Die US-Bundesluftfahrtbehörde FAA hat eine grundlegende Änderung der Sicherheitsvorschriften für die zivile Luftfahrt verabschiedet. Ab dem Jahr 2027 müssen alle neu zertifizierten Passagierflugzeuge mit Stimmenrekordern (Cockpit Voice Recorders, CVR) ausgestattet sein, die eine Aufzeichnungskapazität von mindestens 25 Stunden aufweisen.
Damit vervielfacht die Behörde die bisherige Pflichtspeicherdauer, die lediglich zwei Stunden betrug. Diese Entscheidung folgt auf langjährigen Druck der Unfallermittlungsbehörde NTSB. Die Ermittler hatten wiederholt kritisiert, dass bei Zwischenfällen wichtige Audiodaten durch den automatischen Überschreibungsprozess verloren gingen, da die Flugbesatzungen die Rekorder nach einer Landung oft nicht rechtzeitig deaktivierten oder die Maschinen den Flugbetrieb fortsetzten.
Mit dieser Neuregelung harmonisieren die Vereinigten Staaten ihre Standards mit den europäischen Vorschriften der EASA, die eine 25-Stunden-Aufzeichnung bereits seit 2021 für neue Flugzeuge vorschreibt. Die technische Umsetzung betrifft insbesondere die Speichermodule der sogenannten Blackbox, die extremen Belastungen wie Hitze, Druck und mechanischer Einwirkung standhalten müssen. Ein wesentlicher Teil der Neuregelung ist zudem eine gesetzliche Frist des US-Kongresses: Bis zum Jahr 2030 müssen sämtliche im Dienst befindlichen Passagierflugzeuge in den USA auf den neuen Standard nachgerüstet werden. Dies stellt Fluggesellschaften vor logistische und finanzielle Herausforderungen, da die Avionik-Systeme älterer Flugzeugtypen teils aufwendig modifiziert werden müssen.
Unfallanalysten betonen die Bedeutung langer Aufzeichnungszeiträume für die Rekonstruktion komplexer Fehlerketten. In der Vergangenheit kam es mehrfach vor, dass die entscheidenden Gespräche während der Vorbereitung eines Fluges oder bei Fehlern, die erst Stunden vor dem eigentlichen Zwischenfall auftraten, nicht mehr abrufbar waren. Der Stimmenrekorder zeichnet nicht nur die Kommunikation zwischen den Piloten und dem Funkverkehr auf, sondern erfasst über Umgebungsmikrofone auch akustische Warnsignale, Triebwerksgeräusche und die Betätigung von Schaltern im Cockpit. Diese Daten sind für die Ermittlung der Unfallursache oft ebenso wichtig wie die Parameter des Flugdatenschreibers (Flight Data Recorder).
Die Luftfahrtindustrie bereitet sich nun auf die Umstellung vor, wobei Hersteller von Avionik-Komponenten bereits Lösungen für die erweiterten Speicherkapazitäten anbieten. Während Pilotengewerkschaften in der Vergangenheit vereinzelt Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Privatsphäre bei sehr langen Aufzeichnungen äußerten, überwiegt in der Branche der Konsens über den Sicherheitsgewinn. Die verbesserte Datenverfügbarkeit soll dazu beitragen, aus Beinahe-Unfällen präzisere Schlüsse zu ziehen und technische Defekte sowie menschliches Versagen schneller zu identifizieren. Durch die Angleichung der US-Normen an das internationale Niveau wird zudem eine weltweit einheitlichere Unfallforschung ermöglicht.