Die irische Low-Cost-Fluggesellschaft Ryanair hat am 4. November 2026 den Einstieg am Flughafen Kassel-Calden angekündigt. Ab dem Sommerflugplan 2027 plant der Carrier den Betrieb von zwei neuen Linienverbindungen ab dem nordhessischen Regionalflughafen. Vorgesehen sind Flüge nach Palma de Mallorca in Spanien sowie nach Lamezia Terme in Süditalien. Damit erweitert die Fluggesellschaft ihr Netz an deutschen Nebenstandorten und bietet Direktverbindungen aus dem Einzugsgebiet Nordhessen an.
Die Betreibergesellschaft des Flughafens Kassel-Calden erhofft sich durch die Kooperation eine Stabilisierung des Passagieraufkommens und eine bessere Auslastung der bestehenden Infrastruktur. Der Regionalflughafen verzeichnet seit Jahren anhaltende Diskussionen über seine wirtschaftliche Tragfähigkeit und die Notwendigkeit öffentlicher Zuschüsse zur Deckung des laufenden Betriebs. Die Neuaufnahme von Linienverbindungen durch eine namhafte Billigfluggesellschaft soll das touristische Streckenangebot im Outbound-Segment verstärken und dem Standort neue Impulse im Passagierverkehr liefern.
Für den Flughafen Kassel-Calden dürfte der Deal mit Ryanair eine Art Befreiungsschlag sein, denn im Frühjahr blamierte man sich im Zusammenhang mit der dubiosen Fischer Air bis auf die Knochen. Auch sonst hat sich seit der Eröffnung des Neubaus das Interesse der Fluggesellschaften in sehr eng gesteckten Grenzen gehalten.
Derzeit verfügt man im Winterflugplan 2026/27 über überhaupt keine regelmäßigen Linienverbindungen. Skyalps hat die Bozen-Strecke klammheimlich eingestellt und den Verkauf für den Sommer 2027 bislang nicht mehr aufgenommen. Nebst den Ryanair-Flügen sind für den Sommer 2027 auch Verbindungen nach Usedom und Friedrichshafen, die jeweils von Avanti Air im Auftrag von Air Uniqon bedient werden sollen, angekündigt. Es handelt sich aber um niederfrequente Flüge. UKS Touristik will wieder Charterflüge mit Dornier 328 nach Sylt anbieten.
Ob die angekündigten Ryanair-Flüge dem Flughafen Kassel-Calden zum wirtschaftlichen Durchbruch verhelfen, darf angezweifelt werden. Einerseits sind es nicht sonderlich viele Frequenzen pro Woche und andererseits ist der irische Lowcoster dafür bekannt die Gebühren und Kosten für Flughafendienstleistungen knallhart und so billig wie möglich zu verhandeln.