United Airlines steht nach der Bekanntgabe eines Aktienrückkaufprogramms im Zuge seiner erfreulichen Geschäftsergebnisse für das dritte Quartal massiv unter Druck.
Die Association of Flight Attendants-CWA (AFA), die die Flugbegleiter der Fluggesellschaft vertritt, bezeichnete den Schritt als einen „großen Fehler“ und kritisierte das Management scharf. Insbesondere die Tatsache, dass die Flugbegleiter noch keinen neuen Tarifvertrag abgeschlossen haben, während das Unternehmen erhebliche Mittel für Aktienrückkäufe bereitstellt, steht im Fokus der Auseinandersetzung.
Aktienrückkäufe statt neuer Tarifvertrag
Am 15. Oktober 2024 verkündete United Airlines, dass der Vorstand ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar genehmigt hat. Dies kommt nur wenige Wochen nach der Ankündigung des Unternehmens, dass es im dritten Quartal 2024 einen Nettogewinn von 965 Millionen US-Dollar erzielt hat. Für die ersten neun Monate des Jahres lag der Nettogewinn bei 2,1 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 7,2 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese positiven Ergebnisse wurden von der Wall Street mit Wohlwollen aufgenommen – die Aktienkurse der Fluggesellschaft stiegen nach der Ankündigung.
Doch die Gewerkschaft der Flugbegleiter, vertreten durch ihre Präsidentin Sara Nelson und den Vorsitzenden des United Airlines Master Executive Council (MEC), Ken Diaz, verurteilte diesen Schritt scharf. „United Airlines-Management hat einen großen Fehler gemacht“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Sie betonten, dass das Unternehmen trotz der großzügigen Aktienrückkäufe weiterhin die Verträge der Flugbegleiter blockiere. Diese Mitarbeitergruppe sei die einzige bei United, die bislang keinen neuen Vertrag erhalten habe, während andere Beschäftigtengruppen bereits neue Vereinbarungen getroffen hätten.
Flugbegleiter streiken für einen neuen Vertrag
Bereits am 28. August 2024 hatten die Flugbegleiter von United Airlines mit überwältigender Mehrheit von 99,9 % für einen Streik gestimmt. Trotz dieses eindeutigen Votums habe das Management jedoch weiterhin „Verzögerungstaktiken“ angewandt und keine konkreten Fortschritte bei den Verhandlungen erzielt, so Nelson und Diaz. Die Gewerkschaft fordert einen branchenführenden Tarifvertrag, der den Beitrag der Flugbegleiter während der Pandemie und der schwierigen Erholungsphase der Fluggesellschaft würdigt.
Die AFA kritisierte in ihrer Erklärung auch die Tatsache, dass United Airlines nach der COVID-19-Pandemie durch staatliche Hilfsprogramme wie den CARES Act und das Payroll Support Program (PSP) unterstützt wurde, wodurch Aktienrückkäufe zunächst verboten waren. Diese Unterstützung habe es den Fluggesellschaften ermöglicht, in den Betrieb und in neue Verträge zu investieren. Nun sei es aber eine Fehlentscheidung, diese Mittel zur Rückgewinnung von Aktien zu verwenden, anstatt in die Mitarbeiter zu investieren, die während der Pandemie an vorderster Front standen.
Unruhen und drohende Streiks
Der Unmut unter den Flugbegleitern ist nicht nur auf die fehlenden Fortschritte bei den Tarifverhandlungen zurückzuführen, sondern auch auf die zunehmend schwierigen Arbeitsbedingungen. Laut der Federal Aviation Administration (FAA) hat die Zahl der Meldungen über unruhige Passagiere seit 2019 erheblich zugenommen. Während es im Jahr 2019 noch 1.161 Meldungen gab, sind es bis zum 6. Oktober 2024 bereits 1.641 Vorfälle. Flugbegleiter sind somit nicht nur mit den üblichen Belastungen ihres Berufes konfrontiert, sondern auch mit einer wachsenden Zahl von aggressiven und unkooperativen Passagieren.
Die AFA machte klar, dass sie bereit sei, diesen Kampf direkt in die Konzernzentrale von United Airlines im Willis Tower in Chicago zu tragen. Nelson und Diaz kündigten an, daß entweder United Airlines die Forderungen der Flugbegleiter erfüllt, oder es werde CHAOS geben. Dieses Akronym steht für „Create Havoc Around Our System“ und ist eine Strategie der AFA, die auf unregelmäßige Streiks und andere unkonventionelle Arbeitskampfmaßnahmen setzt. Diese Strategie wurde erstmals 1993 eingesetzt und soll den Druck auf das Management erhöhen, ohne dass es zu einem vollständigen Streik kommen muss.
United Airlines verteidigt sich
United Airlines reagierte auf die Kritik mit der Verteidigung seiner Finanzstrategie. Michael Leskinen, der Finanzvorstand der Fluggesellschaft, betonte, dass seit 2020 insgesamt 22 Milliarden US-Dollar in die Produkte und 10 Milliarden US-Dollar in die Mitarbeiter investiert worden seien, was höhere Gewinne ermöglicht habe. Diese Investitionen hätten es dem Unternehmen ermöglicht, freies Cashflow-Wachstum zu generieren, was nun die Rückkäufe rechtfertige. Leskinen erklärte weiter, dass die Fluggesellschaft gleichzeitig plane, ihre Nettoverschuldung in den nächsten Jahren auf unter das 2-Fache zu senken. Das Rückkaufprogramm sei Teil eines „disziplinierten Kapitalrückführungsprogramms“, das durch die wachsenden freien Mittel gedeckt werde.
Auch der CEO von United Airlines, Scott Kirby, lobte die Leistung seiner Mitarbeiter und dankte ihnen dafür, dass sie während des schwierigen Sommers und des dritten Quartals die Kunden gut betreut hätten. Kirby hob hervor, dass die Fluggesellschaft durch die Verbesserung des Kundenerlebnisses und die strategische Initiative „United Next“ gut positioniert sei, um weiterhin an der Spitze der Branche zu stehen.
Zukunft der Tarifverhandlungen
Während United Airlines sich auf ihre finanziellen Erfolge konzentriert, bleibt der Ausgang der Tarifverhandlungen mit den Flugbegleitern ungewiss. Die Gewerkschaft machte deutlich, dass sie bereit sei, alle notwendigen Mittel einzusetzen, um ihre Ziele zu erreichen – inklusive Streiks und anderer Arbeitskampfmaßnahmen. Sollten die Verhandlungen weiterhin stagnieren, könnte dies den Betrieb von United Airlines in den kommenden Monaten erheblich beeinträchtigen.