Flugbegleiter-Streik (Foto: UFO).
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UFO ruft Kabinenpersonal von Lufthansa und Cityline zum Streik auf

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Die Reisepläne zehntausender Passagiere zum Ende der Osterferien stehen vor einer massiven Zerreißprobe. Nach dem Scheitern monatelanger Verhandlungen hat die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) das Kabinenpersonal der Deutschen Lufthansa AG sowie der Tochtergesellschaft Lufthansa CityLine für Freitag, den 10. April 2026, zu einem umfassenden Arbeitskampf aufgerufen. Der Streik, der von 00:01 Uhr bis 22:00 Uhr andauern soll, konzentriert sich auf die zentralen Drehkreuze Frankfurt und München sowie auf zahlreiche Regionalflughäfen.

Während die Gewerkschaft die Verantwortung für die Eskalation dem Management zuschiebt, kritisiert der Lufthansa-Vorstand das Vorgehen als verantwortungslos, insbesondere angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Belastungen durch hohe Kerosinpreise und geopolitische Unsicherheiten. Ein bereits veröffentlichter Sonderflugplan soll die Auswirkungen abmildern, doch mit massiven Flugausfällen im Rückreiseverkehr ist zu rechnen.

Frontenverhärtung im Manteltarifstreit

Der Hintergrund des Arbeitskampfes ist ein seit fast fünf Monaten andauernder Konflikt um einen neuen Manteltarifvertrag (MTV). Die Gewerkschaft UFO fordert substanzielle Verbesserungen beim Belastungsschutz, eine verlässlichere Dienstplanung sowie verlängerte Kündigungsfristen für die Flugbegleiter. In einer Urabstimmung sprachen sich zuletzt 94 Prozent der Mitglieder für den Streik aus, was die Entschlossenheit der Kabinenbeschäftigten unterstreicht. Harry Jaeger, Verhandlungsführer der UFO, wirft der Arbeitgeberseite vor, sich in den Gesprächen keinen Millimeter bewegt zu haben. Stattdessen fordere das Unternehmen unter dem Deckmantel der Produktivitätssteigerung tiefe strukturelle Einschnitte in bestehende Sozialstandards.

Lufthansa hingegen betont, man habe transparente Vorschläge unterbreitet und sei bereit für eine Neugestaltung der komplexen Einsatzbedingungen. Michael Niggemann, Personalvorstand der Lufthansa, bezeichnete den Zeitpunkt des Streiks als besonders kritisch. Die Kombination aus den Nachwehen der Ferienzeit und den volatilen Betriebskosten durch die angespannte Lage am Rohölmarkt mache den Streik zu einer Belastungsprobe für das gesamte Unternehmen. Man forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, anstatt den Konflikt auf dem Rücken der Fluggäste auszutragen.

Besonderheiten bei Lufthansa CityLine und drohende Betriebseinstellung

Ein zusätzlicher Brennpunkt des Konflikts ist die Situation bei der Tochtergesellschaft Lufthansa CityLine. Hier geht es primär um die Absicherung der rund 800 Kabinenbeschäftigten im Falle einer geplanten Einstellung des Flugbetriebs. Die Gewerkschaft fordert einen tariflichen Sozialplan, um existenzielle Folgen für die Mitarbeiter abzuwenden.

Da Lufthansa CityLine neben Frankfurt und München auch Standorte wie Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Köln bedient, weitet sich der Streik am Freitag auf das gesamte Bundesgebiet aus. Die UFO wirft dem Konzern vor, sich aus der sozialen Verantwortung gegenüber langjährigen Mitarbeitern zu stehlen, während das Management die wirtschaftliche Notwendigkeit struktureller Anpassungen im Konzernverbund hervorhebt.

Strategien zur Schadensbegrenzung und Ersatzflugpläne

Um das Chaos an den Flughäfen zu begrenzen, hat die Lufthansa Group ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt. Während die Kernmarke Lufthansa und die CityLine weitgehend am Boden bleiben, sollen andere Konzerntöchter wie Discover Airlines, Lufthansa City Airlines und Eurowings ihren Betrieb planmäßig aufrechterhalten. Diese Airlines werden nach Möglichkeit zusätzliche Kapazitäten bereitstellen und Passagiere umbuchen. Auch die internationalen Partner im Konzern, darunter SWISS, Austrian Airlines und Brussels Airlines, prüfen den Einsatz größerer Flugzeuge auf Routen von und nach Deutschland, um gestrandete Reisende an ihre Zielorte zu bringen.

Die Passagiere werden gebeten, sich kontinuierlich über den Status ihrer Flüge zu informieren. Automatische Benachrichtigungssysteme sollen die Betroffenen über Umbuchungen in Kenntnis setzen. Trotz dieser Bemühungen bleibt die Situation am kommenden Freitag für den Luftverkehr in Deutschland prekär. Die UFO plant zudem eine zentrale Kundgebung am Münchener Flughafen, um ihren Forderungen öffentlich Nachdruck zu verleihen. Ein schnelles Ende des Konflikts ist derzeit nicht in Sicht, da beide Parteien die jeweils andere Seite auffordern, den ersten Schritt für ein verhandlungsfähiges Angebot zu machen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Druck des Streiks ausreicht, um die festgefahrenen Fronten aufzubrechen.

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