Swiss International Air Lines, ein zentrales Mitglied der Lufthansa Group und die Flaggschiff-Fluggesellschaft der Schweiz, hat mit der Übernahme und Inbetriebnahme ihres ersten Airbus A350-900 eine neue Ära in ihrem Langstreckenbetrieb eingeläutet. Der mit dem Namen Lausanne versehene Widebody, der am 25. Oktober 2025 seinen Erstflug von Zürich nach Palma de Mallorca absolvierte, ist das erste von insgesamt zehn bestellten Exemplaren.
Die A350-Beschaffung ist das Kernstück einer umfassenden Flottenerneuerung, die nicht nur die operative Effizienz steigern soll, sondern auch ein völlig neues Passagiererlebnis durch die Einführung der neuen Swiss Senses Kabine mit sich bringt. Diese strategische Investition unterstreicht den Anspruch von Swiss, ihre Position im globalen Premium-Segment zu festigen und ihre Langstreckenkapazitäten zukunftssicher zu gestalten. Die ersten Wochen dienen primär der Crew-Schulung auf europäischen Strecken, bevor der Jet im November seinen transatlantischen Dienst aufnehmen wird.
Die Ablösung der alternden Langstreckenflotte
Die Ankunft des Airbus A350-900 markiert den Beginn eines strategisch wichtigen Ablösungsprozesses in der Langstreckenflotte von Swiss. Ziel ist es, die älteren, vierstrahligen Flugzeuge sukzessive aus dem Verkehr zu ziehen.
Effizienzgewinn und Generationswechsel
Der A350-900 ist primär als direkter Ersatz für die Airbus A340-300 Maschinen vorgesehen. Aktuell betreibt Swiss vier dieser vierstrahligen Flugzeuge, die im Durchschnitt ein Alter von 22 Jahren aufweisen. Der Generationswechsel vom A340, einem Flugzeugmuster älterer Bauart, hin zum hochmodernen zweistrahligen A350 wird zu einer deutlichen Steigerung der operativen Kennzahlen führen. Die Reduzierung des Treibstoffverbrauchs pro Passagierplatz und die Reduktion von Lärmemissionen stellen einen signifikanten Wettbewerbsvorteil im hart umkämpften internationalen Luftverkehr dar.
Ausbau des A350-Programms
Swiss hatte ihren Plan zur A350-Beschaffung ursprünglich bereits 2019 bekannt gegeben, mit konkreten Bestellungen für fünf Einheiten im Jahr 2022 und einer Aufstockung um weitere fünf im Jahr 2023. Die verbleibenden Flugzeuge der ersten Charge sollen sukzessive bis Ende 2026 in die Flotte integriert werden. Die Auslieferung der zweiten Tranche ist für den Zeitraum zwischen 2027 und 2031 geplant. Die Gesamtflotte von Swiss umfasst derzeit 14 Airbus A330-300 und 12 Boeing 777-300ER, wobei der A350 in Zukunft eine zentrale Rolle im Langstreckenbetrieb spielen wird.
Die Entscheidung für den A350 ist auch eine Entscheidung für ein Flugzeugprogramm, das sich global durchgesetzt hat: Der europäische Hersteller Airbus konnte für den A350-Typ mehr als 1.400 Bestellungen verzeichnen, und über 45 Fluggesellschaften nutzen diesen Widebody bereits erfolgreich.
Das Debüt der Swiss Senses Kabinengeneration
Mit der Indienststellung des ersten A350-900 präsentiert Swiss ihre vollständig neu gestaltete Kabinenausstattung unter dem Namen Swiss Senses. Diese neue Kabine, deren Konzept bereits im März 2023 vorgestellt wurde, soll das Langstreckenerlebnis der Airline definieren und ist ein wichtiger Bestandteil der breiter angelegten Strategie der Lufthansa Group zur Angleichung und Anhebung der Premium-Standards konzernweit. Swiss Senses stellt dabei die schweizerische Adaption des Lufthansa Allegris Kabinendesigns dar.
Vierklassen-Konfiguration
Der A350 ist in einer Vierklassen-Konfiguration für insgesamt 242 Passagiere eingerichtet. Die Anordnung der Sitze ist strategisch auf den Premium-Markt ausgerichtet:
- First Class Suiten: Vier vollständig geschlossene Suiten mit Schiebetüren. Die Ausstattung umfasst Annehmlichkeiten wie eine persönliche Garderobe, Sitzheizungs- und Kühlfunktionen sowie eine drahtlose Ladestation. Ein großes Display erstreckt sich fast über die gesamte Breite der Suite.
- Business Class: 45 Sitze in einer 1-2-1-Anordnung, die allen Passagieren direkten Gangzugang garantiert. Auch hier sind Heiz- und Kühloptionen sowie drahtloses Laden integriert. Die Liegebetten messen zwischen 2,0 und 2,2 Meter.
- Premium Economy: 38 Recliner-Sitze in einer 2-3-2-Konfiguration.
- Economy Class: 156 Sitze in der branchenüblichen 3-3-3-Anordnung.
Diese Produktverbesserung wird zunächst exklusiv in den A350-Flugzeugen angeboten und anschließend schrittweise in die bestehenden A330- und B777-Flotten integriert. Die Neugestaltung der Kabine wird von Swiss als Flaggschiff für den Langstreckenverkehr betrachtet, das den Passagieren ein modernes und komfortables Flugerlebnis verspricht.
Übergangsbetrieb und Langstrecken-Markteinführung
Die Einführung eines neuen Flugzeugtyps, insbesondere eines Großraumjets, erfordert umfassende technische und operationelle Vorbereitung. Aus diesem Grund wird der A350 zunächst auf kürzeren Strecken innerhalb Europas eingesetzt, bevor er seinen regulären interkontinentalen Dienst beginnt.
Schulungsflüge auf dem Kontinent
Der Erstflug nach Palma de Mallorca am 25. Oktober 2025 mit der Flugnummer LX2152 und 233 Passagieren an Bord war der Auftakt einer mehrmonatigen Phase zur Crew-Familiarisierung. Bis zum Ende der nördlichen Wintersaison im März 2026 ist der A350 auf Linienflügen zu sechs europäischen Zielen eingeplant: Neben Palma de Mallorca und Malaga werden auch Prag (mit 96 Flügen), Düsseldorf, Hannover und ein Einzelflug nach Genf bedient. Diese Flüge ermöglichen es Piloten und Kabinenbesatzungen, operative Verfahren unter realen Bedingungen zu trainieren. Während dieser Zeit sind die First Class Suiten noch nicht buchbar, und die Premium Economy wird mit erweitertem Sitzabstand in der Economy Class angeboten.
Transatlantischer Dienst beginnt
Der volle Langstreckenbetrieb mit der kompletten Swiss Senses Erfahrung, einschließlich der First Class Suiten, beginnt am 20. November 2025. Als erste transatlantische Destination wird Boston angeflogen, mit vier wöchentlichen Umläufen. Der zweite Langstreckenmarkt folgt am 23. Februar 2026 mit täglichen Flügen nach Montreal, die bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März laufen.
Die gezielte Einführung auf diesen Nordamerika-Routen spiegelt die Bedeutung des transatlantischen Marktes für Swiss wider. Die Planung für das Sommerprogramm 2026 steht noch aus, doch es ist davon auszugehen, dass weitere Langstreckenverbindungen sukzessive auf den A350 umgestellt werden, um die volle Leistungsfähigkeit und die neue Produktqualität der Flotte auszuschöpfen. Der Chief Operating Officer von Swiss, Oliver Buchhofer, hob die Bedeutung dieses Moments hervor und betonte die sorgfältige Vorbereitung aller Mitarbeiter am Boden und in der Luft für einen sicheren und zuverlässigen Start.