Eurostar (Foto: Pixabay/Emil02050).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Stundenlange Odyssee für über 800 Eurostar-Passagiere: Stromausfall legt Zug nahe Calais lahm

Werbung

Über 800 Reisende an Bord eines Eurostar-Zuges von Brüssel nach London erlebten am 25. Juni 2025 eine unerwartet lange Zwangspause: Ihr Zug blieb für mehr als neun Stunden nahe Rodelinghem in der Region Pas-de-Calais in Frankreich liegen. Ein totaler Stromausfall führte dazu, daß der Zug nicht nur immobilisiert war, sondern auch ohne funktionierende Klimaanlage, Beleuchtung und Toiletten auskam.

Nur durch eine komplexe Transferoperation unter Mithilfe lokaler Behörden und ziviler Schutzorganisationen konnten die Passagiere ihre Reise fortsetzen. Der Vorfall ereignete sich inmitten weiterer Störungen im französischen Eisenbahnnetz, die durch Kabeldiebstahl verursacht wurden, und löste bei den betroffenen Reisenden große Frustration über mangelnde Kommunikation aus.

Der Vorfall: Eine unerwartete Stillstandzeit auf offener Strecke

Der Eurostar-Zug, der planmäßig über 800 Passagiere von Brüssel nach London befördern sollte, kam am 25. Juni 2025 um die Mittagszeit herum zu einem plötzlichen Stillstand. Das Unglück ereignete sich nahe der französischen Gemeinde Rodelinghem im Departement Pas-de-Calais, einer Region, die strategisch wichtig für den grenzüberschreitenden Bahnverkehr zwischen Frankreich und Großbritannien ist. Ein umfassender Stromausfall war die Ursache für das jähe Ende der Fahrt. Dies führte nicht nur zur Immobilisierung des Hochgeschwindigkeitszuges, sondern legte auch sämtliche Bordsysteme lahm: Die Klimaanlage fiel aus, die Beleuchtung erlosch, und die Toiletten wurden unbenutzbar.

Für die Passagiere begann damit eine neun Stunden und länger dauernde Tortur in einem Zugabteil, das sich schnell aufheizte und jeglichen Komfort vermissen ließ. Besonders kritisch war der Ausfall der Klimaanlage angesichts der äußeren Temperaturen, die in dieser Jahreszeit in Nordfrankreich sommerlich warm sein können. Die Enge und fehlende Luftzirkulation trugen rasch zu einem Gefühl des Unbehagens bei.

Während der langen Wartezeit wurde eine Passagierin wegen eines leichten Unwohlseins medizinisch versorgt und vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Als Sofortmaßnahme zur Linderung der Umstände wurde Wasser an die Reisenden verteilt und die Türen des Zuges geöffnet, um eine gewisse Belüftung zu ermöglichen. Zivile Schutzteams leisteten vor Ort Unterstützung und versuchten, die Situation für die gestrandeten Reisenden so erträglich wie möglich zu gestalten. Derartige Vorfälle, bei denen Züge über längere Zeiträume ohne funktionierende Systeme auskommen müssen, stellen sowohl für die Betreiber als auch für die Passagiere eine enorme Belastungsprobe dar.

Die Rettungsoperation: Komplexer Transfer inmitten des Chaos

Die Bergung von über 800 Passagieren aus einem auf offener Strecke liegengebliebenen Hochgeschwindigkeitszug ist eine logistische Herausforderung. Um die Weiterreise der gestrandeten Personen zu ermöglichen, wurde eine komplexe Transferoperation eingeleitet. Diese erforderte die enge Zusammenarbeit verschiedener Akteure, darunter die Eurostar-Betreibergesellschaft, die französischen Eisenbahnbehörden (SNCF Réseau, die Infrastrukturverantwortliche) und lokale Zivilschutzorganisationen.

Solche Operationen umfassen in der Regel das Bereitstellen eines Ersatzzuges, der parallel zum havarierten Zug auf einem benachbarten Gleis positioniert wird. Die Passagiere müssen dann, oft unter Aufsicht und mit Unterstützung, die Strecke zwischen den Zügen überbrücken, was bei Nacht, schlechtem Wetter oder unwegsamem Gelände zusätzliche Schwierigkeiten bereiten kann. Anschließend werden sie mit dem Ersatzzug zu einem geeigneten Bahnhof gebracht, von wo aus die Weiterreise organisiert wird. Im Falle des Eurostar-Zuges dürfte dies bedeutet haben, die Reisenden zu einem Bahnhof wie Calais oder Lille zurückzubringen, um von dort aus Busse oder andere Zugverbindungen nach London zu organisieren. Die Effizienz und Sicherheit solcher Transfermaßnahmen sind entscheidend, um die Belastung für die Passagiere zu minimieren. Die Präsenz und Unterstützung der lokalen Behörden und zivilen Schutzteams waren hierbei von unschätzbarem Wert, um die Situation zu kontrollieren und die Versorgung der Reisenden zu gewährleisten.

Hintergrund der Störung: Kabeldiebstahl und breitere Netzprobleme

Der Stillstand des Eurostar-Zuges fiel unglücklich mit weiteren erheblichen Störungen im französischen Eisenbahnnetz zusammen. So gab es zur gleichen Zeit erhebliche Verspätungen bei TGV- und Eurostar-Diensten, die durch Kabeldiebstahl in der Nähe von Lille verursacht wurden. Kabeldiebstahl ist ein wiederkehrendes Problem im europäischen Eisenbahnnetz und führt regelmäßig zu Signalstörungen, Stromausfällen und damit zu weitreichenden Zugverspätungen und -ausfällen. Die Diebe sind oft auf Kupfer aus, das auf dem Schwarzmarkt hohe Preise erzielt, und riskieren dabei nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch die Sicherheit des Bahnverkehrs.

Diese zusätzlichen Störungen trugen sicherlich zur ohnehin angespannten Lage bei und erschwerten die Koordination der Rettungsmaßnahmen für den havarierten Eurostar-Zug. Die simultanen Probleme auf mehreren Achsen des Bahnnetzes zeigten die Anfälligkeit der Infrastruktur für externe Einflüsse und die Komplexität der Wiederherstellung eines reibungslosen Betriebs. Für die Reisenden bedeutete dies eine zusätzliche Ungewißheit, da nicht nur die Ursache der eigenen Stillstandzeit unklar war, sondern auch die Aussichten auf eine reibungslose Weiterreise getrübt wurden.

Passagierfrustration und unerwartete Unterhaltung: Die menschliche Seite der Krise

Die Reaktion der Passagiere auf die stundenlange Zwangspause war, wie in solchen Situationen üblich, gemischt, doch überwog die Frustration über mangelnde Kommunikation. Soziale Medien wurden schnell zur Plattform für Beschwerden, da Reisende über die mangelhafte Informationspolitik der Zuggesellschaft klagten. In Krisensituationen ist eine transparente und regelmäßige Kommunikation seitens des Betreibers von entscheidender Bedeutung, um Ängste abzubauen, Gerüchten vorzubeugen und den Passagieren das Gefühl zu geben, nicht alleingelassen zu sein. Unzureichende oder ausbleibende Informationen können die Stimmung schnell kippen lassen und das Vertrauen in den Dienstleister nachhaltig schädigen.

Trotz der widrigen Umstände zeigte sich jedoch auch die Fähigkeit der Menschen, in schwierigen Situationen das Beste daraus zu machen. Einige Passagiere nutzten die lange Wartezeit für ein spontanes Konzert am Gleisrand, was für eine willkommene Abwechslung sorgte und die angespannte Atmosphäre auflockerte. Solche Momente der Gemeinschaft und des unerwarteten Vergnügens sind oft Lichtblicke in einer sonst frustrierenden Erfahrung und zeigen die Resilienz und den Humor der Reisenden. Solche Anekdoten verbreiten sich schnell und tragen dazu bei, die menschliche Seite eines solchen Vorfalls zu beleuchten.

Konsequenzen und Lehren für die Bahnindustrie

Der Vorfall auf der Eurostar-Strecke reiht sich ein in eine Serie von Zwischenfällen, die die europäische Bahnindustrie in den letzten Jahren immer wieder vor Herausforderungen stellen. Ob durch technische Defekte, Infrastrukturschäden, externe Einflüsse wie extreme Wetterereignisse oder Kriminalität – die reibungslose Funktion hochkomplexer Bahnsysteme ist eine ständige Gratwanderung. Für Betreiber wie Eurostar, der auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit im internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr setzt, sind solche Vorfälle nicht nur ein Imageschaden, sondern auch mit erheblichen Kosten für Entschädigungen, Ersatztransporte und die Reparatur der Infrastruktur verbunden.

Die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren verstärkt auf die Stärkung der Fahrgastrechte gesetzt, die in der Verordnung (EG) Nr. 1371/2007 über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr festgeschrieben sind. Diese Verordnung sieht bei großen Verspätungen Entschädigungen vor und legt Pflichten der Eisenbahnunternehmen fest, beispielsweiße die Bereitstellung von Informationen und Hilfeleistungen. Die Passagiere des Eurostar-Zuges dürften somit Anspruch auf eine Entschädigung für die erlittene Verspätung haben.

Der Vorfall unterstreicht die Notwendigkeit kontinuierlicher Investitionen in die Bahninfrastruktur, deren Wartung und Schutz vor Vandalismus und Diebstahl. Gleichzeitig müssen die Kommunikationsstrategien für Krisensituationen ständig überprüft und verbessert werden, um den Erwartungen der Reisenden gerecht zu werden. Das Vertrauen der Kunden in den Schienenverkehr hängt maßgeblich davon ab, wie Betreiber mit solchen Herausforderungen umgehen und wie schnell und transparent sie Lösungen für die betroffenen Passagiere bereitstellen.

Ein Weckruf für die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs

Der Vorfall mit dem gestrandeten Eurostar-Zug ist ein deutlicher Weckruf für die Bahnindustrie, ihre Anstrengungen zur Sicherstellung der Zuverlässigkeit und zur Verbesserung des Krisenmanagements zu intensivieren. Auch wenn solche Ereignisse selten sind, haben sie das Potenzial, das Vertrauen der Reisenden in den Schienenverkehr nachhaltig zu erschüttern. Die Komplexität moderner Bahnsysteme erfordert nicht nur eine robuste technische Infrastruktur, sondern auch eine effektive Koordination zwischen allen Beteiligten und eine transparente Kommunikation gegenüber den Kunden.

Für die über 800 Passagiere, die an diesem Juni-Tag stundenlang ohne grundlegende Annehmlichkeiten ausharren mußten, wird die Erinnerung an die Zwangspause im Pas-de-Calais wohl länger währen als die eigentliche Reise nach London. Es bleibt zu hoffen, daß die Lehren aus diesem Vorfall gezogen werden, um zukünftige Unannehmlichkeiten dieser Art zu minimieren und die Bahn als zuverlässiges Reisemittel zu stärken.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung