Die amerikanische Billigfluggesellschaft Spirit Airlines hat zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts gestellt. Die erneute Schieflage des Unternehmens ist ein prägnantes Signal für die anhaltenden Schwierigkeiten, mit denen der Ultra-Low-Cost-Markt in den Vereinigten Staaten kämpft.
Die Insolvenz wurde Berichten zufolge durch den Rückzug des grossen Flugzeugvermieters AerCap aus einem entscheidenden Flottendeal ausgelöst, was die angespannte Finanzlage von Spirit Airlines weiter verschlimmerte. Während der Flugbetrieb unter Chapter 11 weiterlaufen soll, laufen im Hintergrund bereits Spekulationen über eine mögliche Notübernahme durch einen früheren Interessenten, Frontier Airlines.
Finanzielle Schieflage und Buchungsflaute: Die Gründe für die erneute Insolvenz
Die erneute Insolvenzanmeldung von Spirit Airlines ist das Resultat einer Kombination aus betrieblichen und finanziellen Problemen. Seit dem ersten Gläubigerschutzantrag im November 2024 ist es der Fluggesellschaft nicht gelungen, eine dauerhafte Sanierungzu erreichen. DasGeschäftsmodellvon **Spirit Airlines**, das aufextrem niedrige Basispreiseundzusätzliche Gebühren (Ancillary Revenue) setzt, geriet in den letzten Monaten unter enormen Druck. Das Kernsegmentdergünstigen Privatreisensah sich einerBuchungsflautegegenüber, die auch andereULCCsbetraf. DiePassagierezeigten sichpreissensibler, während die Wettbewerber, darunter auch die grossen Netzwerk-Airlines, mit aggressiven Preiskampagnenauf denMarkt` drängten.
Die sinkenden Einnahmen führten zu schwerwiegenden Refinanzierungsproblemen. Spirit Airlines geriet in Zahlungsschwierigkeiten und sah sich mit wachsendem Misstrauen der Gläubiger konfrontiert. Ein kritischer Punkt war, als Kreditkartenunternehmen, die einen Grossteil der Ticketeinnahmen verwalten, von der Fluggesellschaft zusätzliche Sicherheiten einforderten. Diese Forderung ist in der Luftfahrtbranche ein deutliches Warnsignal und ein Zeichen für schwindendes Vertrauen in die finanzielle Stabilität eines Unternehmens. Es wurde zunehmend unklar, ob Spirit Airlines in der Lage sein würde, die anstehenden Verpflichtungen zu erfüllen.
AerCap zieht sich zurück: Der Flottendeal als Tropfen auf den heissen Stein
Der unmittelbare Auslöser für die zweite Insolvenz war der Ausstieg des weltweit grössten Flugzeugvermieters AerCap aus einem entscheidenden Flottendeal. Im Jahr 2024 hatte Spirit Airlines 36 Bestellungen für Airbus A320neo-Flugzeuge an AerCap abgetreten. Im Gegenzug übernahm AerCap die Vorauszahlungen an Airbus für die Maschinen, die in den Jahren 2027 und 2028 ausgeliefert werden und dann von Spirit geleast werden sollten. Diese Transaktion verschaffte Spirit Airlines damals dringend benötigte Liquidität.
Die Beziehung zerbrach jedoch am 25. August, als AerCap der Fluggesellschaft eine sogenannte „Notice of Default“ zukommen liess. Mit dieser Fristsetzung erklärte AerCap den Vertrag für beendet und forderte eine Leasing-Beendigungsgebühr von 2,1 Millionen Dollar für jedes der 36 Flugzeuge. Diese Forderung beläuft sich auf insgesamt 75,6 Millionen US-Dollar und wurde laut AerCap gemäss Vertragsbedingungen sofort fällig. Dieser drastische Schritt eines Schlüsselpartners sendet ein verheerendes Signal an den Finanzmarkt. Obwohl Spirit Airlines die Rechtmässigkeit der Kündigung anzweifelt und rechtlich dagegen vorgehen will, steht das Unternehmen nun einer gewaltigen Forderung gegenüber, die seine ohnehin fragile Liquidität weiter belastet.
Zusätzlich zu den zukünftigen Flugzeugen soll AerCap Spirit Airlines auch bei 37 bereits geleasten Maschinen in Vertragsverzug sehen. Obwohl diesbezüglich noch keine weiteren Schritte unternommen wurden, zeigt dies die Tiefe der Vertrauenskrise zwischen der Fluggesellschaft und ihrem grössten Leasinggeber.
Das Rettungsboot Frontier? Die Saga der Übernahmegespräche
Die erneute Insolvenz wirft auch die Frage nach einer Übernahme auf, die die Fluggesellschaft vor dem endgültigen Aus bewahren könnte. Bloomberg berichtet von neuen Kontakten zwischen Spirit Airlines und Frontier Airlines, die kurz vor dem Gläubigerschutzantrag aufgenommen wurden. Diese Entwicklung ist nicht neu. Im Jahr 2022 lieferten sich Frontier Airlines und JetBlue Airways einen erbitterten Bieterkrieg um Spirit, den JetBlue mit einem Angebot von 3,8 Milliarden US-Dollar gewann. Die geplante Fusion scheiterte jedoch 2024 kläglich an den US-Kartellbehörden, die Bedenken wegen einer drohenden Monopolisierung und einer Einschränkung des Wettbewerbs äusserten.
Seit dem Scheitern der Übernahme durch JetBlue steckte Spirit Airlines betrieblich und finanziell in der Klemme. Die Rückkehr von Frontier als potentieller Käufer ist daher nicht überraschend. Beide Airlines verfolgen ein ähnliches Geschäftsmodell, betreiben eine weitgehend einheitliche Airbus-Flotte und bedienen ein ähnliches Passagiersegment. Eine Fusion würde zu erheblichen Synergien führen, die Frontier eine starke Position im US-Low-Cost-Markt verschaffen könnten. Die Kartellbehörden könnten einer solchen Fusion wohlwollender gegenüberstehen, da die Geschäftsmodelle der beiden Airlines ähnlich sind, im Gegensatz zur geplanten Fusion zwischen JetBlue und Spirit, die eine Konvergenz zweier unterschiedlicher Modelle dargestellt hätte.
Sanierung unter Kapitel 11: Was Insolvenz im Flugbetrieb bedeutet
Für die Passagiere bedeutet der erneute Insolvenzantrag zunächst, daß der Flugbetrieb normal weiterläuft. Das US-Insolvenzrecht unter Kapitel 11 wurde geschaffen, um Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich zu restrukturieren, ohne sofort den Betrieb einstellen zu müssen. Spirit Airlines plant, die Vorteile des Insolvenzrechts zu nutzen, um die Betriebskosten zu senken, das Flugnetz zu optimieren und die Flotte zu verkleinern. Diese Massnahmen zielen darauf ab, das Unternehmen wieder rentabel zu machen und es auf langfristige Stabilität auszurichten.
Die Restrukturierung kann zu harten Einschnitten führen, einschliesslich der Neuverhandlung von Leasingverträgen und Arbeitsverträgen. Es bleibt abzuwarten, welche konkreten Auswirkungen die Sanierung auf die Mitarbeiter und die Kunden haben wird. Der erste Gläubigerschutzantraghat diefundamentalen ProblemedesGeschäftsmodellsvon **Spirit Airlines** nichtnachhaltiggelöst. Derzweite Anlaufist einletzter Versuch, das Ruder herumzureissen`.
Die zweite Insolvenzanmeldung von Spirit Airlines ist mehr als nur eine juristische Formalität. Sie ist ein offenbarter Beweis für die strukturellen Schwächen in der Finanzierung und der betrieblichen Führung des Unternehmens. Das Vertrauen der Schlüsselpartner, wie AerCap, ist erodiert, und die Aussichten auf eine selbständige Erholung sind gering. Die Zukunft von Spirit Airlines hängt nun entscheidend davon ab, ob die Sanierung unter Kapitel 11 erfolgreich verläuft oder ob eine Übernahme durch Frontier Airlines Zukunftsperspektiven eröffnet. Das Schicksal des Low-Cost-Pioniers wird genauestens beobachtet werden, da es wichtige Erkenntnisse über die Dynamik und die Herausforderungen im amerikanischen Luftverkehrsmarkt liefert.