Das Schweizer Technologieunternehmen Synhelion hat den italienischen Ingenieurs- und Baukonzern Saipem mit den Vorplanungsarbeiten für eine kommerzielle Anlage zur Herstellung synthetischer Treibstoffe beauftragt.
Die geplante Produktionsstätte soll auf einem Industriegelände des Energiekonzerns RWE im Chemiepark Hürth-Knapsack in Nordrhein-Westfalen errichtet werden. Die Beauftragung umfasst die sogenannte Pre-FEED-Phase, in der die technischen und wirtschaftlichen Parameter für das Bauvorhaben definiert werden, um die Grundlagen für eine spätere finale Investitionsentscheidung zu schaffen.
Nach den aktuellen Planungen ist die Anlage auf eine jährliche Produktionskapazität von rund 30.000 Tonnen synthetischer Kraftstoffe ausgelegt. Der operative Schwerpunkt der Produktion liegt auf der Herstellung von synthetischem Kerosin für den Luftverkehr, während Nebenerzeugnisse wie synthetischer Diesel und Benzin für den Schiffs- und Schwerlastverkehr vorgesehen sind. Das Vorhaben am Standort Hürth ergänzt die bestehenden Test- und Produktionsaktivitäten des Unternehmens im nordrhein-westfälischen Jülich, wo Synhelion bereits kleinere Volumina fertigt.
Die Wahl des Standorts auf dem Knapsacker Hügel basiert auf der Nutzung vorhandener industrieller Infrastrukturen wie Versorgungsleitungen und Rohstoffanbindungen. Das Vorhaben ordnet sich in die rechtlichen Vorgaben der Europäischen Union ein: Die Verordnung ReFuelEU Aviation verpflichtet Fluggesellschaften seit dem Jahr 2025 zur schrittweisen Beimischung synthetischer Kraftstoffe zum herkömmlichen Kerosin. Um diese regulatorischen Quoten zu erfüllen, müssen die bisher geringen Produktionskapazitäten in Europa schrittweise auf den industriellen Maßstab hochskaliert werden.
Branchenanalysten verweisen jedoch darauf, dass der Markthochlauf synthetischer Treibstoffe weiterhin mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken verbunden ist. Die Herstellung erfordert hohe Investitionskosten sowie den Einsatz großer Mengen thermischer und elektrischer Energie, was die Endprodukte im Vergleich zu fossilem Kerosin verteuert. Die Realisierung des Projekts in Hürth hängt maßgeblich davon ab, ob in der anstehenden FEED-Phase kostendeckende Abnahmeverträge mit Fluggesellschaften oder Logistikunternehmen geschlossen werden können, um die Finanzierung der anschließenden Bauphase abzusichern.