Die schleswig-holsteinische Stadt Norderstedt hat den Erwerb eines sechsetagigen Bürokomplexes am Schützenwall 1 vollzogen. Die Immobilie, die über drei Jahrzehnte von der IT-Tochtergesellschaft Lufthansa Industry Solutions genutzt wurde und zuletzt leer stand, geht für eine Kaufsumme von etwas über 30 Millionen Euro in den Besitz der Kommune über.
Der Verkauf wurde von einem französischen Immobilienfonds, dem Advenis-Fonds SCPI Eurovalys, abgewickelt und durch ein externes Maklerunternehmen beraten. Das IT-Unternehmen des Lufthansa-Konzerns hatte den Standort Garstedt bereits im vergangenen Jahr geräumt, um neu angemietete Flächen in direkter Nähe zum Hamburger Flughafen zu beziehen.
In das ehemalige Bürogebäude sollen künftig rund 500 Mitarbeiter der Stadtverwaltung einziehen. Die Verlegung der administrativen Einheiten wird notwendig, da das bisherige Rathaus im Stadtteil Norderstedt-Mitte erhebliche bauliche Mängel aufweist. Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Kommune ergaben, dass eine umfassende Sanierung des maroden Altbaus sowie die Anpassung an aktuelle Brandschutzauflagen Kosten in Höhe von rund 70 Millionen Euro verursacht hätte. Mit dem Ankauf der Bestandsimmobilie am Schützenwall versucht die Stadtverwaltung, die finanzielle Belastung für den kommunalen Haushalt im Vergleich zu einer Kernsanierung zu senken.
Das Vorhaben stieß in den lokalen politischen Gremien im Vorfeld auf eine detaillierte Prüfung. Der Hauptausschuss der Stadt hatte den Umzugsplänen nach Vorlage einer Standortstudie zugestimmt, da sich das Gewerbeobjekt in einem betriebsbereiten Zustand befindet. Dennoch wird die Verlegung der Verwaltung von Teilen der Kommunalpolitik kritisch begleitet. Oppositionelle Stimmen verweisen darauf, dass das historische Rathaus im Zentrum ein wichtiger Anlaufpunkt für die Bürgerstrukturen ist. Es wird gefordert, dass die Verlegung an den Schützenwall im Stadtteil Harksheide transparent geplant wird und langfristig Konzepte für eine spätere Teilrückkehr von publikumsintensiven Dienststellen in das Stadtzentrum geprüft werden, um die Erreichbarkeit der Behörden nicht dauerhaft zu beeinträchtigen.