Die staatliche portugiesische Fluggesellschaft TAP Air Portugal bereitet über den internationalen Kapitalmarkt eine umfassende Refinanzierungsmaßnahme vor. Wie aus Finanzkreisen und Medienberichten verlautete, hat das Luftfahrtunternehmen Sondierungsgespräche mit potenziellen Investoren für eine neue fünfjährige Unternehmensanleihe aufgenommen.
Das angestrebte Emissionsvolumen der Festzinsanleihe beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro. Der Schritt erfolgt zu einem strategisch sensiblen Zeitpunkt, da die portugiesische Regierung parallel die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen für eine Teilprivatisierung der Fluglinie finalisiert. Im Raum steht der Verkauf von bis zu 49,9 Prozent der staatlichen Firmenanteile, wovon ein Kontingent von fünf Prozent gesetzlich für die eigene Belegschaft reserviert werden soll.
Die geplante Kapitalaufnahme steht in direktem Zusammenhang mit dem laufenden Bieterverfahren um die Anteilsmehrheit des zu privatisierenden Pakets, für das sich vor allem die europäischen Branchenriesen Lufthansa und die Air France-KLM-Gruppe in Stellung gebracht haben. Der Lufthansa-Konzern demonstrierte erst kürzlich die eigene Finanzkraft durch die erfolgreiche Platzierung einer eigenen Anleihe im Wert von 750 Millionen Euro am Kapitalmarkt, um die Liquiditätsbasis für strategische Übernahmen im europäischen Luftraum zu stärken. Die Emission von TAP Air Portugal dient somit nicht nur der operativen Liquiditätssicherung, sondern auch der Bilanzbereinigung, um die Attraktivität des Unternehmens für die internationalen Konsortien im finalen Privatisierungsprozess maßgeblich zu erhöhen.
Der Vorstoß der portugiesischen Fluglinie ist Teil einer umfassenden Umschuldungswelle in der globalen Luftfahrtindustrie. Datenerhebungen zufolge haben Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber allein in der ersten Jahreshälfte des laufenden Jahres neue Anleihen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 10,5 Milliarden US-Dollar emittiert. Dies stellt den höchsten kumulierten Wert für ein erstes Halbjahr seit der akuten Krisenphase im Jahr 2021 dar. Während damals jedoch staatlich gestützte Notfallkredite und Überlebenshilfen im Vordergrund standen, dient das frische Kapital heute primär der geordneten Anschlussfinanzierung und dem Management fällig werdender Altverbindlichkeiten.
Die aktuelle Notwendigkeit zur großvolumigen Refinanzierung resultiert aus der Fristenstruktur der Pandemie-Kredite. Rund zwei Drittel der in den Krisenjahren 2020 und 2021 begebenen Wertpapiere wurden mit Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren ausgestattet und erreichen nun schrittweise ihre Endfälligkeit. Finanzanalysten beziffern den gesamten Nachfinanzierungsbedarf der globalen zivilen Luftfahrt für diese Tranchen auf rund 22 Milliarden Euro. Angesichts des veränderten Zinsumfeldes stehen die Fluggesellschaften unter erheblichem Druck, ihre Schuldenportfolios neu zu strukturieren, um langfristige Zinsrisiken zu minimieren und die Bonitätsnoten bei den internationalen Ratingagenturen stabil zu halten.