Airbus A319 (Foto: BlogDeBanderas).
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Warten auf die Lizenz: Fastjet Mosambik und das Tauziehen mit der Regierung

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Die mosambikanische Regierung hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie würde die Genehmigung für die Neugründung der Fluggesellschaft Fastjet Mosambik blockieren. Ein Regierungssprecher versicherte, der Lizenzierungsprozess befinde sich in seinen abschliessenden Phasen.

Diese Erklärung steht im direkten Widerspruch zu den wachsenden Bedenken der Fastjet Group, die bereits angedroht hatte, die für das Projekt vorgesehenen Flugzeuge umzulegen, falls die anhaltenden Verzögerungen nicht bald enden. Das Tauziehen zwischen dem privaten Luftfahrtunternehmen und den staatlichen Behörden wirft ein Schlaglicht auf die Spannungen zwischen privatem Unternehmertum und staatlicher Regulierung in einem Markt, der derzeit von einem finanziell angeschlagenen Staatsunternehmen dominiert wird.

Ein komplexer Prozess: Das Verfahren zur Erteilung einer Flugbetriebsgenehmigung

Die Erteilung einer Flugbetriebsgenehmigung (AOC – Air Operator’s Certificate) ist ein mehrstufiger und oft langwieriger Prozess, der für jedes Luftfahrtunternehmen vor dem Start seiner Operationen obligatorisch ist. Die Agência de Informação de Moçambique berichtete, daß der Regierungssprecher Inocencio Impissa die Fortschritte des Antrags von Solenta Aviation Mozambique detailliert darlegte, jenem Unternehmen, das die Marke Fastjet Mosambik als Franchisepartner betreiben will. Der Antrag, der bereits im Februar 2025 eingereicht wurde, durchläuft demnach verschiedene Phasen der behördlichen Prüfung.

Nach Angaben von Herrn Impissa haben die Behörden bereits die finanzielle Kapazität der angehenden Fluggesellschaft, ihre Wartungsverfahren sowie die Qualifikationen des Personals gründlich bewertet und als zufriedenstellend befunden. Die abschliessende Prüfung, so der Sprecher, konzentriere sich nun darauf, ob die geplanten Operationen von Fastjet mit den nationalen Luftverkehrsrichtlinien des Landes übereinstimmen. Eine genaue Zeitangabe für den Abschluß dieser letzten Phase gab der Sprecher jedoch nicht, was die Ungewissheit für das Unternehmen weiterhin aufrechterhält. Die fehlende Transparenz und ein konkreter Zeitplan sind typische Kennzeichen bürokratischer Abläufe, die für private Investoren eine grosse Herausforderung darstellen können.

Der Marktführer in der Krise: LAM und die Chance für einen Konkurrenten

Das Wiederauftauchen von Fastjet in Mosambik hat das Potenzial, den heimischen Luftverkehrsmarkt grundlegend zu verändern. Seit Jahren wird dieser Markt von der staatseigenen Fluggesellschaft LAM – Linhas Aéreas de Moçambique dominiert. LAM hat jedoch in den letzten Jahren mit gravierenden Problemen zu kämpfen, darunter finanzielle Instabilität, operative Schwierigkeiten und wiederkehrende Kapazitätsengpässe. Die Fluggesellschaft stand zeitweise auf der schwarzen Liste der Europäischen Union, was die Wahrnehmung ihrer Betriebsstandards beeinträchtigte.

Die unzuverlässigen Flugpläne und die begrenzten Kapazitäten von LAM haben eine Marktlücke geschaffen, die Fastjet mit seinem Geschäftsmodell füllen möchte. Fastjet plant, mit zwei Embraer E145-Flugzeugen den Betrieb aufzunehmen und die Flotte später auf drei Maschinen zu erweitern. Diese kleineren, regionalen Jets eignen sich ideal für die Erschliessung des inländischen Marktes. Die Wiederaufnahme von Flügen durch einen neuen, auf Effizienz ausgerichteten Konkurrenten würde nicht nur den Wettbewerb steigern, sondern auch die Reisenden in Mosambik mit potenziell niedrigeren Preisen, mehr Auswahl und einer höheren Zuverlässigkeit begünstigen. Für die Regierung stellt der Eintritt eines solchen Wettbewerbers jedoch ein Dilemma dar: die Förderung von Wettbewerb und Wirtschaftswachstum steht im Konflikt mit dem potenziellen Druck, den dies auf das angeschlagene Staatsunternehmen ausübt.

Das strategische Signal: Fastjets Drohung mit der Flottenverlegung

Die Fastjet Group lehnte es ab, die jüngsten Äusserungen der mosambikanischen Regierung zu kommentieren, was als Zeichen der Frustration über die Situation interpretiert werden kann. Zuvor hatte das Unternehmen jedoch eine deutliche Warnung ausgesprochen: Sollten sich die Lizenzierungsverzögerungen fortsetzen, würde es die zwei für die neue Fluglinie vorgesehenen E145-Flugzeuge abziehen und an anderen Standorten einsetzen. Ein solches Manöver ist mehr als nur eine leere Drohung; es ist ein strategisches und kostspieliges Signal an die mosambikanischen Behörden.

Flugzeuge sind teure Vermögenswerte, und die Kosten für das Warten auf behördliche Genehmigungen summieren sich schnell. Jede Stunde, in der ein Flugzeug am Boden steht, stellt einen entgangenen Einnahmen dar. Für eine Billigfluggesellschaft ist eine hohe Auslastung der Flotte von zentraler Bedeutung für die Rentabilität. Die Ankündigung, die Maschinen zu redeployen, zeigt, daß Fastjet ernsthaft in Betracht zieht, seine Investition aus Mosambik abzuziehen und die Ressourcen in andere afrikanische Märkte zu verlagern, in denen die regulatorischen Prozesse reibungsloser ablaufen. Es ist ein Versuch, den Druck auf die Regierung zu erhöhen, den Prozess zügig abzuschliessen, bevor das Unternehmen das Interesse an dem Markt verliert. Fastjet hatte bereits 2017 als virtuelle Fluggesellschaft in Mosambik operiert, gab das Geschäft jedoch 2019 auf, was die Firma vorsichtig agieren lässt.

Das Spannungsfeld: Private Ambition gegen staatliche Regulierung

Der Kern des Konflikts liegt im Spannungsfeld zwischen den Zielen eines privaten Unternehmens und der Rolle eines Staates. Die Regierung Mosambiks betont, daß sie nicht in die Abläufe von Unternehmen eingreifen solle und lediglich den rechtlichen Rahmen zur Verfügung stelle. Diese öffentliche Äusserung steht jedoch im Widerspruch zu der Realität. Langwierige und unbestimmte Genehmigungsprozesse können in der Praxis genauso effektiv sein wie ein direktes Verbot. Das Festhalten an der vagen Formulierung, daß die letzten Prüfungen eine Übereinstimmung mit nationalen Luftverkehrsrichtlinien untersuchen, kann als eine Verzögerungstaktik gewertet werden, um das staatliche Unternehmen LAM vor einem neuen, effizienten Konkurrenten zu schützen.

Die Entscheidung, Fastjet die Lizenz zu erteilen oder nicht, ist somit mehr als ein administrativer Akt. Sie ist ein Indikator für das Engagement Mosambiks für eine offene Marktwirtschaft und seine Bereitschaft, den Wettbewerb zu fördern, selbst wenn dieser die Position eines staatseigenen Unternehmens gefährdet. Das Ergebnis wird nicht nur die Zukunft des mosambikanischen Luftverkehrs beeinflussen, sondern auch das Vertrauen ausländischer Investoren in das Land.

Die Profiteure des Wettbewerbs: Was die Wiederkehr für die Reisenden bedeutet Das Hauptargument für die schnelle Zulassung von Fastjet Mosambik ist der Nutzen für die Reisenden und die Wirtschaft des Landes. Ein wettbewerbsfähiger Markt würde die Flugpreise senken, die Flugpläne zuverlässiger machen und die Konnektivität zwischen den mosambikanischen Städten verbessern. Reisende könnten von einer grösseren Auswahl an Flügen profitieren, die sowohl den Geschäftsverkehr als auch den Tourismus ankurbeln würden. Die Präsenz von Fastjet würde LAM zwingen, seine eigenen Dienstleistungen zu verbessern, seine Effizienz zu steigern und möglicherweise die Preise zu senken, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der freie Wettbewerb dient oft als Katalysator für Innovation und verbessert die gesamte Dienstleistungsqualität in einem Markt.

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