In wenigen Tagen passiert historisches. Die Koralmbahn wird nach Jahrzehnten der Bauzeit die Bundesländer Kärnten und Steiermark miteinander noch näher bringen. Eine Fahrtzeit von nur 41 Minuten verbindet die Landeshauptstädte Graz und Klagenfurt, sofern der Express Zug ohne Zwischenstopps genommen wird.
Nichtsdestotrotz ist kein Halt am Flughafen Graz eingeplant, jedoch kann dieser laut mehreren Machbarkeitsstudien der ÖBB nachträglich immer noch eingebaut werden. Infrastrukturelle Rekord Bauzeiten von wenigen Wochen wie es in China oftmals der Fall ist wird es in Österreich ganz sicher nicht geben. Gerade deshalb ist eine Haltestelle auch in den nächsten Jahren nahezu unvorstellbar.
Zug Fahrtzeiten Klagenfurt – Wien

Mit der Eröffnung der Koralmbahn Mitte Dezember 2025 wird sich die Fahrtzeit zwischen Klagenfurt und dem Wiener Hauptbahnhof auf 3 Stunden 11 Minuten verringern. Der etwas „langsamere“ Zug mit mehr Zwischenhalten entlang der Strecke benötigt 3 Stunden 34 Minuten.
Die bisherige Fahrtzeit betrug 3 Stunden 57 Minuten.

Semmering-Basistunnel Eröffnung 2030
Ab 2030 rückt Österreich endgültig näher zusammen: Die Fahrzeit zwischen Wien und Klagenfurt verkürzt sich laut Planungen dann auf 2 Stunden und 40 Minuten. Die Route führt mit Höchstgeschwindigkeit durch zwei große Gebirgsmassive – den Semmering und die Koralpe. Erstmals wird die magische Grenze von unter drei Stunden gebrochen, was den Zug schneller als das Auto macht. Rechnet man zusätzlich noch die 15 Minuten hinzu, welche ein durchgehender Railjet zum Flughafen Wien benötigt, bleibt man künftig immer noch unter drei Stunden.

Diese berühmt-berüchtigte Zahl wird bei vielen luftfahrtbegeisterten Österreichern wohl Erinnerungen an bestimmte Vorschriften im Regionalluftverkehr wachrufen. Stichwort Flughafen Salzburg. Die Strecke Salzburg – Wien wurde im Jahr 2020 mit dem Beginn der Corona Krise eingestellt und seitdem nie wieder aufgenommen.
„Alle Ziele, die mit dem Zug in unter drei Stunden Fahrzeit erreichbar sind, sollen künftig nicht mehr bedient werden.“
Diese Vereinbarung war Teil des staatlichen Rettungspakets für die Austrian Airlines im Jahr 2020. Federführend an der ganzen Sache waren speziell die Grünen, allen voran die damalige Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler.
Zusätzlich lässt sich nach tieferer Recherche in den Unternehmensmeldungen der Austrian Airlines auch noch folgender spannender Absatz im Schlussteil finden, der in kaum einem Medium so klar und deutlich ausformuliert wurde wie hier:

Aushebelung Kurzstreckenverbot – Wien streichen, Frankfurt installieren
Was wird jetzt aber im Jahr 2030 am Flughafen Klagenfurt größter Wahrscheinlichkeit nach passieren?
Aller Voraussicht nach wird folgendes passieren: Das ökologische Problem wird nicht behoben, sondern verschoben. Der Lufthansa Konzern, der zu 100% Eigentümer der Austrian Airlines ist, wird sich die Entgelte, welche auf der Strecke Klagenfurt – Wien erzielt werden ganz sicher nicht entgehen lassen. Zusätzlich wird ein anderer Player, wie z.B. eine KLM nicht in den Markt hineingelassen werden. Die Lufthansa Gruppe verfügt gefühlsmäßig über eine Monopolstellung im gesamten DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) Raum.
In einfachen Worten: Das auferlegte Reglement der magischen drei Stunden wird mit einem einfachen Trick ausgehebelt. Künftig wird der Flieger dann Richtung Flughafen Frankfurt abheben, was für Klagenfurt ein Riesengewinn wäre. Man wäre mit einem Schlag nicht nur aus der ständigen Ungewissheit der Einstellung von Kurzstreckenflügen raus sondern ist außerdem noch an den wichtigsten Hub der deutschsprachigen Gemeinschaft angebunden.
München als Ersatz macht aus mehreren Punkten kaum Sinn, weil der Umweltaspekt mit potentiellen künftigen EU-Regularien bezüglich der Einstellung von Kurzstreckenflügen hier wie im Fall Wien aufgrund der geografischen Nähe ein Problem werden könnte. Außerdem hat der Münchner Flughafen mit stabilen 40 Millionen Passagieren pro Jahr nur 10 Millionen mehr als der Flughafen Wien, was nicht wirklich eine Verbesserung für Klagenfurt bringt. Wenn sich jemand aussuchen kann, ob er gleich das Top Produkt (Frankfurt) nimmt oder das zweitbeste (München) haben kann, wird er sich natürlich für das bessere entscheiden.
Eine Verbindung nach Frankfurt hätte auch auf lange Sicht nichts zu befürchten – Regularien würden hier aufgrund der großen Distanz der beiden Städte zueinander keinen Strich durch die Rechnung machen.
Es bleibt spannend abzuwarten, welche „Ausfahrt“ der Flughafen Klagenfurt nimmt.

Dieser Beitrag wurde verfasst von: Andreas Knoll.
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