Eine Boeing 787 wird betankt (Foto: Jan Gruber).
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Hamburg: Geplante SAF-Massenproduktion ist gescheitert

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Die Vision einer umweltfreundlicheren Luftfahrt durch den Einsatz von nachhaltigen Flugtreibstoffen (SAF) hat einen herben Rückschlag erlitten. Ein ambitioniertes Großprojekt in Hamburg zur Produktion von SAF wurde eingestellt, wie aus einer Antwort des Hamburger Senats auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht.

Das private Konsortium, das die Anlage im Industriegebiet Billbrook und Rothenburgsort errichten wollte, hat beschlossen, das Vorhaben nicht weiterzuverfolgen. Diese Entwicklung wirft erhebliche Fragen zur Zukunft der nachhaltigen Luftfahrt auf, insbesondere angesichts verschärfter EU-Regelungen, die den Einsatz von SAF forcieren sollen. In Österreich warnten Vertreter der Wirtschaftskammer erst vor wenigen Tagen davor, dass Überregulierung potentielle Investoren abschrecken könnte.

Im Juni 2022 wurde das Projekt „Green Fuels Hamburg“ von einem Konsortium, bestehend aus dem Energiekonzern Uniper, Siemens Energy, Airbus und dem Chemieunternehmen Sasol Eco FT, angekündigt. Ziel war es, ab 2026 in einer ersten Ausbaustufe mindestens 10.000 Tonnen grünes Kerosin pro Jahr zu produzieren. Diese Menge sollte einen Beitrag zur Reduktion der CO₂-Emissionen in der Luftfahrt leisten, einer Branche, die weltweit für etwa 2-3 % der gesamten CO₂-Emissionen verantwortlich ist. Der Hamburger Flughafen sollte dabei ab 2025 etwa 7.000 Tonnen SAF benötigen, um den Anforderungen der neuen EU-Verordnung zu entsprechen, die den Zugang zu SAF-haltigen Flugtreibstoffen erleichtern soll.

Gründe für das Scheitern

Die genaue Ursache für das Scheitern des Projekts wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Der Hamburger Senat erklärte lediglich, dass das Konsortium beschlossen habe, das Projekt nicht weiterzuverfolgen. Dies deutet auf mögliche wirtschaftliche, technische oder politische Hürden hin, die eine Realisierung unpraktisch oder unrentabel erscheinen lassen. Der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Stephan Jersch, äußerte Besorgnis über die mangelnde Verfügbarkeit von SAF in Hamburg und bezweifelte, dass der Bedarf des Flughafens gedeckt werden könne. Das Scheitern des Projekts bedeutet, dass die Stadt nun vor einer erheblichen Herausforderung steht, um die notwendigen Mengen an SAF zu beschaffen.

Das Ausbleiben der SAF-Produktion in Hamburg hat weitreichende Konsequenzen. Zum einen bleibt die Luftfahrt weiterhin stark auf fossile Brennstoffe angewiesen, was die Bemühungen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen erschwert. Zum anderen droht Hamburg, die Anforderungen der neuen EU-Verordnung nicht erfüllen zu können, was möglicherweise Sanktionen oder zusätzliche Kosten nach sich ziehen könnte. Der Senat betonte die Notwendigkeit einer stärkeren Förderung solcher Projekte durch das Bundesverkehrsministerium, um die dringend benötigte Transformation der Luftfahrt voranzutreiben.

Die Rolle der Politik und Wirtschaft

Der Fall des gescheiterten Projekts „Green Fuels Hamburg“ zeigt, dass die Politik eine entscheidende Rolle spielt, wenn es darum geht, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz von SAF zu verbessern. Der Hamburger Senat hat bereits Kontakt mit dem Bundesverkehrsministerium aufgenommen, um für eine stärkere finanzielle Unterstützung zu werben. Gleichzeitig sind auch die Unternehmen gefragt, innovative Lösungen und Investitionen in neue Technologien voranzutreiben. Die Beteiligung namhafter Firmen wie Airbus und Siemens Energy am geplanten Projekt zeigt, dass es Interesse und Expertise gibt. Dennoch müssen finanzielle und regulatorische Hürden überwunden werden, um solche Projekte in die Praxis umzusetzen.

Das Ende des Projekts zur Produktion von nachhaltigem Flugtreibstoff in Hamburg ist ein Rückschlag für die Bemühungen um eine grünere Luftfahrt. Es zeigt, wie komplex und herausfordernd die Umsetzung solcher Großprojekte sein kann, insbesondere in einem Sektor, der stark reguliert und von traditionellen Strukturen dominiert ist. Die Zukunft der nachhaltigen Luftfahrt hängt nun von der Fähigkeit der Politik und der Industrie ab, gemeinsam Lösungen zu finden, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch tragfähig sind.

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