Die Fluggesellschaft Wizz Air plant die Eröffnung einer neuen Basis in Israel bis zum April des kommenden Jahres. Diese strategische Expansion soll nach dem Willen der israelischen Regierung den Wettbewerb im nationalen Flugverkehr ankurbeln und damit zu einer Senkung der Ticketpreise führen. Während Verkehrsministerin Miri Regev die Pläne nachdrücklich unterstützt, stoßen sie bei den etablierten israelischen Fluggesellschaften auf scharfen Widerstand. Der Konflikt dreht sich primär um die Auswirkungen auf die Preisgestaltung, die Kapazität des Marktes und die Frage der Gleichbehandlung bei Sicherheitsauflagen und Betriebskosten.
Wizz Air-Vorstandschef Jozsef Varadi bekräftigte bei einem Treffen mit der israelischen Verkehrsministerin Miri Regev das volle Engagement seines Unternehmens zur Etablierung einer Basis in Israel. Der genaue Standort ist noch Gegenstand der Prüfung; erwogen werden der internationale Drehkreuz Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv oder der kleinere, touristisch wichtige Flughafen Ramon nahe Eilat am Roten Meer. Die finale Klärung regulatorischer und operativer Fragen wird bis Ende Januar erwartet.
Berichten in israelischen Medien zufolge sind die Pläne von Wizz Air ambitioniert. Die Airline beabsichtigt demnach, in den nächsten drei Jahren eine Milliarde Dollar in den israelischen Markt zu investieren. Dies würde die Stationierung von zehn Flugzeugen, die Aufnahme von 50 neuen Flugstrecken und die Schaffung von bis zu 4000 Arbeitsplätzen nach sich ziehen. Mit weltweit 36 Basen in 19 Ländern zählt Wizz Air zu den größten Billigfluggesellschaften Europas und ist bekannt dafür, durch aggressive Preisgestaltung neue Märkte zu erschließen. Für Israel würde die Errichtung einer solchen Basis eine deutliche Verschiebung der Marktverhältnisse bedeuten, da eine erhebliche zusätzliche Sitzplatzkapazität in den Markt gespült würde.
Regierung setzt auf Wettbewerb zur Preisdämpfung
Die Initiative der ungarischen Airline wird von der israelischen Regierung als wichtiges Instrument zur Bekämpfung der hohen Lebenshaltungskosten im Land gesehen. Verkehrsministerin Miri Regev hob hervor, dass niedrigere Preise und verbesserte Dienstleistungen im Flugverkehr nur durch verstärkten Wettbewerb erreicht werden könnten. Die Ministerin reagierte damit auf die Erfahrungen während des zweijährigen Konflikts in Gaza, als viele ausländische Fluggesellschaften ihren Betrieb vorübergehend einstellten. In dieser Zeit übernahmen die inländischen Carrier den Großteil des verbleibenden Reiseverkehrs, was jedoch zu einem signifikanten Anstieg der Flugpreise führte und für öffentlichen Unmut sorgte.
Regev betonte die Verpflichtung der Regierung, die Flugpreise zu senken, die Sitzplatzkapazität zu erhöhen und den Service für die Bevölkerung zu verbessern. Die geplante Wizz Air-Basis wird als Katalysator für diese Ziele betrachtet. Die Deregulierung des Luftraums, insbesondere seit der Unterzeichnung des Open-Skies-Abkommens mit der Europäischen Union, hat bereits zu einem Anstieg des Flugverkehrs geführt, doch der Wettbewerb soll nun durch die dauerhafte Präsenz eines großen europäischen Billigfliegers weiter verschärft werden. Die Hoffnung ist, dass die Investitionen und das Geschäftsmodell von Wizz Air einen „Wizz-Effekt“ auslösen, der die Preisstruktur auf vielen wichtigen Routen dauerhaft verändert.
Bedenken der israelischen Fluggesellschaften und Gewerkschaften
Die Pläne von Wizz Air stoßen jedoch auf heftigen Widerstand bei den etablierten nationalen Fluggesellschaften Israir und Arkia. Die inländischen Carrier argumentieren, die Basisgründung schaffe „ungerechtfertigte Unterschiede zwischen israelischen und ausländischen Fluggesellschaften“, die letztlich der israelischen Öffentlichkeit schaden würden.
Ein zentraler Streitpunkt sind die Sicherheitskosten. Der Chef von Arkia, Oz Berlowitz, forderte öffentlich, dass Wizz Air dieselben hohen Sicherheitskosten tragen müsse wie die israelischen Fluggesellschaften. Aufgrund der besonderen geopolitischen Lage Israels sind die inländischen Fluggesellschaften traditionell verpflichtet, umfassende und kostspielige Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die oft über das hinausgehen, was internationale Carrier an ausländischen Flughäfen leisten müssen. Diese Kostenstruktur führt zu einer Wettbewerbsverzerrung, da internationale Fluggesellschaften, die Israel lediglich anfliegen, diese inländischen Sicherheitsauflagen nicht im gleichen Maße zu tragen haben. Die Etablierung einer Basis würde diese Diskussion weiter zuspitzen. Israelische Airlines sehen sich dadurch benachteiligt, da sie ihre höheren Sicherheitsausgaben in die Ticketpreise einkalkulieren müssen.
Auch die israelische Gewerkschaft, Histadrut, äußerte Bedenken hinsichtlich der Pläne. Obwohl die Schaffung von Arbeitsplätzen ein positiver Aspekt ist, bestehen Sorgen über die Arbeitsbedingungen und Löhne bei Billigfluggesellschaften im Vergleich zu den traditionellen Carriern. Die Gewerkschaft befürchtet einen Abwärtsdruck auf die Standards der Beschäftigten im israelischen Luftfahrtsektor.
Die geopolitische Dimension des Luftverkehrs
Die Diskussion um die Wizz Air-Basis beleuchtet auch die tiefere Rolle der nationalen Fluggesellschaften in Israel. Die israelischen Airlines, darunter auch El Al, haben während geopolitischer Krisen und Konflikten eine entscheidende Rolle als „nationale Brücke“ gespielt. Sie hielten den Flugverkehr aufrecht, als viele internationale Fluggesellschaften ihren Betrieb aus Sicherheitsgründen einstellten. Dies führte zwar zu steigenden Preisen, sicherte jedoch die Mobilität der Bevölkerung und die Verbindung des Landes mit der Außenwelt in kritischen Zeiten. Die Regierung steht nun vor der Herausforderung, einerseits den Wettbewerb zum Nutzen der Verbraucher zu fördern, andererseits aber auch die operative und finanzielle Stabilität der nationalen Fluggesellschaften zu gewährleisten, die in Krisenzeiten von strategischer Bedeutung sind.
Die geplante Basisgründung von Wizz Air wird somit zu einem Prüfstein für die israelische Luftverkehrspolitik. Sie muss zeigen, wie sie das Versprechen auf niedrigere Preise durch Wettbewerb mit der Notwendigkeit vereinbaren kann, die nationalen Carrier zu unterstützen, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie in Zeiten erhöhten Risikos das Rückgrat des internationalen Reiseverkehrs bilden. Die Klärung der regulatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen, insbesondere in Bezug auf die Sicherheitskosten, wird der entscheidende Faktor sein, ob und unter welchen Bedingungen die Wizz Air-Basis in Israel Realität werden kann.