Die US-Fluggesellschaft Alaska Airlines sah sich am Donnerstagabend erneut gezwungen, ihren gesamten Flugbetrieb temporär einzustellen. Eine Störung in den zentralen IT-Systemen legte die Flotte der Airline sowie ihrer Regionaltochter Horizon Air für rund zwei Stunden still. Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine Kette von technischen Pannen ein, die das Unternehmen in den vergangenen Monaten heimgesucht haben. Die wiederholten Ausfälle in so kurzer Zeit werfen ein Schlaglicht auf die kritische Abhängigkeit der modernen Luftfahrt von komplexen Soft- und Hardware-Infrastrukturen und führen zu ernsthaften Fragen hinsichtlich der Systemstabilität und der operativen Widerstandsfähigkeit.
Die Luftverkehrsbranche ist auf die ununterbrochene Funktion digitaler Prozesse angewiesen – von der Flugplanung und dem Check-in bis hin zu komplexen Systemen zur Berechnung der korrekten Gewichts- und Schwerpunktverteilung eines Flugzeugs. Ein Ausfall in einem dieser Bereiche kann unmittelbare Konsequenzen für die Flugsicherheit und den reibungslosen Betrieb nach sich ziehen. Die Serie von technischen Problemen bei Alaska Airlines verdeutlicht die Fragilität dieser digitalen Abhängigkeit und die Notwendigkeit robuster, redundanter Systeme, um das Risiko von flächendeckenden Betriebsstopps zu minimieren.
Die Chronologie der Störungen
Die jüngste Betriebspause ist der dritte größere IT-bedingte Vorfall bei Alaska Airlines im Jahr 2024 und 2025. Diese Häufung macht die Probleme der Fluggesellschaft besonders bemerkenswert:
- April 2024: Ein schwerwiegender Zwischenfall ereignete sich, als Piloten aufgrund eines Systemausfalls keinen Zugriff auf das essenzielle Tool zur Berechnung von Gewicht und Balance (Weight and Balance) ihrer Flugzeuge hatten. Dieses System ist zwingend erforderlich, um sicherzustellen, dass ein Flugzeug korrekt beladen ist und die Lastverteilung innerhalb der zulässigen Grenzen liegt. Ohne diese Berechnung darf kein Flugzeug abheben. Die Folge war ein erzwungener Flugstopp.
- Juli 2025: Erst wenige Monate zuvor, im Juli, hatte ein dreistündiger Systemausfall den Betrieb von Alaska Airlines und Horizon Air massiv beeinträchtigt. Obwohl die Fluggesellschaft damals mitteilte, dass eine Hardware-Störung für das IT-Problem verantwortlich war, wurden keine weiteren Einzelheiten genannt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA musste in beiden Fällen informiert werden und unterstützte die Anordnung des Flugstopps.
- Jüngster Vorfall (Donnerstagabend): Die neueste Panne, die am Donnerstagabend zum vorübergehenden Grounding führte, hatte ähnliche Auswirkungen, wenn auch die Dauer der Unterbrechung auf etwa zwei Stunden begrenzt war. Auch diesmal waren Passagiere in weiten Teilen des Streckennetzes von Verspätungen und Flugausfällen betroffen.
Die Muster der Störungen zeigen, dass nicht nur einzelne Anwendungen, sondern zentrale Steuerungssysteme, die für die operationelle Integrität und Sicherheit relevant sind, betroffen sind. Die Notwendigkeit der Fluggesellschaft, proaktiv einen Flugstopp anzuordnen, anstatt unsichere Abläufe zu riskieren, unterstreicht die Schwere der jeweiligen Pannen.
Systemrelevanz und globale Anfälligkeit
Die Vorfälle bei Alaska Airlines sind zwar für die betroffene Gesellschaft von größter Bedeutung, fügen sich aber in ein breiteres Bild der globalen Anfälligkeit der Luftfahrt-IT ein. Das Jahr 2024 und 2025 war auch für andere große Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber von massiven Störungen geprägt.
Ein besonders folgenreiches Ereignis im Juli 2024 zeigte die weitreichenden, kaskadenartigen Effekte von IT-Problemen. Ein fehlerhaftes Software-Update eines externen Cybersicherheitsanbieters führte damals zu einem weltweiten Ausfall von Windows-Systemen. Davon waren Tausende von Unternehmen in verschiedenen Sektoren betroffen, darunter auch zahlreiche Fluggesellschaften wie Delta Air Lines, United Airlines und Eurowings. Bei einigen Airlines, wie Delta, beliefen sich die Schäden Berichten zufolge auf Hunderte Millionen Dollar, nicht nur durch Flugausfälle und die Umbuchung von Passagieren, sondern auch durch manuelle Wiederinbetriebnahme von Servern und Schadensersatzforderungen.
Diese globalen Zwischenfälle betonen, dass die Komplexität und die Vernetzung der digitalen Lieferketten in der Luftfahrt die Anfälligkeit für weitreichende Störungen erhöhen. Das Versagen eines einzelnen Systems, sei es intern oder durch einen Drittanbieter, kann in kürzester Zeit den weltweiten Flugverkehr lahmlegen.
Konsequenzen für Passagiere und den Betrieb
Die unmittelbaren Auswirkungen der IT-Ausfälle treffen in erster Linie die Passagiere, deren Reisepläne abrupt unterbrochen werden. Verspätungen und Annullierungen führen zu zusätzlichen Kosten für Unterkünfte, verpasste Anschlüsse und entgangene Termine. Für eine Fluggesellschaft wie Alaska Airlines, die in den USA als fünftgrößte Airline nach der Übernahme von Hawaiian Airlines im vergangenen Jahr eine wichtige Rolle spielt, sind die Auswirkungen auf den Ruf und die Kundenbindung erheblich.
Aus operativer Sicht sind die finanziellen und logistischen Belastungen enorm. Jeder Flugstopp erfordert einen komplexen Neustart des gesamten Netzwerks, was noch Tage nach dem eigentlichen Vorfall zu Nachwirkungen wie erhöhten Verspätungen und gestrichenen Flügen führen kann. Die Notwendigkeit, Flüge aufgrund eines Ausfalls des Weight and Balance Systems abzubrechen, ist besonders kritisch, da es sich hierbei um eine direkte Sicherheitsanforderung handelt. Die wiederkehrenden Probleme bei Alaska Airlines könnten intern eine Überprüfung der IT-Strategie und der Redundanzmechanismen nach sich ziehen. In einem Sektor, in dem Zuverlässigkeit und Sicherheit oberste Priorität haben, kann das Vertrauen von Aufsichtsbehörden und Kunden nur durch nachhaltige Investitionen in die Modernisierung und Absicherung der digitalen Infrastruktur wiederhergestellt werden. Der Wettbewerbsdruck im Luftverkehr erzwingt zwar eine ständige Optimierung der Kostenstruktur, jedoch zeigen diese Vorfälle, dass die Vernachlässigung der IT-Robustheit zu ungleich höheren Kosten führen kann, sowohl in finanzieller als auch in reputativer Hinsicht