Arbeitsmarktservice (Foto: Robert Spohr).
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120 Mitarbeiter beim AMS angemeldet: Malta Air macht Basis Wien dicht

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Die Ryanair-Tochter Malta Air wird ihre derzeit aus fünf Maschinen bestehende Basis in Wien-Schwechat mit März 2026 schließen. Die rund 120 Mitarbeiter wurden Unternehmensangaben nach bereits beim Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice Niederösterreich angemeldet.

Der Konzern zieht fünf seiner 19 in Wien stationierten Flugzeuge ab und hat diesbezüglich rund 120 Mitarbeiter zur Anmeldung beim Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice (AMS) veranlasst. Die Entscheidung bedeutet die Schließung einer der beiden Wiener Basen, der Malta Air Limited-Basis, mit Wirkung zum März 2026.

Während die Basis der Tochtergesellschaft Lauda Europe mit 14 Airbus A320-Flugzeugen am Standort verbleibt, werden die abgezogenen Boeing-Maschinen zur Kapazitätssteigerung an andere Standorte, vornehmlich in Südeuropa und Osteuropa, verlagert. Die Maßnahme wird von Ryanair als direkte Reaktion auf die Beibehaltung der nationalen Flugticketabgabe durch die österreichische Bundesregierung dargestellt und verschärft den ohnehin angespannten Wettbewerb im europäischen Luftverkehr.

Ebenso nicht betroffen von der Schließung ist derzeit die polnische Tochtergesellschaft Buzz, die in Wien-Schwechat ebenfalls Flugzeuge stationiert hat. Die Ryanair Group hat in der österreichischen Hauptstadt Maschinen, die von Lauda Europe, Malta Air und Buzz betrieben werden, stationiert. Es handelt sich um die Flugzeugtypen Airbus A320, Boeing 737-800 und 737-Max-200.

Schließung der Malta Air Basis in Schwechat

Die betroffene Basis, die unter der Lizenz der Malta Air Limited in Wien operierte, wird planmäßig mit März 2026 eingestellt. Die fünf dort stationierten Boeing-Flugzeuge werden demnach auf andere Flughäfen in Südeuropa und Osteuropa umverteilt. Diese strategische Verlagerung ist Teil des Bestrebens von Ryanair, an Standorten mit günstigeren Betriebskonditionen ein stärkeres Wachstum zu realisieren. Besonders in Spanien, Italien sowie verschiedenen osteuropäischen Märkten plant der Konzern eine Intensivierung seiner Aktivitäten.

Die Konsequenzen dieser Entscheidung treffen insbesondere die in Wien ansässigen Mitarbeiter der Malta Air Crew. In einem Schreiben äußerten betroffene Angestellte ihre Besorgnis über die drohende Kündigung oder die Notwendigkeit, für eine Weiterbeschäftigung ins Ausland umziehen zu müssen. Die Anmeldung beim AMS-Frühwarnsystem bestätigt die geplanten Personalanpassungen im Zuge der Basisschließung.

Im Gegensatz dazu hält Ryanair an der Basis der Tochtergesellschaft Lauda Europe fest, die weiterhin mit 14 Airbus A320-Flugzeugen von Wien aus operieren soll. Dies bestätigte Andreas Gruber, der Chef der Ryanair-Tochter Lauda.

Die Rolle der Flugticketabgabe im Konflikt

Als Hauptgrund für den Teilabzug aus Wien nennt Ryanair die Flugticketsteuer der österreichischen Bundesregierung. Ryanair-Chef Michael O’Leary ist bekannt für seine unnachgiebige Haltung gegenüber staatlichen Abgaben und Gebühren, die seiner Ansicht nach die Betriebskosten der Fluggesellschaften unnötig erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes mindern.

Zuletzt hatte O’Leary die führenden politischen Vertreter Österreichs, Bundeskanzler Christian Stocker und Verkehrsminister Peter Hanke, öffentlich scharf kritisiert und ihnen vorgeworfen, seinen Forderungen nach niedrigeren Gebühren und Steuern nicht nachgekommen zu sein. Die aggressive Rhetorik ist Teil der seit Langem etablierten Strategie von Ryanair, politischen Druck auf Regierungen und Flughafenbetreiber auszuüben, um finanzielle Zugeständnisse in Form von geringeren Gebühren oder Subventionen zu erzielen.

Diese Taktik führte in der Vergangenheit regelmäßig zu Spannungen, wird aber von O’Leary als notwendiges Mittel zur Durchsetzung des Geschäftsmodells eines Billigfluganbieters gesehen. Die Flugticketabgabe in Österreich, deren Senkung oder Abschaffung von Flughafenvertretern unterstützt wird, ist seit Jahren ein zentraler Streitpunkt zwischen der Branche und der Politik.

Der Wettbewerbsdruck und die Expansion in Osteuropa

Die Verlagerung der Kapazitäten von Wien nach Osteuropa ist ein klarer Hinweis auf die Prioritäten von Ryanair. In der slowakischen Hauptstadt Bratislava, wo die Fluggesellschaft seit 20 Jahren eine Basis betreibt, sind Ausbaupläne angekündigt. Ryanair hatte in der Vergangenheit versucht, den dortigen Flughafen aktiv als „Vienna East“ zu vermarkten, um Passagiere aus der Region Wien anzuziehen, die von den niedrigeren Kosten in der Slowakei profitieren.

Die Präsenz von Ryanair in Wien-Schwechat begann indirekt nach der Insolvenz von Air Berlin und der anschließenden Pleite der Tochtergesellschaft Niki im Jahr 2017. Ryanair nutzte die Gelegenheit, um über die Übernahme des Niki-Nachfolgers Laudamotion selbst eine Basis in Schwechat zu etablieren und damit eine bedeutende Marktposition zu erlangen.

Trotz der Differenzen mit Ryanair unterstützt der Vorstand des Flughafens Wien, Julian Jäger, grundsätzlich die Forderung nach einer Abschaffung oder zumindest Senkung der Flugticketabgabe, da er diese als wettbewerbsschädlich für den Standort betrachtet. Jäger kommentierte die typischen Forderungen O’Learys jedoch mit einer gewissen Distanz und merkte an, er würde als Flughafen-Chef etwas falsch machen, wenn der Ryanair-CEO vollkommen zufrieden wäre. Dieser Satz illustriert das Spannungsfeld, in dem sich Flughäfen befinden: Sie müssen ein attraktiver Standort für große Fluggesellschaften bleiben, gleichzeitig aber eigene Einnahmen generieren, die im Konflikt mit den niedrigen Kostenzielen der Billigflieger stehen.

Die Reduktion der Kapazitäten in Wien ist daher nicht nur eine Reaktion auf die Steuerpolitik, sondern auch ein Manöver im globalen Wettbewerb, um die Flugzeuge dort einzusetzen, wo die höchsten Wachstumsraten und die geringsten Betriebskosten erzielt werden können. Die Verschiebung der fünf Flugzeuge ist ein deutliches Signal an die österreichische Politik, dass Ryanair seine Strategie kompromisslos an den eigenen Kostenzielen ausrichtet.

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