Ein aktueller Bericht des französischen Senators Vincent Capo-Canellas zur Lage des nationalen Flugsicherungsdienstes DSNA sorgt für erhebliche Diskussionen in der europäischen Luftfahrtbranche.
Die Untersuchung bestätigt gravierende Missstände bei der Organisation des französischen Luftraums, der als zentrales Überflugland für den kontinentalen Flugverkehr gilt. Demnach leidet die Behörde unter chronischem Personalmangel, einer im europäischen Vergleich unterdurchschnittlichen Produktivität und erheblichen Verzögerungen bei der Modernisierung der technischen Infrastruktur. Wichtige IT-Projekte hinken dem ursprünglichen Zeitplan dem Vernehmen nach um bis zu 13 Jahre hinterher, weshalb im täglichen Betrieb teilweise noch mit papierbasierten Kontrollstreifen und Funksystemen aus den 1990er-Jahren gearbeitet werden muss.
Die irische Fluggesellschaft Ryanair nahm den parlamentarischen Bericht zum Anlass, um von der Regierung in Paris tiefgreifende Strukturreformen zu fordern. Nach Modellrechnungen des europäischen Luftverkehrsorganisation Eurocontrol drohen ohne ein Gegensteuern ab dem Jahr 2030 dauerhafte Flugstreichungen, da die Kapazitäten der Flugsicherung mit dem prognostizierten Wachstum des Luftverkehrs nicht mehr Schritt halten können. Bis zum Jahr 2035 drohen der Branche durch die infrastrukturbedingten Verspätungen jährliche Mehrkosten von bis zu 1,7 Milliarden Euro. Verschärft wird die Situation durch eine demografische Welle: Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts werden rund 30 Prozent der aktiven Fluglotsen in Frankreich in den Ruhestand treten, während die nationale Ausbildung neuer Fachkräfte mit rund fünf Jahren wesentlich länger dauert als in Nachbarstaaten wie Großbritannien oder Irland.
Ein wiederkehrender Streitpunkt bleibt zudem die Abwicklung von Überflügen während französischer Arbeitskämpfe. Während nationale Mindestdienstregelungen den inländischen Flugverkehr in Frankreich bei Streiks weitgehend absichern, werden internationale Flüge, die den französischen Luftraum lediglich kreuzen, regelmäßig umgeleitet, verspätet oder annulliert. Die Luftfahrtbranche fordert daher eine gesetzliche Neuregelung nach dem Vorbild anderer EU-Staaten, um transkontinentale Flugkorridore unabhängig von lokalen Tarifkonflikten offenzuhalten. Kritische Marktbeobachter geben jedoch zu bedenken, dass eine weitreichende Reform der DSNA erhebliche Haushaltsmittel erfordert und auf den Widerstand der einflussreichen französischen Fluglotsengewerkschaften stoßen dürfte, was schnelle operationelle Verbesserungen im europäischen Luftraum unwahrscheinlich macht.