Nach einer Phase intensiver Verhandlungen haben die Gewerkschaft Verdi und die Fluggesellschaft Eurowings, eine Tochtergesellschaft der Lufthansa Gruppe, eine neue tarifvertragliche Einigung für die rund 1.800 Flugbegleiter erzielt.
Die Einigung sieht eine signifikante Anhebung der Vergütungen und eine Reihe von Verbesserungen bei Zulagen und Bonuszahlungen vor. Der Abschluss, der von Verdi als starker Reallohnzuwachs bewertet wird, ist ein zentraler Erfolg für die Kabinenbeschäftigten des Unternehmens, das aktuell beachtliche Gewinne für den Mutterkonzern erwirtschaftet. Der neue Vergütungstarifvertrag ist bis zum 31. Juli 2027 gültig und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Verdi-Mitglieder.
Kernpunkte der Lohnerhöhungen und finanziellen Verbesserungen
Die zentralen finanziellen Komponenten des neuen Tarifabschlusses umfassen:
- Gestaffelte Lohnerhöhung: Die Grundvergütungen der Kabinenmitarbeiter werden in zwei Schritten um insgesamt 5,4 Prozent angehoben. Diese Erhöhung zielt darauf ab, die Kaufkraft der Beschäftigten zu stärken.
- Dynamische Mehrflugstundenvergütung: Eine der wichtigsten strukturellen Verbesserungen ist die dynamische Kopplung der Vergütung für Mehrflugstunden an zukünftige Tariferhöhungen. Damit steigen die Zuschläge für zusätzliche Arbeitsleistung automatisch mit jeder weiteren tariflichen Erhöhung der Grundvergütung.
- Deutliche Gewinnbeteiligung: Die jährliche Ergebnisbeteiligung der Mitarbeiter wird signifikant auf bis zu 1.600 Euro erhöht. Diese Steigerung steht im direkten Zusammenhang mit den derzeitigen dreistelligen Millionengewinnen, die Eurowings für die Lufthansa-Gruppe erzielt.
- Einmalzahlung für 2025: Für das Geschäftsjahr 2025 wurde zusätzlich eine Einmalzahlung in Höhe von 1.000 Euro vereinbart.
Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky bezifferte den durchschnittlichen monatlichen Zuwachs für die Kabinenbeschäftigten auf rund 300 Euro und betonte, dass es sich hierbei um einen wesentlichen Reallohnzuwachs handle.
Zusätzliche Zuschläge und strukturelle Anpassungen
Neben der direkten Gehaltserhöhung wurden auch andere wichtige finanzielle und strukturelle Arbeitsbedingungen angepasst, die das Gesamtpaket der Einigung ergänzen und verbessern:
- Erhöhung des Abwesenheitsgeldes: Das sogenannte Abwesenheitsgeld, welches Crews für Arbeitszeiten außerhalb ihrer Heimatbasis (layover time) erhalten, steigt um zehn Prozent. Zudem wird die bisherige Deckelung der maximalen Tageszahlung für dieses Abwesenheitsgeld aufgehoben. Dies bedeutet eine potenziell höhere Vergütung für längere oder weiter entfernte Aufenthalte während des Dienstes.
- Verbesserungen bei Zulagen und Krankheitsfallvergütung: Die Einigung umfasst weitere Verbesserungen im Bereich der allgemeinen Zulagen sowie eine optimierte Regelung zur Vergütung im Krankheitsfall. Details zu den genauen Anpassungen bei den Zulagen wurden von der Gewerkschaft nicht explizit genannt, aber sie tragen zur Gesamtwertigkeit des Abschlusses bei.
- Laufzeit: Der neue Vergütungstarifvertrag sichert die vereinbarten Konditionen bis zum 31. Juli 2027.
Branchenweite Tarifbewegungen in der Lufthansa Gruppe
Der erfolgreiche Abschluss bei Eurowings ist Teil einer breiteren Welle von Tarifverhandlungen innerhalb der Lufthansa-Gruppe. Die Gewerkschaft Verdi verzeichnete bereits kurz vor der Eurowings-Einigung einen weiteren Erfolg bei der Schwestergesellschaft Discover Airlines. Dort konnte für das Cockpit- und Kabinenpersonal eine bessere Absicherung im Fall einer Flugunfähigkeit erzielt werden. Solche Regelungen, die die finanzielle Sicherheit des Personals bei Verlust der Flugtauglichkeit verbessern, sind in der Luftfahrtbranche von hoher Bedeutung.
Die Intensität der Verhandlungen in der Luftfahrt spiegelt die Erholung des Sektors nach den Herausforderungen der letzten Jahre wider. Fluggesellschaften wie Eurowings, die sich erfolgreich auf den Punkt-zu-Punkt-Verkehr und den europäischen Freizeitmarkt konzentrieren, melden wieder starke Betriebsergebnisse. Diese finanzielle Stärke der Unternehmen gibt den Gewerkschaften einen stärkeren Hebel in den Verhandlungen, um einen größeren Anteil des Gewinns an die Mitarbeiter weiterzugeben. Die erzielten Abschlüsse zeigen einen Trend hin zu substanziellen Gehaltssteigerungen und einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Schlüsselbereichen der Fluggesellschaften.
Die Luftfahrtindustrie in Deutschland und Europa sieht sich weiterhin einem Wettbewerb um qualifiziertes Personal ausgesetzt, insbesondere bei Flugbegleitern und Piloten. Attraktive Tarifverträge sind daher nicht nur eine Anerkennung der Mitarbeiterleistung, sondern auch ein wichtiges Instrument zur Personalgewinnung und -bindung in einem Markt, in dem ein Mangel an qualifizierten Kräften herrscht.
Die endgültige Inkraftsetzung des Tarifvertrages bei Eurowings hängt nun von der Mitgliederbefragung der Gewerkschaft Verdi ab. Die breite Zustimmung der Beschäftigten zu dem ausgehandelten Ergebnis gilt jedoch als wahrscheinlich, angesichts der signifikanten finanziellen und strukturellen Vorteile, die das Paket bietet. Das Ergebnis unterstreicht die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmervertreter angesichts der soliden Geschäftszahlen der Lufthansa-Tochter.