Airbus A321 (Foto: Randolph Rojas/Unsplash).
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Spirit Airlines: Finanzielle Schwierigkeiten und der Weg aus der Insolvenz

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Spirit Airlines hat in einer umfassenden Mitteilung die Ergebnisse des vierten Quartals 2024 sowie die Jahresergebnisse für 2024 veröffentlicht. Trotz des scheinbar vielversprechenden Plans, das Unternehmen nach der beendeten Insolvenz unter neuen Vorzeichen neu zu positionieren, hat die Airline einen erheblichen finanziellen Rückschlag erlitten. Die Airline, die sich derzeit im Rahmen eines Chapter-11-Insolvenzverfahrens befindet, wies für das Jahr 2024 einen Nettoverlust von 1,2 Milliarden US-Dollar aus. Trotz dieser massiven Verluste bleibt das Unternehmen zuversichtlich, seinen Sanierungsplan erfolgreich umzusetzen und sich im Markt für Premium-Freizeitreisen als eigenständige Fluggesellschaft zu etablieren.

Spirit Airlines konnte im Jahr 2024 die hohen Verluste, die durch steigende Betriebskosten und andere Faktoren verursacht wurden, nicht abwenden. Der Verlust vor Steuern belief sich auf 1,28 Milliarden US-Dollar, was vor allem auf „höhere Betriebsausgaben, einschließlich der Verluste aus der Veräußern von Vermögenswerten, Flugzeugmietkosten und Gehalts- sowie Sozialaufwendungen im Vergleich zum Vorjahr“ zurückzuführen ist, wie das Unternehmen in seiner Pressemitteilung erklärte. Eine positive Entwicklung gab es jedoch im Bereich der Treibstoffkosten: Diese fielen im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent, was die höheren Betriebskosten in gewissem Maße ausglich.

Nicht nur operative Ausgaben, sondern auch nicht-betriebliche Aufwendungen, wie Kosten im Zusammenhang mit der Reorganisation sowie Zinsen, belasteten das Ergebnis weiter. Darüber hinaus trugen sinkende Betriebserträge durch einen Rückgang der Verkehrszahlen und der Kapazitäten bei. Die Zahl der Passagierkilometer (Revenue Passenger Miles, RPM) sank um 3,5 Prozent, während die Kapazität um 4,8 Prozent zurückging. Auch die durchschnittlichen Erträge pro Sitzplatzkilometer (Yield) verringerten sich um 5,1 Prozent, was die schwierige finanzielle Lage der Airline weiter verstärkte.

Trotz dieser negativen Ergebnisse konnte Spirit Airlines sein Barguthaben am Ende des vierten Quartals 2024 auf 902,1 Millionen US-Dollar erhöhen, was im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg von 36,8 Millionen US-Dollar darstellt. Dieses Polster soll helfen, die Fluggesellschaft auf ihrem Weg aus der Insolvenz zu stabilisieren.

Probleme im operativen Bereich

Wie viele andere Billigfluggesellschaften hatte auch Spirit Airlines im Jahr 2024 mit einer Reihe operativer Herausforderungen zu kämpfen. Insbesondere die Kapazität, gemessen an den verfügbaren Sitzplatzkilometern (ASM), verringerten sich um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der Abflüge der Airline sank um 3,3 Prozent. Dies spiegelte die allgemeinen Herausforderungen in der Luftfahrtbranche wider, bei denen viele Gesellschaften ihre Netzwerke überdenken mussten, um unrentable Kapazitäten abzubauen.

Spirit Airlines reagierte auf diese Marktentwicklungen mit einer Anpassung seines Streckennetzes, um unprofitable Verbindungen zu vermeiden und gleichzeitig die Rentabilität zu steigern. Trotz dieser Bemühungen sank der durchschnittliche Umsatz pro Sitzplatzkilometer (TRASM) um 3,7 Prozent, was die Problematik weiter verdeutlicht. Ein signifikanter Anstieg der Betriebskosten (Cost per Available Seat Mile, CASM) um 7,9 Prozent belastete zusätzlich das Geschäft.

Ein großer Kostenfaktor für die Fluggesellschaft waren die Mietkosten für Flugzeuge. Im Jahr 2024 stiegen diese Mietkosten auf 8,9 Prozent der gesamten Betriebskosten, verglichen mit 6,4 Prozent im Jahr 2023. Dies war vor allem auf die zunehmende Zahl von Flugzeugen zurückzuführen, die unter Operating Leases finanziert wurden. Diese Entwicklung führte zu einer Erhöhung der Flugzeugmietkosten, was die Gesamtbilanz von Spirit Airlines weiter belastete.

Ein weiteres Problem war der Ausfall von Airbus A320neo- und A321neo-Flugzeugen, die aufgrund von Materialfehlern in bestimmten Triebwerken, die von Pratt & Whitney zwischen dem vierten Quartal 2015 und dem dritten Quartal 2021 hergestellt wurden, aus dem Betrieb genommen werden mussten. Pratt & Whitney stellte für diese Ausfälle im Jahr 2024 rund 150,6 Millionen US-Dollar in Form von Gutschriften zur Verfügung, was als Reduzierung des Kaufpreises für Wartungs- und Ersatzteildienste verbucht wurde. Dies verschaffte Spirit Airlines inmitten der Krise eine gewisse Entlastung, konnte jedoch die bestehenden Probleme nicht vollständig kompensieren.

Die Insolvenz und die Sanierungspläne

Im November 2024 meldete Spirit Airlines Insolvenz nach Chapter 11 an, um sich durch ein Umstrukturierungsverfahren zu stabilisieren. Das Unternehmen erklärte, dass es nach Abschluss der Insolvenz als eigenständige Fluggesellschaft im Premium-Freizeitmarkt agieren wolle. Im Rahmen des Insolvenzplans wird das Unternehmen auch eine umfassende Neubesetzung des Vorstands vornehmen. Der neue Vorstand wird aus sieben Direktoren bestehen, von denen sechs nicht zuvor dem bisherigen Vorstand angehörten. Diese Neubesetzung soll sicherstellen, dass die Fluggesellschaft mit frischen Ideen und einer neuen Perspektive aus der Insolvenz hervorgeht.

Die Umsetzung des Plans könnte Spirit Airlines langfristig stabilisieren und das Unternehmen in die Lage versetzen, die Insolvenz hinter sich zu lassen und neue Marktchancen zu nutzen. Allerdings warnte die Fluggesellschaft auch vor den Risiken dieses Plans. Die Beziehungen zu Gläubigern, Mitarbeitern, Kunden und anderen wichtigen Interessengruppen könnten durch den Insolvenzantrag belastet werden, was die zukünftige Geschäftsentwicklung weiter erschwert.

Ausblick und Herausforderungen

Während Spirit Airlines optimistisch auf seine Zukunft blickt, bleibt die Situation angespannt. Die Airline wird auch weiterhin mit Herausforderungen im Bereich der Kostensenkung und Kapazitätsplanung konfrontiert sein. Die weiteren Schritte des Unternehmens werden entscheidend dafür sein, ob es gelingt, aus der Insolvenz herauszukommen und sich langfristig zu behaupten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Fluggesellschaft die notwendige Stabilität erreichen kann, um im hart umkämpften Markt der Billigfluggesellschaften und Premium-Dienstleistungen zu bestehen.

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