Die Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Wien sowie die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) fordern ein Aussetzen der für Juli 2027 gesetzlich vorgesehenen Anhebung der Ortstaxe von 5 auf 8 Prozent. Grund für die Forderung sind rückläufige Ertragskennzahlen der Wiener Beherbergungsbetriebe.
Nach Angaben des STR-Hotelbenchmarks sank im August 2026 der Erlös pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) um 2,8 Prozent auf 84,6 Euro im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gleichzeitig gingen die durchschnittliche Zimmerauslastung auf 74,1 Prozent sowie die erzielten Zimmerpreise auf 114,1 Euro zurück. Bereits Anfang Juli 2026 war die Ortstaxe von 3,2 auf 5 Prozent angehoben worden, was zusammen mit dem Wegfall von Berechnungsabzügen die Betriebe finanziell belastete.
Die Vertreter der Hotelbranche, Felix Neutatz (Wirtschaftskammer Wien) und Alexander Ipp (ÖHV), betonen, dass hohe Nächtigungszahlen nicht automatisch eine solide Ertragslage bedeuten. In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 lag der RevPAR um 2,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau, während Betriebskosten für Energie, Personal und Wareneinkauf weiter anstiegen. Die Weitergabe einer höheren Ortstaxe an die Gäste stößt nach Einschätzung der Verbände an Grenzen, da Preiserhöhungen im internationalen Städtetourismus zu Nachfragerückgängen führen können. Wird die Taxe hingegen nicht weitergegeben, verringert sich die Gewinnspanne der Beherbergungsbetriebe direkt.
Neben dem Stopp der weiteren Abgabenerhöhung verlangen die Branchenvertreter eine stärkere Zweckwidmung der kommunalen Steuereinnahmen für den Tourismusbereich sowie die Erlaubnis einer separaten Ausweisung der Abgabe auf Rechnungen. Die Stadt Wien nutzt die Einnahmen aus der Ortstaxe bislang für das allgemeine Budget sowie zur Finanzierung der städtischen Tourismuswerbung durch den WienTourismus. Ähnliche Debatten über die Erhöhung von Bettensteuern und Tourismusabgaben finden derzeit in weiteren europäischen Metropolen wie Amsterdam, Barcelona und Prag statt, wo Kommunen versuchen, steigende Infrastrukturkosten über Touristenabgaben zu decken, während Gewerbetreibende Einbußen bei der Wettbewerbsfähigkeit befürchten.
Finanzanalysten und Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Wiener Hotellerie vor dem Hintergrund gestiegener Kapazitäten im Budget- und Premiumsegment unter einem veränderten Buchungsverhalten leidet. Während Freizeitreisende zunehmend preisempfindlicher reagieren, ist der Geschäftstourismus nach der Pandemie noch nicht wieder auf allen Teilmärkten vollumfänglich konsolidiert. Der Spielraum für Preissteigerungen bleibt damit eng begrenzt, was bei fortlaufend steigenden Steuern und Abgaben die Gefahr von Margenverlusten bei kleineren und mittelständischen Betrieben erhöht.