Nach dem Absturz eines UPS-Frachtflugzeugs vom Typ MD-11 Anfang November hält das Startverbot für die gesamte Flugzeugfamilie voraussichtlich noch Monate an. Die Betreiber großer Paketdienste wie UPS und FedEx sehen sich gezwungen, mitten in der Hochsaison für Paketzustellungen auf alternative Transportkapazitäten umzusteigen. Laut mit dem Vorgang vertrauten Kreisen werden die zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs notwendigen Inspektionsrichtlinien voraussichtlich erst im kommenden Jahr von Boeing und der US-Luftfahrtbehörde FAA veröffentlicht.
Der Absturz am 4. November, bei dem 14 Menschen ums Leben kamen, wird von der nationalen Transportsicherheitsbehörde NTSB untersucht. Ein erster Zwischenbericht der NTSB identifizierte Ermüdungsrisse am linken Triebwerkspylon als eine Ursache, was auf Materialermüdung hindeutet. Die NTSB-Vorsitzende Jennifer Homendy bestätigte, dass noch umfangreiche Laborarbeiten an den sichergestellten Wrackteilen nötig seien, bevor endgültige Inspektionskriterien festgelegt werden können. Entgegen früheren Erwartungen, dass Inspektionen „in den kommenden Tagen“ beginnen würden, stellte sich nun heraus, dass umfassendere und invasivere Inspektionen sowie Reparaturen und Teileaustausch erforderlich sind.
Dieses Grounding trifft die Paketdienst-Riesen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da sich das durchschnittliche tägliche Paketvolumen während der Feiertagssaison oft verdoppelt. UPS und FedEx, die jeweils etwas mehr als 50 MD-11-Jets in ihren Flotten zählen, müssen den Wegfall dieser Kapazitäten kompensieren. UPS least derzeit mehr Flugzeuge als üblich, während FedEx auf Reservemaschinen und Fremdcharterkapazitäten zurückgreift.
Die Situation zwingt auch kleinere Frachtflieger wie Western Global Airlines, deren Flotte größtenteils aus MD-11-Maschinen besteht, zu weitreichenden Maßnahmen, wie der Beurlaubung von Piloten. Die Verzögerung bei der Festlegung von Inspektionsrichtlinien durch Boeing, das das MD-11-Programm 1997 von McDonnell Douglas übernommen hatte, zeigt die Komplexität der notwendigen Sicherheitsüberprüfung.