Ein wilder Streik der Mitarbeiter des Bodenabfertigungsdienstleisters Aviapartner hat am Montagmorgen, dem 15. Juni, den Flugbetrieb am Flughafen Brüssel-Zaventem erheblich beeinträchtigt.
Die unangekündigte Arbeitsniederlegung begann in den frühen Morgenstunden zwischen 03:30 Uhr und 04:00 Uhr und führte im Laufe des Vormittags zu Verzögerungen bei rund 15 Flügen. Die betroffenen Verbindungen verzeichneten Verspätungen von einer bis zu zwei Stunden. Da die Angestellten von Aviapartner unter anderem für die Gepäckabwicklung und die Schalterdienste zuständig sind, kam es in den Terminals des größten belgischen Verkehrsflughafens zu langen Warteschlangen für die abreisenden Passagiere.
Die genauen Hintergründe und konkreten Forderungen der Belegschaft für diesen plötzlichen Ausstand blieben zunächst unklar, da keine offizielle Streikankündigung der Gewerkschaften vorlag. In der Vergangenheit kam es bei dem Dienstleister Aviapartner auf den belgischen Flughäfen jedoch wiederholt zu sozialen Spannungen und Arbeitskämpfen, die meistens im Zusammenhang mit der Arbeitsbelastung, der Personalausstattung oder den Schichtplänen während der reisestarken Sommermonate standen. Die Betreibergesellschaft des Flughafens Brüssel bedauerte die Unannehmlichkeiten für die Fluggäste öffentlich und riet allen Reisenden dringend dazu, deutlich mehr Zeit als üblich für den Check-in und die Sicherheitskontrollen einzuplanen.
Die Auswirkungen des Arbeitskampfes trafen die Fluggesellschaften am Standort in unterschiedlichem Ausmaß. Zu den betroffenen Fluglinien, die ihre Bodenabfertigung über Aviapartner abwickeln, gehören unter anderem TUI fly, Ryanair, Iberia und British Airways. Hingegen blieb der Flugplan der größten Fluggesellschaft am Kreuzkreuz Brüssel, der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines, von den aktuellen Störungen komplett unberührt. Die nationale Fluggesellschaft Belgiens nutzt für ihre Passagierabfertigung und Flugzeugabfertigung die Dienste des konkurrierenden Bodenabfertigers Alyzia, dessen Personal regulär die Arbeit versah.
Der Vorfall verdeutlicht die Anfälligkeit des europäischen Luftverkehrssystems zu Beginn der sommerlichen Hauptreisezeit, wenn die Abfertigungskapazitäten an den großen Drehkreuzen ohnehin an ihren Grenzen arbeiten. Der Flughafen Brüssel und die betroffenen Fluggesellschaften bemühten sich im Laufe des Tages, zusätzliche Kapazitäten zu mobilisieren, um die Rückstände bei der Gepäcksortierung aufzuholen. Da Aviapartner an mehreren europäischen Flughäfen aktiv ist, beobachten Branchenanalysten die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen bei dem Unternehmen genau, um mögliche Auswirkungen auf andere Standorte frühzeitig abschätzen zu können.