ICE3neo (Foto: DB AG/VOlker Emersleben).
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Zwischen operativem Aufschwung und struktureller Schuldenlast: Die Bilanz der Deutschen Bahn für das Geschäftsjahr 2025

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Der Staatskonzern Deutsche Bahn (DB) hat das Geschäftsjahr 2025 mit einer tief gespaltenen Bilanz abgeschlossen. Während das operative Geschäft nach Jahren der Verluste erstmals wieder in die Gewinnzone zurückkehrte und ein historischer Fahrgastrekord die anhaltende Relevanz des Schienenverkehrs unterstreicht, wird das Gesamtergebnis durch massive Abschreibungen und die Last einer maroden Infrastruktur nach unten gezogen.

DB-Chefin Evelyn Palla, die den Konzern in einer Phase des radikalen Umbaus führt, mahnte angesichts der Zahlen zur Bescheidenheit und betonte, dass der Weg zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit noch weit sei. Das Jahr 2025 markiert dabei eine Zäsur, da der Verkauf der Logistiktochter DB Schenker die Finanzkraft des Konzerns kurzfristig massiv stärkte und den Schuldenabbau ermöglichte, gleichzeitig aber den profitabelsten Unternehmensteil aus dem Portfolio entfernte. Mit einem operativen Gewinn von 297 Millionen Euro steht die Bahn vor der Herausforderung, dieses Ergebnis ohne die Querfinanzierung durch Logistikgewinne zu verstetigen, während gleichzeitig Rekordinvestitionen in das Schienennetz fließen müssen, um die Pünktlichkeit und Qualität wieder auf ein akzeptables Niveau zu heben.

Positive Signale im operativen Kerngeschäft

Die wirtschaftlichen Kennzahlen des vergangenen Jahres zeigen eine deutliche Erholung im laufenden Betrieb. Der Konzernumsatz konnte um drei Prozent auf rund 27 Milliarden Euro gesteigert werden. Besonders bemerkenswert ist die Verbesserung des operativen Konzernergebnisses (EBIT bereinigt) um 630 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Damit gelang der Sprung von den roten Zahlen in ein Plus von 297 Millionen Euro. Nahezu alle Geschäftsfelder des Konzerns trugen zu dieser positiven Entwicklung bei, was auf eine gesteigerte Effizienz und eine hohe Nachfrage hindeutet.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war der Schienenpersonenverkehr. Mit insgesamt 1,93 Milliarden Fahrgästen verzeichnete die Deutsche Bahn einen neuen Rekordwert. Vor allem der Regionalverkehr erwies sich als Wachstumsmotor. Rund 1,8 Milliarden Menschen nutzten die Züge von DB Regio, was einem Zuwachs von 3,4 Prozent entspricht. Dieser Erfolg ist zum einen auf das bundesweit gültige Deutschlandticket zurückzuführen, das die Hürden für den Umstieg auf die Schiene deutlich gesenkt hat. Zum anderen profitierte die DB von neu gewonnenen Streckenausschreibungen, etwa in Sachsen-Anhalt sowie auf der strategisch wichtigen Verbindung zwischen Stuttgart und dem Bodensee. Im Fernverkehr blieb die Nachfrage mit 136 Millionen Reisenden stabil, was angesichts der zahlreichen Baustellen und der damit verbundenen Unannehmlichkeiten als Erfolg gewertet wird.

Die Belastung durch das Infrastruktur-Erbe

Trotz der operativen Gewinne weist die Bilanz unter dem Strich ein negatives Jahresergebnis nach Steuern von minus 2,3 Milliarden Euro aus. Dieser hohe Verlust ist primär auf Sondereffekte und notwendige Wertberichtigungen zurückzuführen. Eine Abschreibung in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro bei DB Fernverkehr belastete das Ergebnis massiv. Die Bahn begründet diesen Schritt mit geringeren Umsatzerwartungen in dieser Sparte. Ein wesentlicher Faktor hierfür ist die Entscheidung, die Generalsanierungen der hochbelasteten Korridore bis zum Jahr 2036 zu strecken.

Diese zeitliche Ausdehnung der Sanierungsmaßnahmen führt zu einem sogenannten Baustellen-Paradoxon: Die Infrastruktur bleibt länger in einem maroden Zustand, was die Erholung der Pünktlichkeitswerte verlangsamt und somit die Attraktivität des Fernverkehrs kurzfristig dämpft. Die mangelnde Qualität des Schienennetzes bleibt das Nadelöhr für das gesamte System. Dass die Brutto-Investitionen im Jahr 2025 auf einen Rekordwert von 22 Milliarden Euro stiegen – wovon 19 Milliarden Euro direkt in die Infrastruktur flossen – unterstreicht die gewaltige Dimension der anstehenden Aufgaben.

Der Schenker-Effekt und der Schuldenabbau

Ein entscheidender Wendepunkt für die Konzernfinanzen war der Verkauf der Logistiktochter DB Schenker. Inklusive der Erlöse aus dieser Transaktion erzielte die Deutsche Bahn einen rechnerischen Jahresüberschuss von 5,3 Milliarden Euro. Dieser Buchgewinn darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um einen einmaligen Effekt handelt. Die Erlöse wurden, wie mit dem Bund vereinbart, vorrangig zur Reduzierung der Netto-Finanzschulden eingesetzt. Diese sanken zum Stichtag 31. Dezember 2025 um 11,9 Milliarden Euro auf rund 20,7 Milliarden Euro.

Der Fahrgastverband Pro Bahn lobte die Strategie der Konzernleitung. Der Vorsitzende Detlef Neuß hob hervor, dass DB-Chefin Evelyn Palla eine neue Kultur der Ehrlichkeit etabliert habe. Anstatt unrealistische Versprechen über eine schnelle Besserung abzugeben, benenne sie die strukturellen Defizite klar beim Namen. Dennoch bleibe die Bahn auf die Unterstützung des Eigentümers angewiesen. Neuß forderte, dass angesichts der Milliardenverluste im Kerngeschäft von staatlicher Seite mehr Kapital in das System fließen müsse, um die notwendigen Modernisierungen zu beschleunigen.

Sanierungsdruck bei DB Cargo

Während der Personenverkehr floriert, bleibt die Gütersparte DB Cargo das Sorgenkind des Konzerns. Als einziges Geschäftsfeld verbuchte DB Cargo im Jahr 2025 ein negatives operatives Ergebnis. Zwar konnte das Defizit durch erste Sanierungsmaßnahmen um 350 Millionen Euro verringert werden, doch die Leistungs- und Umsatzrückgänge sind weiterhin besorgniserregend. Für das Jahr 2026 hat die Konzernleitung einen Sanierungsplan angekündigt, der laut offizieller Mitteilung „sehr harte Einschnitte“ vorsehen wird.

Ziel ist es, die Sparte wieder wettbewerbsfähig zu machen und die Prozesse so zu verschlanken, dass sie auch ohne dauerhafte Subventionen durch den Gesamtkonzern bestehen kann. Dies wird voraussichtlich strukturelle Anpassungen im Netzwerk und beim Personal bedingen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sieht in den aktuellen Bilanzzahlen zwar die Weichen für einen Neuanfang gestellt, mahnte jedoch über eine Sprecherin an, dass vor allem bei Qualität, Service und Pünktlichkeit noch erhebliche Herausforderungen zu meistern seien.

Ausblick auf das Jahr des Aufbruchs

Für das Jahr 2026 plant die Bahn gemeinsam mit dem Bund Investitionen in Höhe von über 23 Milliarden Euro. Evelyn Palla bezeichnet das kommende Jahr als das „Jahr des Umbaus und des Aufbruchs“. Die Strategie sieht vor, die Kapazitäten im Netz schrittweise zu erhöhen, auch wenn dies kurzfristig durch die massiven Bauarbeiten zu weiteren Einschränkungen im Fahrplan führen wird. Das Ziel bleibt die Erwirtschaftung nachhaltiger Jahresüberschüsse, um künftige Investitionen wieder aus eigener Kraft stemmen zu können.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Bahn die hohe Nachfrage, insbesondere zu Stoßzeiten wie Ostern, trotz der infrastrukturellen Engpässe bewältigen kann. Die stabilen Passagierzahlen im Fernverkehr und das Wachstum im Regionalverkehr belegen, dass das System Schiene trotz aller Mängel von der Bevölkerung angenommen wird. Die wirtschaftliche Gesundung des Staatskonzerns hängt nun maßgeblich davon ab, wie effizient die Rekordmittel in die Sanierung fließen und ob es gelingt, DB Cargo dauerhaft zu stabilisieren.

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