Airbus A321neo (Foto: Jan Gruber).
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Wizz Air kompensiert den Teilrückzug von Ryanair am Flughafen Berlin Brandenburg

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Am Flughafen Berlin Brandenburg vollzieht sich eine spürbare Verschiebung der Marktanteile im Segment der Niedrigpreisfluggesellschaften. Während der irische Anbieter Ryanair angekündigt hat, seine dortige Basis zum Winterflugplan 2026/2027 aufzugeben und das Angebot um schätzungsweise die Hälfte zu reduzieren, verzeichnet die ungarische Wizz Air erhebliche Zuwächse am Hauptstadtflughafen.

Die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg beziffert das Wachstum von Wizz Air im laufenden Sommerhalbjahr auf rund 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bereits in den ersten sechs Monaten des Jahres lag das Plus bei 60 Prozent. Durch die Aufnahme neuer Routen in Richtung Osteuropa sowie zu ausgewählten Zielen in Westeuropa und der Türkei versucht der ungarische Anbieter, Marktanteile zu sichern, die durch den Rückzug des irischen Konkurrenten frei werden. Diese Entwicklung beleuchtet die Volatilität des Billigflugsegments und stellt die Flughafengesellschaft vor neue logistische und finanzielle Abwägungen.

Marktentwicklung und Kapazitätsverschiebungen am Hauptstadtflughafen

Die jüngsten Daten der Betreibergesellschaft verdeutlichen, dass der Berliner Luftverkehrsmarkt nach wie vor einer hohen Dynamik unterliegt. Das erhebliche Wachstum von Wizz Air kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Infrastruktur des Flughafens Berlin Brandenburg eine stabilere Auslastung anstrebt. Die Entscheidung des ungarischen Anbieters, die angebotenen Sitzplatzkapazitäten fast zu verdoppeln, betrifft eine Reihe von neuen Direktverbindungen. Neu in den Flugplan aufgenommen wurden Destinationen wie Bratislava, London, Istanbul, Sarajevo, Belgrad und Kavala. Gleichzeitig zeigt sich bei anderen Routen wie Cluj und Temeswar ein wechselhaftes Bild, da diese Ziele von der Fluggesellschaft je nach saisonaler Nachfrage flexibel in das Programm aufgenommen oder wieder gestrichen werden.

Das Nebeneinander verschiedener Fluggesellschaften auf stark frequentierten Strecken wird am Beispiel der Verbindung nach Sofia deutlich, die neben Wizz Air auch von Bulgaria Air und Ryanair bedient wird. Für den Flughafen bedeutet diese hohe Dichte an Anbietern auf einzelnen Strecken eine intensive Auslastung der Abfertigungskapazitäten in spezifischen Zeitfenstern. Die Flughafenchefin Aletta von Massenbach wies darauf hin, dass die Gespräche über den Ausbau der Flugpläne mit verschiedenen Fluggesellschaften, darunter auch Eurowings, bereits lange vor den jüngsten Reduzierungen anderer Marktteilnehmer eingeleitet wurden. Das kontinuierliche Wachstum zweier Akteure mindert somit das Risiko eines drastischen Einbruchs der Passagierzahlen am Standort.

Fokus auf Osteuropa und das Potenzial des südeuropäischen Marktes

Die Ausrichtung von Wizz Air basiert traditionell auf einer starken Verankerung im osteuropäischen Raum. Dieser Markt ist durch einen kontinuierlichen Zuwachs gekennzeichnet, der maßgeblich von einer spezifischen Nachfragestruktur getragen wird. Ein wesentlicher Anteil der Passagiere reist aus familiären oder beruflichen Gründen zwischen Deutschland und den Ländern Mittel- und Osteuropas. Diese Form des Reiseverkehrs erweist sich im Vergleich zum reinen Freizeittourismus als weniger konjunkturanfällig, da regelmäßige Heimreisen von Arbeitskräften und deren Angehörigen eine verlässliche Grundauslastung der Maschinen garantieren.

Neben dem osteuropäischen Kernmarkt rückt zunehmend der südeuropäische Raum in den Blickpunkt der Planungen. Wizz Air hat sich in den vergangenen Jahren zu einer bedeutenden Kraft auf dem italienischen Markt entwickelt und besetzt dort mittlerweile den zweiten Platz im Ranking der Fluggesellschaften. Am Flughafen Berlin Brandenburg ist dieses Angebot bislang jedoch nur in Ansätzen sichtbar. Nach Einschätzung der Flughafenleitung bestehen auf den Relationen zwischen der deutschen Hauptstadt und italienischen Metropolen Transportbedarfe, die durch das aktuelle Angebot nicht vollständig abgedeckt werden. Die laufenden Verhandlungen zwischen der Flughafengesellschaft und dem ungarischen Unternehmen konzentrieren sich daher auf die Frage, inwieweit zusätzliche Kapazitäten für den italienischen Markt mobilisiert werden können, um bestehende Lücken im mitteleuropäischen Streckennetz zu schließen.

Der Teilrückzug des irischen Wettbewerbers und die Gebührendebatte

Der Ausbau des Angebots von Wizz Air steht in direktem Kontrast zur Entwicklung bei Ryanair. Der irische Branchenprimus hat beschlossen, seine sieben am Flughafen Berlin Brandenburg stationierten Flugzeuge zum Ende des Sommerflugplans im Oktober abzuziehen und die dortige Basis vollständig aufzulösen. Dies hat zur Folge, dass das Flugangebot von Ryanair ab Berlin im kommenden Winter um etwa die Hälfte schrumpfen wird. Betroffen von den Streichungen sind unter anderem Verbindungen nach Bologna, Tallinn und Pisa, während hochfrequentierte Strecken wie die Verbindung nach London erheblich ausgedünnt werden. Berlin bleibt zwar im Streckennetz der Fluggesellschaft enthalten, wird jedoch künftig primär von Flugzeugen bedient, die an ausländischen Basen stationiert sind.

Als primären Grund für diesen Schritt nennt Ryanair die aus ihrer Sicht zu hohen Standortkosten in Deutschland. Die Fluggesellschaft kritisiert seit geraumer Zeit die Erhöhung der staatlichen Luftverkehrsteuer sowie die Höhe der lokalen Flughafenentgelte. Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg widerspricht dieser Darstellung jedoch in Teilen und betont, dass eine einseitige Erhöhung der Entgelte für den Zeitraum bis zum Jahr 2029 nicht geplant sei. Branchenkenner weisen darauf hin, dass Billigfluggesellschaften extrem sensibel auf die Kostenstrukturen an den einzelnen Standorten reagieren, da ihre Gewinnmargen auf einer maximalen Auslastung bei minimalen Betriebskosten basieren. Der Abzug von Flugzeugen ist daher oft ein Instrument in Verhandlungen über Gebührensenkungen, führt im Fall von Berlin jedoch dazu, dass konkurrierende Fluggesellschaften die frei gewordenen Marktanteile übernehmen.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Perspektiven für den BER

Für die Betreibergesellschaft des Flughafens Berlin Brandenburg bringt die aktuelle Verschiebung im Anbietergefüge sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Auf der einen Seite zeigt das deutliche Wachstum von Wizz Air, dass der Standort Berlin und die umliegende Region nach wie vor eine hohe Anziehungskraft für internationale Fluggesellschaften besitzen. Die Erhöhung der Frequenzen auf bestehenden Strecken und die Erschließung neuer Destinationen stabilisieren die Einnahmen aus den Passagierentgelten und sichern die Auslastung der Terminals im Midfield-Bereich. Da das Terminal 5 weiterhin dauerhaft geschlossen bleibt, um den Verkehr an einer zentralen Stelle zu bündeln, ist eine effiziente Auslastung des Hauptgebäudes für die wirtschaftliche Konsolidierung des hochverschuldeten Flughafenunternehmens von zentraler Bedeutung.

Auf der anderen Seite mahnen Luftfahrtanalysten zur Vorsicht. Der Austausch eines Anbieters durch einen anderen im Low-Cost-Segment führt nicht zwangsläufig zu einer qualitativen Weiterentwicklung des Flugangebots. Zudem bleibt abzuwarten, ob Wizz Air das Wachstum in diesem Umfang langfristig aufrechterhalten kann, da auch diese Fluggesellschaft mit den allgemeinen Herausforderungen der Branche wie Personalengpässen und Verzögerungen bei der Auslieferung neuer Flugzeuge konfrontiert ist. Die starke Fokussierung auf den osteuropäischen Markt bietet zwar Stabilität, schränkt jedoch die Diversifikation des Flughafens in Richtung anderer internationaler Märkte ein. Das Management des Flughafens steht somit vor der Aufgabe, das Gleichgewicht zwischen etablierten Linienfluggesellschaften und den expandierenden Billigfliegern zu wahren, um den Standort langfristig wirtschaftlich rentabel aufzustellen.

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