Ein aktueller Vorfall bei Frontier Airlines hat eine Debatte über den Umgang von Fluggesellschaften mit medizinischen Geräten an Bord entfacht. Eine Passagierin, die auf ein tragbares Defibrillator-Gerät angewiesen ist, wurde von ihrem Flug ausgeschlossen, obwohl das Gerät für die Luftfahrt zugelassen ist. Der Fall sorgt nicht nur für Empörung, sondern wirft auch Fragen über die Konsistenz und Transparenz der Vorschriften von Fluggesellschaften auf.
Am 31. März wurde Tonya Roehl, eine Passagierin von Frontier Airlines, gemeinsam mit ihrem Ehemann von einem Flug von Houston nach Phoenix ausgeschlossen. Der Grund: Ihr tragbarer Herzdefibrillator, den sie aufgrund einer kürzlich diagnostizierten Herzkrankheit benötigt.
Das Gerät, ein tragbarer kardialer Defibrillator (Wearable Cardiac Defibrillator, kurz WCD), überwacht die Herzaktivität des Trägers und kann im Notfall elektrische Impulse abgeben, um den Herzrhythmus zu regulieren. Der Hersteller Zoll Medical bestätigt, dass das Gerät für die Luftfahrt zugelassen ist und Patienten es sicher im Flugzeug tragen können.
Laut Berichten hatte Roehl ihr Gerät sowohl bei der Buchung als auch am Flughafen beim Check-in und bei der Sicherheitskontrolle angegeben. Trotzdem untersagte ihr die Crew an Bord das Mitführen des Geräts mit der Begründung, es sei nicht auf der Liste der genehmigten medizinischen Ausrüstungen.
Uneinheitliche Regelungen und Unsicherheit im Umgang mit medizinischer Ausstattung
Besonders brisant an diesem Fall ist, dass Roehl anbot, die Batterien des Geräts zu entfernen, um mögliche Sicherheitsbedenken auszuräumen. Doch selbst dies wurde von der Crew abgelehnt. Die Begründung lautete, dass das Gerät auch ohne Batterien nicht mitgeführt werden dürfe.
Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) sowie die meisten Airlines haben klare Richtlinien für medizinische Geräte an Bord. Grundsätzlich sind tragbare Sauerstoffkonzentratoren, Beatmungsgeräte und Defibrillatoren erlaubt, solange sie den Vorschriften entsprechen. Doch die Anwendung dieser Regeln scheint von Airline zu Airline unterschiedlich zu sein.
Ein Sprecher von Frontier Airlines teilte mit, dass der Fall intern überprüft werde. Man habe Roehl inzwischen kontaktiert, um ihre Sichtweise einzuholen, und eine Rückerstattung des Ticketpreises angeboten.
Ähnliche Fälle häufen sich – auch andere Airlines betroffen
Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorkommnisse ein. Erst vor wenigen Wochen kam es auf einem United Airlines-Flug zu einem vergleichbaren Zwischenfall. Eine Mutter, die mit ihrem zweijährigen Sohn reiste, wurde von der Crew aufgefordert, die lebenserhaltenden medizinischen Geräte ihres Kindes – darunter ein Beatmungsgerät und eine Tracheostomie-Tube – zu entfernen. Die Situation eskalierte, bis der Kapitän eingreifen musste. Der Flug verzögerte sich um eine Stunde, und die Airline entschuldigte sich später.
Diese Vorfälle zeigen, dass es offenbar erhebliche Unsicherheiten im Umgang mit medizinischen Geräten an Bord gibt. Patienten, die auf spezielle Ausrüstung angewiesen sind, stehen immer wieder vor unerwarteten Hindernissen.
Medizinische Geräte im Flugverkehr: Was Betroffene wissen sollten
Die Luftfahrtindustrie versucht, das Reisen für Menschen mit besonderen medizinischen Bedürfnissen so reibungslos wie möglich zu gestalten. Dennoch kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten, insbesondere wenn Flugbegleiter oder Bodenpersonal nicht ausreichend über die Vorschriften informiert sind.
Experten raten Passagieren mit medizinischen Geräten zu folgenden Maßnahmen:
- Frühzeitige Anmeldung bei der Airline: Bereits bei der Buchung sollte angegeben werden, ob spezielle medizinische Geräte mitgeführt werden.
- Ärztliche Bescheinigung mitführen: Ein offizielles Dokument des behandelnden Arztes kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden.
- Mitnahme der Gerätevorschriften des Herstellers: Viele Hersteller stellen offizielle Dokumente aus, die bestätigen, dass das Gerät für den Flugverkehr zugelassen ist.
- Direkte Kommunikation mit dem Bordpersonal: Oft hilft es, den Flugbegleitern die Funktionsweise und Notwendigkeit des Geräts zu erklären.
Die Verantwortung der Fluggesellschaften
Während es für Passagiere ratsam ist, sich bestmöglich vorzubereiten, liegt die Hauptverantwortung bei den Airlines. Es ist entscheidend, dass das Personal geschult ist, um mit medizinischen Sonderfällen angemessen umzugehen.
Fluggesellschaften müssen sicherstellen, dass ihre internen Regelwerke mit den offiziellen Richtlinien der FAA und anderer Luftfahrtbehörden übereinstimmen. Zudem sollten klare Kommunikationswege bestehen, damit das Bodenpersonal, die Sicherheitskräfte und die Crew einheitliche Informationen erhalten.
Besonders problematisch ist, dass die Listen zugelassener Geräte offenbar nicht immer aktuell sind. Hersteller wie Zoll Medical, deren Produkte für den Flugverkehr zugelassen sind, sollten enger mit den Airlines zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass medizinische Geräte nicht willkürlich abgelehnt werden.
Ein systemisches Problem, das Lösungen erfordert
Der Fall von Tonya Roehl und ähnliche Vorfälle bei anderen Fluggesellschaften verdeutlichen, dass es in der Luftfahrtbranche dringenden Handlungsbedarf gibt. Menschen mit lebenswichtigen medizinischen Geräten müssen darauf vertrauen können, dass sie ohne Diskriminierung reisen können.
Während einige Fluggesellschaften ihre Vorschriften regelmäßig überarbeiten, gibt es weiterhin erhebliche Unsicherheiten. Eine bessere Schulung des Personals, klarere Vorschriften und eine engere Zusammenarbeit mit den Herstellern medizinischer Geräte könnten dazu beitragen, solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden.
Die Entscheidung von Frontier Airlines, Roehl aus dem Flugzeug zu verweisen, hat eine Debatte über die Rechte von Passagieren mit medizinischen Bedürfnissen ausgelöst. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Fall zu einer Änderung der Airline-Richtlinien führen wird oder ob betroffene Passagiere weiterhin mit Unwägbarkeiten rechnen müssen.