Eine Flugbegleiterin der amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines hat den europäischen Flugzeugbauer Airbus auf 30 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Die Klage steht im Zusammenhang mit einem Vorfall an Bord eines Airbus A319 der Fluggesellschaft, bei dem die Angestellte mutmaßlich giftige Kabinendämpfe einatmete, was bei ihr zu „ernsten und dauerhaften gesundheitlichen Komplikationen“ geführt haben soll.
Der Vorfall ereignete sich am 11. April 2023 auf dem United Airlines Flug UA2680 von New York-LaGuardia (LGA) nach Denver International Airport (DEN) in Colorado. Nach der sicheren Landung und dem Parken am Gate in Denver schaltete die Flugbesatzung das Hilfstriebwerk (APU) des Flugzeugs ein, um die Klimaanlage und die elektrischen Systeme während des Aufenthalts am Boden aufrechtzuerhalten – ein Routineverfahren.
Starke chemische Gerüche und akute Symptome nach APU-Betrieb
Laut der Aussage der Flugbegleiterin, wie von der Reise-Website PYOK berichtet, bemerkte sie fast unmittelbar nach dem Einschalten der APU einen starken chemischen Geruch, der in die Kabine strömte. Sie entwickelte rasch Symptome wie Erstickungsgefühle, Brennen in Augen und auf der Haut sowie starke Übelkeit. Obwohl sie versuchte, ihre Beschwerden durch Ausspülen der Augen mit Wasser zu lindern, hielten die Symptome an, nachdem alle verbliebenen Passagiere das Flugzeug verlassen hatten.
Die Erklärung führte weiter aus, daß Notfallkräfte am Denver International Airport die Flugbegleiterin untersuchten und erhöhten Blutdruck sowie erhöhte Kohlenmonoxidwerte bei ihr und einem weiteren Kollegen feststellten, der ebenfalls von den Kabinendämpfen betroffen war. Nach der Verlegung in ein örtliches medizinisches Zentrum zeigte eine Röntgenaufnahme der Brust der Flugbegleiterin Auffälligkeiten in der Lunge, die als „wolkiges“ Muster beschrieben wurden, was auf eine chemische Reizung oder Entzündung hindeutet.
Chronische Beschwerden und bleibende Gesundheitsschäden beklagt
Die Flugbegleiterin wurde mit zusätzlichem Sauerstoff behandelt, um ihre Atemnot zu lindern. Nach ihrer Heimkehr verschlechterte sich ihr Zustand weiter mit schweren Hautausschlägen, Ohnmachtsanfällen und anhaltend hohem Blutdruck. Blutuntersuchungen ergaben eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen, was auf eine systemische Entzündung hindeutet. Weitere Krankenhausaufenthalte seien notwendig gewesen.
Den Gerichtsakten zufolge, die in Virginia eingereicht wurden, leidet die zuvor gesunde Flugbegleiterin nun unter chronischen Kopfschmerzen, wiederkehrendem Nasenbluten (das erst kürzlich nachgelassen hat), Halssensibilität und Bluthochdruck, die mutmaßlich mit der Exposition gegenüber giftigen Chemikalien zusammenhängen. Sie gibt an, Schäden an ihrer Schleimhaut im Hals erlitten zu haben, die mit chemischen Verbrennungen übereinstimmen und ihre Stimme beeinträchtigen. Derzeit befinde sie sich in Sprachtherapie, um ihre für die Ausübung ihrer Tätigkeit als Kabinenpersonal unerläßliche Stimmfunktion wiederherzustellen. Darüber hinaus leide sie unter anhaltendem Bluthochdruck und neurologischen Symptomen, die ihre Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.
Klage wirft Airbus Fahrlässigkeit bei Design der Belüftungssysteme vor
Die in einem Bundesgericht in Virginia eingereichte Klage wirft Airbus Fahrlässigkeit bei der Konstruktion der Umweltkontrollsysteme des A319 vor. Es wird argumentiert, daß das Design des Flugzeugs es giftigen Chemikalien (wie sie beispielsweise von Motorölen oder Hydraulikflüssigkeiten abgegeben werden) ermögliche, über die zirkulierende Luft in die Kabine zu gelangen, ein Phänomen, das sich während des Betriebs der APU am Boden noch verstärke.
Die Klage behauptet ferner, daß Airbus es versäumt habe, Fluggesellschaften und deren Mitarbeiter angemessen vor diesen Gefahren zu warnen oder ausreichende Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um diesen entgegenzuwirken oder sie zu vermeiden. Es wird auch darauf hingewiesen, daß es bei Airbus-Flugzeugen im Vergleich zu anderen Herstellern überproportional häufig zu solchen „Dampfereignissen“ komme, was auf inhärente Konstruktionsfehler in den Airbus-Systemen hindeute.
Das Anwaltsteam argumentiert, daß Airbus diese Risiken seit Jahren bekannt seien, das Unternehmen es jedoch versäumt habe, Filtersysteme zu verbessern oder Technologien zur chemischen Erkennung zu implementieren, um die Exposition zu verhindern. Die Klage fordert 30 Millionen Dollar zur Deckung von Arztrechnungen, Verdienstausfällen, seelischem Leid und Strafschadenersatz, um Airbus für die angebliche Fahrlässigkeit zur Rechenschaft zu ziehen.
Kabinendämpfe – ein bekanntes Problem in der Luftfahrt
Analysten zufolge ist das Problem kontaminierter Kabinenluft in der Luftfahrtindustrie seit Jahren bekannt. Solche „Dampfereignisse“ treten in der Regel auf, wenn bei der Flugzeugwartung verwendete Chemikalien oder wenn die Triebwerke laufen, Leckagen in das Zapfluftsystem gelangen, das die Passagierkabine versorgt. Zahlreiche Piloten und Flugbegleiter haben über langfristige gesundheitliche Komplikationen berichtet, die mit wiederholter Exposition gegenüber kontaminierter Kabinenluft zusammenhängen, und es gibt verschiedene Berichte und Studien zu diesem Thema.
Obwohl Fluggesellschaften und Hersteller solche Ereignisse oft als geringfügig heruntergespielt haben, deuten sowohl wissenschaftliche Untersuchungen als auch Augenzeugenberichte darauf hin, daß sie ernste Gesundheitsprobleme verursachen können. Rechtsexperten glauben, daß dieser Fall zukünftige regulatorische Standards beeinflussen und die Hersteller dazu drängen könnte, mehr Verantwortung für die Sicherheit der Kabinenluft zu übernehmen. Die Branche werde die Entwicklung dieser jüngsten Klage aufmerksam verfolgen.