Die norwegische Fluggesellschaft Norwegian Air hat Pläne zur Implementierung des satellitengestützten Internetdienstes Starlink vorerst eine Absage erteilt. Konzernchef Geir Karlsen begründete diese Entscheidung primär mit dem Geschäftsmodell des Unternehmens, das auf kostenpflichtigen Zusatzleistungen basiert. Laut Karlsen lasse das aktuelle Konzept von Starlink, das vom Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben wird, keine Gebührenerhebung gegenüber den Fluggästen zu. Da Norwegian jedoch auf Einnahmen aus dem Verkauf von WLAN-Paketen angewiesen ist, um die niedrigen Basispreise der Flugtickets zu stützen, bleibt die Airline bei ihrem bisherigen Anbieter.
Neben den finanziellen Aspekten verwies die Führungsebene von Norwegian auf technische Hürden. Bisher fehlt für die Boeing 737, die den Kern der Flotte bildet, die notwendige Zertifizierung für die Starlink-Hardware. Zwar wird eine entsprechende Zulassung für die Zukunft erwartet, doch zum jetzigen Zeitpunkt stellt dies ein zusätzliches Hindernis für die Kurz- und Mittelstreckenflotte dar. Damit unterscheidet sich die Strategie deutlich von Premium-Anbietern wie Qatar Airways oder der Lufthansa, die den Highspeed-Dienst bereits als Teil ihres Serviceversprechens nutzen oder die Einführung vorbereiten.
Innerhalb der Branche der preisgünstigen Fluglinien herrscht derzeit eine kontroverse Debatte über die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Dienstes von Elon Musk. So bezifferte Ryanair-Chef Michael O’Leary die potenziellen Kosten für eine flächendeckende Ausrüstung seiner Flotte auf rund 250 Millionen Dollar jährlich und lieferte sich diesbezüglich einen öffentlichen Schlagabtausch mit den Verantwortlichen von SpaceX. Auch der Konkurrent Easyjet prüft zwar eine Kooperation, gab jedoch jüngst bekannt, dass die Rentabilität des Systems für das Segment der Billigflieger zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gegeben sei.
Die Zurückhaltung der großen europäischen Günstig-Airlines zeigt die tiefe Kluft bei der Digitalisierungsstrategie zwischen verschiedenen Marktsegmenten auf. Während Full-Service-Fluggesellschaften Starlink als Instrument zur Kundenbindung und Aufwertung der Kabine begreifen, fokussieren sich Anbieter wie Norwegian primär auf die Kosten-Nutzen-Relation und die Generierung von Nebeneinkünften. Solange die Hardwarekosten und die Nutzungsbedingungen keine direkte Monetarisierung ermöglichen, wird das satellitengestützte Internet in diesem Sektor voraussichtlich nur langsam Einzug halten.