airways, China Airlines und dem deutschen Ferienflieger Condor.
Ergänzt wird dieses Partnernetzwerk durch bestehende Abkommen mit Eva Air, Icelandair, Philippine Airlines und Turkish Airlines. Durch dieses globale Geflecht ist Southwest Airlines in der Lage, ihren Kunden ein weltumspannendes Streckennetz anzubieten, ohne die Risiken operieren zu müssen, die mit dem Betrieb einer eigenen Langstreckenflotte aus Großraumflugzeugen verbunden sind. Die Fluggesellschaft behält ihr standardisiertes Flottenmodell bei, das ausschließlich aus verschiedenen Varianten der Boeing 737 besteht, und minimiert so die betrieblichen Wartungs- und Schulungskosten. Der Chief Operating Officer von Southwest Airlines, Andrew Watterson, bezeichnete das Abkommen als einen entscheidenden Schritt, um den Kunden nahtlose Ein-Ticket-Reisen zwischen den Vereinigten Staaten und den globalen Märkten in Fernost und Europa zu ermöglichen.
Marktvorteile für Singapore Airlines und die künftige Entwicklung des Bündnisses
Für Singapore Airlines bietet die Partnerschaft erhebliche strategische Vorteile auf dem hart umkämpften nordamerikanischen Markt. Bislang war die Fluggesellschaft bei der Weiterleitung ihrer Passagiere im Landesinneren der USA stark auf die Partner der Star Alliance angewiesen. Die Kooperation mit Southwest Airlines öffnet nun den Zugang zu hunderten täglichen Abflügen abseits der klassischen Hubs. Insbesondere die starke Präsenz von Southwest an sekundären Verkehrsflughäfen und in touristischen Regionen im Süden und Westen der USA erlaubt es Singapore Airlines, maßgeschneiderte Reiseprodukte anzubieten, die von der Konkurrenz aus dem Nahen Osten oder Europa nicht in dieser Dichte bedient werden können. Dies erhöht die Auslastung der transpazifischen Ultralangstreckenflüge, die Singapore Airlines unter anderem mit Großraumflugzeugen des Typs Airbus A35-900 Ultra-Long-Range durchführt.
Die beiden Fluggesellschaften ließen durchblicken, dass die aktuelle Vereinbarung die Basis für eine schrittweise Vertiefung der Zusammenarbeit darstellt. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass nach einer erfolgreichen Stabilisierung der operativen Prozesse an den Flughäfen der Westküste auch eine Integration der jeweiligen Vielfliegerprogramme geprüft werden könnte. Southwest Airlines signalisierte zudem, dass die Suche nach weiteren internationalen Partnern für den transpazifischen und transatlantischen Luftverkehr fortgesetzt wird. Sollten in den kommenden Monaten weitere Abkommen dieser Art geschlossen werden, dürfte sich die Marktstruktur im amerikanischen Zubringerverkehr nachhaltig verschieben, da Southwest Airlines zunehmend als globaler Netzwerkakteur auftritt, ohne ihr bewährtes, effizientes Punkt-zu-Punkt-Modell im Inland aufzugeben.