Rendering Innenraum Stadler Smile (Rendering: Westbahn).
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Wettbewerb auf der Hochleistungsstrecke: Westbahn erweitert Angebot auf der Koralmbahn

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Ab dem 1. März 2026 erfährt der österreichische Schienenpersonenverkehr eine signifikante Erweiterung durch den Markteintritt der privaten Westbahn auf der neuen Südstrecke. Zweieinhalb Monate nach der feierlichen Eröffnung der Koralmbahn zwischen Graz und Klagenfurt bricht damit das Monopol der staatlichen Bundesbahnen auf dieser Relation.

Das private Eisenbahnunternehmen wird zunächst mit drei täglichen Verbindungen zwischen Wien und Villach starten und setzt dabei auf hochmoderne Garnituren des Schweizer Herstellers Stadler Rail, die speziell für die Anforderungen der neuen Hochleistungsstrecke konzipiert wurden. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde und einer Fahrzeit von drei Stunden und 37 Minuten positioniert sich der neue Anbieter als direkter Konkurrent zum bestehenden Fernverkehrsangebot. Während derzeit noch intensive Schulungsfahrten für das Personal stattfinden, bereitet sich das Unternehmen auf einen stufenweisen Ausbau des Fahrplans vor, der bis Ende Mai in einen dichten Taktverkehr münden soll. Trotz laufender Bauarbeiten im Bereich des Semmerings und damit verbundener logistischer Anpassungen verspricht der neue Akteur eine Steigerung der Kapazitäten und eine neue Qualität im alpenquerenden Bahnverkehr.

Technische Innovationen und Personalschulung im Führerstand

Die Vorbereitungen für den Betriebsstart am 1. März laufen derzeit auf Hochtouren. Ein zentrales Element bilden dabei die Schulungsfahrten der insgesamt 40 Lokführerinnen und Lokführer der Westbahn. Diese müssen sich mit den Besonderheiten der Koralm-Hochleistungsstrecke vertraut machen, die technisch zu den modernsten Schienenwegen Europas zählt. Ein markanter Unterschied zum herkömmlichen Streckennetz ist der Verzicht auf klassische Lichtsignale am Streckenrand. Die Steuerung und Information der Züge erfolgt über das europäische Zugsicherungssystem ETCS Level 2. Hierbei werden alle relevanten Daten, wie etwa aktuelle Geschwindigkeitsvorgaben, Bremskurven oder Informationen über verkehrsbedingte Halte, direkt auf die Displays im Führerstand übertragen.

Für diese Test- und Schulungsfahrten setzt die Westbahn bereits eine Garnitur ein, die optisch auffällig mit Werbebotschaften für Kulturinstitutionen aus der Steiermark und Kärnten gestaltet ist. Dies dient nicht nur der technischen Erprobung, sondern auch der regionalen Verankerung des neuen Angebots. Die Komplexität der Strecke, insbesondere die langen Tunnelabschnitte wie der 33 Kilometer lange Koralmtunnel, erfordert von den Triebfahrzeugführern höchste Präzision und eine genaue Kenntnis der Sicherheitsvorgaben im Hochgeschwindigkeitsbereich.

Stadler-Züge für die Südstrecke: Komfort und Geschwindigkeit

Die für den Einsatz auf der Südstrecke vorgesehenen Züge wurden eigens für dieses Einsatzgebiet bei Stadler Rail in der Schweiz bestellt und gefertigt. Die Auslieferung der neuen Garnituren erfolgt derzeit sukzessive. Diese Züge sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde zugelassen, was sie zu den schnellsten Einheiten im privaten österreichischen Fuhrpark macht. Jede Garnitur bietet über 420 Sitzplätze und ist in Bezug auf die Innenausstattung auf die Bedürfnisse von Langstreckenreisenden zugeschnitten.

Neben großzügigen Sitzabständen und modernster Klimatechnik verfügen die Züge über eine Infrastruktur, die sowohl Geschäftsreisenden als auch Touristen entgegenkommt. Die Westbahn betont dabei eine neue Qualität im Service, die sich durch das bewährte Mehrklassensystem und gastronomische Angebote an Bord auszeichnet. Die Fahrzeit zwischen Villach und dem Wiener Hauptbahnhof bleibt mit rund drei Stunden und 37 Minuten konkurrenzfähig zu den schnellsten Verbindungen der ÖBB, wobei die Westbahn durch eine spezifische Haltestellenpolitik zusätzliche regionale Zentren erschließt.

Etappenplan bis zum vollen Sommerangebot

Der Markteintritt erfolgt in mehreren Phasen, um einen stabilen Betrieb zu gewährleisten und auf externe Gegebenheiten reagieren zu können. Der Startschuss am 1. März umfasst drei Zugpaare pro Tag. Eine erste Ausweitung ist bereits für den 26. März geplant. Ab diesem Zeitpunkt wird das Angebot an nachfragestarken Tagen – insbesondere rund um Wochenenden, Osterferien und gesetzliche Feiertage – auf fünf tägliche Verbindungen aufgestockt.

Verzögerungen im geplanten Vollbetrieb ergeben sich jedoch durch notwendige Infrastrukturmaßnahmen der ÖBB. Da auf der Strecke umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt werden, verschiebt sich die Einführung des vollständigen täglichen Fünf-Gang-Menüs an Verbindungen auf Ende Mai. Eine weitere betriebliche Besonderheit betrifft den Semmering-Abschnitt: Aufgrund der Baustellenlage können die Züge bis zum 29. Mai nicht planmäßig am Semmering halten. Als Ersatzhalt dient in diesem Zeitraum der Bahnhof Payerbach-Reichenau, was insbesondere für Wanderer und Ausflügler in der Region eine wichtige Auskunft darstellt.

Regionale Vernetzung und strategische Haltepunkte

Trotz der Ausrichtung auf den Fernverkehr legt die Westbahn Wert auf eine feingliedrige Anbindung der Regionen entlang der Südstrecke. Der Fahrplan sieht Halte in Wien Meidling, Wiener Neustadt, Bruck an der Mur, Graz Hauptbahnhof, Kühnsdorf, Klagenfurt am Wörthersee und Pörtschach am Wörthersee vor, bevor die Züge ihren Endpunkt in Villach erreichen. Durch diese Haltestellenstruktur werden wichtige Pendlerknoten und touristische Ziele direkt miteinander verknüpft.

Besonderes Augenmerk wird auf die Anschlussmobilität gelegt. In den Knotenpunkten Graz und Klagenfurt sind die Ankunfts- und Abfahrtszeiten so getaktet, dass gute Übergänge zu den Regionalzügen bestehen. Dies betrifft unter anderem Verbindungen in das Rosental, nach Maria Saal, St. Veit sowie Anschlüsse in Richtung Jauntal und Lavanttal. Damit positioniert sich die Westbahn nicht nur als Punkt-zu-Punkt-Anbieter zwischen den Landeshauptstädten, sondern als integrierter Bestandteil des südösterreichischen Verkehrssystems. Die Erschließung des Umlandes von Graz spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die Anbindung der Kärntner Seenregion.

Wirtschaftliche Bedeutung des Wettbewerbs auf der Schiene

Die Öffnung der Südstrecke für einen zweiten Anbieter wird von Verkehrsexperten als positiver Impuls für den Wirtschaftsstandort gewertet. Wettbewerb auf der Schiene führt erfahrungsgemäß zu einer höheren Servicequalität und attraktiveren Preismodellen für die Kunden. Die Koralmbahn, als eines der größten Infrastrukturprojekte der Zweiten Republik, bietet durch ihre Kapazitäten den notwendigen Raum für mehrere Akteure.

Die Westbahn investiert massiv in neues Rollmaterial und Personal, um auf diesem neuen Marktsegment bestehen zu können. Während die Weststrecke zwischen Wien und Salzburg bereits seit Jahren ein Erfolgsmodell für den Wettbewerb darstellt, ist die Südstrecke aufgrund ihrer topographischen Herausforderungen und der neuen Tunnelanlagen ein technisch wie betriebswirtschaftlich anspruchsvolles Terrain. Der Erfolg ab dem 1. März wird maßgeblich davon abhängen, wie zuverlässig die neuen Stadler-Züge im Zusammenspiel mit der ETCS-Technik und den Baustellenfahrplänen agieren. Für die Fahrgäste in Wien, der Steiermark und Kärnten bedeutet der Eintritt der Westbahn jedenfalls ein deutliches Plus an Wahlmöglichkeiten und eine weitere Stärkung der Schiene gegenüber dem Individualverkehr auf der Südautobahn.

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