Eine neue Studie der Unternehmensberatung Simon-Kucher zeigt, dass Umweltsorgen ein entscheidender Faktor dafür sind, warum viele Deutsche Kreuzfahrten kritisch sehen. Rund 51 Prozent der Befragten äußern Umweltbedenken, besonders unter den Millennials, die Kreuzfahrten zunehmend als Belastung für die Natur wahrnehmen. Trotz dieser Bedenken ziehen fast 70 Prozent der Deutschen eine Kreuzfahrt in Erwägung. Jeder vierte Befragte zeigt sogar großes Interesse, eine Kreuzfahrt zu buchen, und dies trotz der negativen Umweltauswirkungen, die damit verbunden sind.
Interessanterweise sind etwa 79 Prozent der Deutschen bereit, für einen CO₂-Ausgleich zu zahlen. Jüngere Reisende unter 45 Jahren würden sogar rund ein Viertel des Ticketpreises investieren, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Neben der Bereitschaft, höhere Kosten zu tragen, zeigen sich viele auch offen für Verzicht: So könnten sich zahlreiche Urlauber vorstellen, auf Pools, Buffets und unbegrenzte Speisemöglichkeiten an Bord zu verzichten, um die Reise nachhaltiger zu gestalten.
Doch ob diese Anpassungen tatsächlich ausreichen, um die Umweltbelastungen der Kreuzfahrtindustrie zu mindern, bleibt fraglich. Trotz der zunehmenden Verwendung von Flüssigerdgas (LNG) und technischen Maßnahmen wie Abgasreinigungsanlagen, die Emissionen reduzieren sollen, kämpft die Branche weiterhin mit hohen CO₂-Werten, die auf den großen Energiebedarf der Schiffe zurückzuführen sind. Die Umstellung auf nachhaltigere Alternativen ist kostspielig und gestaltet sich angesichts der komplexen Infrastruktur sowie strikter Umweltvorgaben schwierig. Daher gelten Kreuzfahrten nach wie vor als umweltschädlicher als andere Transportarten, auch wenn Technologien wie die Nutzung von Hybridantrieben, Solarenergie oder Luftschmierungssystemen entwickelt werden, um den Energieverbrauch zu senken.
Durch ihre Umweltpolitik strebt die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) eine Reduzierung der maritimen Emissionen um mindestens 40 Prozent bis 2030 an, was für die Branche ambitionierte Anpassungen bedeutet. Die Umsetzungsprobleme und die hohe Kostenfrage bleiben jedoch wesentliche Hürden, die den Fortschritt hin zu mehr Nachhaltigkeit verlangsamen könnten.